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Noch keine Planungen zur B 14-Lösung in Reichenschwand

Bürgermeister rechnet nicht mit einem Spatenstich in den nächsten Jahren - 28.08.2017 09:56 Uhr

Viele Ordner zum Thema B 14 haben sich bei Bruno Schmidt angesammelt, eine große Menge liegt noch am Dachboden der Gemeinde. © Andrea Pitsch


Rund ein Jahr ist es her, dass der Bundestag die Aufnahme der Tunnellösung für die B 14 in Reichenschwand in den vordringlichen Bedarf im Bundesverkehrswegeplan bestätigt hat. Passiert ist bislang nichts – zumindest nicht in Reichenschwand. Stattdessen startet der Bau von Brücke und Kreisel am Bräunleinsberg, was Reichenschwands Bürgermeister Bruno Schmidt die Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

"Ich habe dafür derzeit kein Verständnis", sagt Schmidt klar und deutlich. Er findet, dass der Bau erst Sinn mache, wenn eine Lösung für den Verkehrsfluss in seiner Gemeinde gefunden ist. "Wenn das Brückenbauwerk fertig ist, wird sich alles vor unserem Dorf stauen", ist er sich sicher. Denn ohne die Ampeln am Bräunleinsberg rauschen die Autofahrer von der Autobahn bis Reichenschwand durch, weil es keine Entzerrung des Wagenstroms mehr gibt.

Schmidt befürchtet gar mehr Unfälle vor und im Ort. Auch wenn den Reichenschwandern der Bau – zumindest erst einmal – nichts bringt, zahlen musste die Gemeinde dafür trotzdem: Mit rund 200.000 Euro musste sie sich an den Kosten zur Umlegung der Wasserdruckleitung beteiligen. "Darauf bleiben wir sitzen", poltert Schmidt.

Planung ein weißes Blatt Papier

Und wie ist der Stand in Reichenschwand? "Vor allem die Anlieger der B 14 fragen immer wieder danach", erzählt Schmidt. Die Meinungen der Bürger zum Tunnel gehen auseinander, einige warfen bereits die Idee einer Protestveranstaltung in den Raum. Davon hält Schmidt aber nichts. Denn: "Von technischer Seite gesehen ist die Planung ein weißes Blatt Papier", bringt es Verwaltungschef Roland Uschold auf den Punkt.

Bislang stehen laut Bedarfsplan eine Länge von 2,9 Kilometern, Kosten von 82,2 Millionen Euro und eine grobe Skizze durch die Leitungen des Wasserhauses bei der Altentränke und unterm Fürschwald fest. Diese Trasse halten Schmidt und Uschold für sehr fraglich, an der B 14 verläuft die Rannaleitung, auf der anderen Seite befinden sich die "sehr wasserdurchdrungenen Pegnitzauen". Tiefe, Linienführung – noch ist nichts überlegt.

Vorplanungen soll es ab 2018 geben, so hat es das staatliche Bauamt die Gemeinde wissen lassen. Dieses muss sich dazu Know-how von den hauseigenen Tunnelexperten in München holen. Und noch etwas verzögert die Sache: "Es ist momentan schwer, planende Ingenieure zu finden", weiß Schmidt.

Bürgermeister zweifelt an Umsetzung

Selbst wenn diese gefunden sind, dann warten geologische Gutachten, Bodenproben, Voruntersuchungen und das Planfeststellungsverfahren. "Die Bevölkerung muss mit eingebunden werden", betont der Bürgermeister. Da es sich um Grund und Boden der Gemeinde handelt, hat auch sie ein Mitspracherecht.

In den nächsten 15 Jahren wird es keinen Spatenstich geben, ist Schmidt überzeugt. Man merkt ihm an, dass er nicht so recht an die Tunnellösung für die Gemeinde glaubt. Zu viel hat er schon erlebt, seitdem das Thema Reichenschwand seit den 60ern verfolgt: Vor rund 30 Jahren habe das Dorf gegenüber Berlin und München eine solche Variante gefordert, erinnert sich Schmidt. Sie wurde abgelehnt – zu teuer.

Ein bereits genehmigtes Planfeststellungsverfahren für die Umgehung beim Sportplatz wurde von Berlin gekippt. Das hat Spuren bei der Glaubwürdigkeit hinterlassen. "Damit ist die Umfahrung durch die Pegnitzauen für immer gestorben", echauffiert sich Schmidt, der die Untertunnelung für "monströs und übertrieben" hält – Stichwort Flächenverbrauch.

Flüsterasphalt nicht vor 2020

Immerhin muss das Dorf für den Bau nichts zahlen. "Wir müssten nur für den eventuellen Rückbau der B 14 aufkommen, die dann zur Gemeindestraße rückgestuft würde", erklärt Uschold. Investiert hat die Gemeinde in die eigentlich staatliche Straße schon genug: Ampeln, Querungshilfen, Gehwege sowie Erneuerung der Wasserschieber, Kanaldeckel und Straßenbeleuchtung. "Dafür sind wir verantwortlich und werden mit den Kosten alleine gelassen", lässt Schmidt wissen.

Eine Deckensanierung stehe an sich auch noch an. Flüsterasphalt soll es geben – aber nicht vor 2020. "Die Sanierung der Rannaleitung verhindert das früher", erläutert Schmidt. Wer weiß, ob das gemacht wird, ob und wann der Tunnel wirklich kommt. Prognosen wagt Bürgermeister Bruno Schmidt keine: "Es ist die Frage, wie sich die Verkehrspolitik entwickeln wird." 

Andrea Pitsch

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