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Neonazis stoßen in Hersbruck auf heftigen Gegenprotest

Auch in anderen fränkischen Städten blockierten Bürger rechte Kundgebungen - 13.04.2014 12:57 Uhr

Die Aktivisten des Feien Netzes Süd stießen in Hersbruck auf lautstarken Gegenprotest.

Die Aktivisten des Feien Netzes Süd stießen in Hersbruck auf lautstarken Gegenprotest. © S. Will/M. Strauß


Als die Neonazis um 11 Uhr am Bahnhof rechts ankamen, wurden sie bereits von der Polizei und einer Gruppe linker Demonstranten erwartet. Die Rechten: Wie immer - sie ließen sich auch durch noch so heftige verbale Provokation nicht reizen. Stoisch warteten sie ab, bis die Polizei ihr Okay zum Abmarsch gab. Es waren höchsten 30, die dem Aufruf von Norman Kempken gefolgt waren. Mit Kempken, dem Fürther Matthias Fischer und dem Nürnberger Sebastian Schmaus waren Hauptakteure der rechten Szene in Hersbruck.

Was die Rechten skandierten, war nicht hörbar, denn der Protest der Menschen, die sich an der Ecke Pegnitzstraße/Nürnberger Straße eingefunden hatten, war zu laut. Die Demokraten pfiffen die Rechten einfach nieder oder trommelten auf Töpfen, ein Anwohner warf demonstrativ seinen Laubbläser im Garten an. Beim Abmarsch Richtung Bahnhof, von wo aus das Freie Netz Süd nach Bayreuth fuhr, um sich dort einer Demo anzuschließen, kam es zu vereinzelten, eher harmlosen Rangeleien zwischen Gegendemonstranten und Polizei.

Politk bekennt sich

Als die Gruppe zum Bahnhof zurückmarschierte, gesellten sich auch einige Kommunalpolitiker zu den Gegendemonstranten. Bürgermeister Robert Ilg oder Vorras Bürgermeister Volker Herzog wie auch Landratsabgeordneter Norbert Dünkel hatten bis dahin auf dem Unteren Markt demonstriert, wollten sich dann aber ein Bild vor Ort machen. Kopfschüttelnd betrachteten sie die Szene.

„Eine rechte Szene brauchen und wollen wir hier nicht,“ sagt Robert Ilg. „Hersbruck ist und bleibt bunt. Gemeinsam setzen wir heute hier ein klares Zeichen für Demokratie und Toleranz.“

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Pfeifkonzert für Neonazis: Freies Netz Süd in Hersbruck

Rund 30 Neonazis zogen am Samstag in Hersbruck über die Nürnberger Straße nach Altensittenbach, um dort unter dem Gejohle und Gepfeife von Gegendemonstranten eine Kundgebung abzuhalten.


Viel Zeit für Vorbereitungen gab es nicht. Erst Freitag Vormittag war bekannt geworden, dass das Freie Netz Süd am Samstag in Hersbruck demonstriert. Unmittelbar darauf forderte Ilg über verschiedene soziale Netzwerke alle Hersbrucker auf, an einer Gegendemonstration am unteren Marktplatz zu kommen. „Wir haben es geschafft und aus der Situation das Beste gemacht,“ erzählt er weiter.  „Ich bin stolz, dass so viele Hersbrucker den Aufruf geteilt und weitergeleitet haben.“

Unterstützung aus Nürnberg

Unterstützung kam auch aus Nürnberg. Die Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg machte ihren Standpunkt mit Plakaten und Trillerpfeifen deutlich. Die Allianz ist ein bunter Zusammenschluss aus Gemeinden, Städten und Landkreisen, die sich gegen Intoleranz und Rassismus engagieren.
 
„Wir sind nahezu überall vertreten,“ sagt Stephan Doll, stellvertretender Vorsitzender. „Es ist wichtig, dass dort, wo sich der braune Mob zusammenrottet, sich die Bürger gemeinsam gegen ihn stellen. Wir müssen den Rechten die Stirn bieten und zeigen, dass die Mehrheit mit ihrem Gedankengut nichts zu tun haben will.“
 

Damit spricht er vielen Bürgern Hersbrucks aus dem Herzen. „Wir wollen weder hier noch irgendwo anders irgendwelche Nazis,“ findet Mathias Näther. „Ich bin hier, weil ich zeigen will, dass Hersbruck ein offener und freundlicher Ort ist und kein brauner Sumpf.“
 
Ihm schließt sich Jonathan Karg an. Der Schüler hat, wie viele andere Jugendliche, die an der Demonstration teilnehmen, „keinen Bock auf Nazis“. Er war mit seiner Mutter und seiner Schwester da. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, gegen rechtes Gedankengut Flagge zu zeigen. „Gerade hier, mit dem KZ vor der Haustür, ist es wichtig, solchem Hass keinen Nährboden mehr zu geben,“ sagt Franziska Karg. „Wir haben also nicht nur eine moralische, sondern auch eine historische Verantwortung.“

Gegendemonstrationen auch bei Hof und in Bayreuth

Auch in den oberfränkischen Gemeinden Helmbrechts und Münchberg (beide Landkreis Hof) fanden rechte Kundgebungen statt. Deren etwa zwei Dutzend Teilnehmer wurden aber von insgesamt 700 protestierenden Menschen mit einem lauten Pfeifkonzert empfangen.

Die mit 45 Teilnehmern größte Versammlung der Rechten im oberfränkischen Bayreuth stieß ebenso auf heftige Gegenwehr: Etwa 400 Demonstranten protestierten friedlich und lautstark gegen die Kundgebung auf dem Luitpoldplatz. Alle Proteste liefen nach Angaben der Polizei friedlich ab.

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"Bündnis Kunterbunt" stellt sich Nazis in Bayreuth entgegen

Am Samstagnachmittag zog in Bayreuth eine Delegation Neonazis vom Bahnhof zum Luitpoldplatz. Die circa 40 Teilnehmer wurden dort bereits von etwa 400 Bayreuther Bürgern, an der Spitze Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, erwartet. Lautstark aber friedlich machten die Gegendemonstranten ihrem Ärger über rechtes Gedankengut Luft.


Der Artikel wurde am 12. April um 16.55 Uhr aktualisiert.
 
  

ms/sw/doh/cmo/dpa

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