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Pommelsbrunner Kirche: Gitternetz schützt Gläubige

Die Ursache für den Abbruch ist noch immer unklar - 03.05.2018 18:23 Uhr

Pfarrer Johannes Schroll deutet von der zweiten Empore aus in Richtung der Stelle, an der sich ein Stuckteil löste. Würde das wieder geschehen, würde das Netz es nun auffangen. © Andrea Pitsch


Auf den ersten Blick wirken die blass durch das Netz durchscheinenden Deckengemälde in Ordnung. Kahle Stellen oder große Risse im Mauerwerk – Fehlanzeige. "Seit dem Vorfall an Erntedank, als ein etwa fußballgroßes, graues Stuckteil in die Bänke gedonnert ist, ist nichts mehr passiert", erzählt Pfarrer Johannes Schroll – trotz der Winterstürme.

Weil das Innere der Wehrkirche noch gut in Schuss schien, hatte sich die Kirchengemeinde an Pläne für eine Außensanierung in diesem Frühjahr gemacht. Als aber der Brocken herunterfiel, rückte der Innenraum abrupt in den Fokus. Pfarrer, der bereits zwecks Sanierungsvorhaben eingebundene Architekt und die Landeskirche beschlossen, das Gotteshaus aufgrund von Sicherheitsbedenken erst einmal zu schließen.

Als ein Restaurator eine erste Analyse Anfang November vornahm, lautete das Urteil: "Das ist ein großflächiges Problem, das sich über die ganze Tonne zieht", berichtet Schroll. Was nun? Ein Gerüst einzuziehen, das für kommende Arbeiten vielleicht sowieso nötig wäre, war aus Kostengründen keine Option. Dazu blieben die Kirchentüren weiterhin zu.

Kirchengemeinden rücken zusammen

"Der positive Effekt war, dass die beiden Kirchengemeinden dadurch enger zusammengerückt sind", sagt Schroll freudig und dankbar. Denn die Katholiken gewährten den Evangelischen Unterschlupf in ihrer Kirche für Gottesdienste und Beerdigungen. "Das war ein großes Entgegenkommen der katholischen Gemeinde." So hat sich die von jeher gute Beziehung – die Katholiken wichen während des Baus ihrer Kirche zu den Evangelischen aus, so Schroll – noch verstärkt. Aber klar war dem Pfarrer auch: "Auf Dauer kann das so nicht weitergehen."

Die Idee für das Netz hatte der Architekt. "So was gibt es schon in der Ansbacher Gegend." Auf einer Größe von elf mal 13 Metern spannen sich zwei Netze – der Kostenpunkt liegt im vierstelligen Bereich – von der zweiten Empore aus über den vorderen Kirchenraum: Die grobmaschige Variante hält das Gewicht, die feine die kleinen Teile. Ein paar Drähte ringeln sich herunter. "Die Hängeleuchten konnten wir nicht mehr befestigen, aber so können wir nun seit Mitte Februar beruhigt Gottesdienst feiern", erklärt Schroll.

Probleme für Musiker

Diese sind zumindest für die Organisten seitdem eine kleine Herausforderung: Da sich die Orgel auf der zweiten Empore befindet, schaut der Musiker von oben auf eine "Art weiße Wand", wie es Schroll beschreibt: "Das macht mehr Absprachen nötig." Genutzt kann sie aber ganz normal werden. Auch der Altarraum macht keine Sorgen und ist unverhüllt: "Er ist unter dem Turm und damit noch Grundbestand der alten Kirche."

Doch warum sich überhaupt ein Stück aus dem Stuck aus dem 18. Jahrhundert gelöst hat, ist noch unklar. "Entweder ist der Grund Materialermüdung oder es gibt ein statisches Problem." In Dach und Mauerwerk ist in der Laurentiuskirche viel Bewegung drin, weiß Schroll: "Der hohe Turm und die exponierte Lage sorgen für viel Winddruck."

Da sei es nur eine Frage, wie lange das Dach das ausgleichen könne. Um das herauszufinden, muss das Dach genauer untersucht werden, was bislang aus Witterungsgründen nicht möglich war. Derzeit laufen aber die Planungen von Architekt und Landeskirche dazu.

Dann heißt es für Schroll und die Gläubigen weiter abwarten. Erst wenn es konkrete Ergebnisse gibt und die Ursache gefunden ist, kann über die Gesamtmaßnahme nachgedacht werden, blickt er voraus. 

Andrea Pitsch

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