Sonntag, 18.11.2018

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Pumpspeicherkraftwerk Happurg: Perspektiven fehlen

Delegation grüner Kommunalpolitiker besuchte das stillstehende Kraftwerk - 14.05.2018 10:45 Uhr

Besuchten das Pumpspeicherkraftwerk Happurg: Rainer Kuppert (Uniper), Elisabeth Altmann, Stefan Paulus, Gabriele Drechsler, Herbert Krafft, Christian Boehmlehner, Martin Stümpfig, Carsten Gollum (Uniper), Ferdinand Rosenbauer, Lars Pappert (Uniper), Theodoros Reumschuessel (Uniper), Eckart Paetzold. © privat


Der Leiter der Kraftwerksgruppe Pumpspeicherkraftwerke der Uniper Kraftwerke GmbH, Carsten Gollum, führte die Besuchergruppe. Im Jahr 1964 ging das Kraftwerk nach vierjähriger Bauzeit ans Netz. Das Oberbecken mit einem Volumen von 1,8 Millionen Kubikmeter kann eine Energie von 840.000 kWh Strom speichern. Im Januar 2011 musste das Kraftwerk stillgelegt werden, weil im Oberbecken starke Auswaschungen des kalkigen Untergrunds auftraten.

Bis zu diesem Zeitpunkt war das Kraftwerk in seinen 47 Jahren Einsatzzeit zu 99 Prozent betriebsbereit. "Das ist eine Rekordleistung unter den deutschen Kraftwerken. Umso mehr ist es zu bedauern, dass es seit nun sieben Jahren stillsteht", wird Betriebsleiter Rainer Kuppert in der Pressemitteilung der Grünen zitiert.

Die 200 Höhenmeter Unterschied zwischen Ober- und Unterbecken werden dazu genutzt, in Zeiten von Stromüberschuss im Netz Wasser hochzupumpen. Bei Bedarf kann das Kraftwerk mit einer Leistung von 160 Megawatt (MW) Strom erzeugen, verteilt auf vier Maschinensätze. Damit wäre es mit dem Pumpspeicherkraftwerk Langenprozelten bei Gemünden am Main das größte Pumpspeicherwerk in Bayern.

"Wichtig als Ausgleich"

"Pumpspeicherkraftwerke haben schon immer eine wichtige Rolle im Energiesystem gespielt. Sie sind wichtig für den Ausgleich der schwankenden Einspeisung aus Sonne und Wind und können bei Stromausfall zum Beispiel ohne jegliche Zufuhr von Strom wieder starten. Die große Flexibilität und diese sogenannte Schwarzstartfähigkeit sind große Pluspunkte", so Gollum.

Zukünftig würden es immer mehr Zeiten von Stromüberschuss geben, wenn Sonne und Wind auch an verbrauchsschwachen Tagen volle Leistung hätten, heißt es weiter. Dann könnten Pumpspeicherwerke die saubere Energie perfekt zwischenspeichern. Der Gesetzgeber lege hier jedoch große Hürden in den Weg. Für dieses Zwischenspeichern müssen die Betreiber Netzentgelte bezahlen. Sie seien als sogenannte "Letztverbraucher" eingestuft, genauso wie wenn sie den Strom verbrauchen würden.

Gesetzgeber hängt hinterher

Derzeit lägen 43 Projekte von Pumpspeicherwerken deutschlandweit auf Eis, weil keine wirtschaftliche Grundlage gegeben ist. Die Leistungen wie Schwarzstartfähigkeit, Regelstrombereitstellung, Blindstromlieferung und so weiter würden nicht ausreichend vergütet, erfuhren die Grünen bei ihrem Besuch in Happurg. Einzig die Menge der Stromproduktion zähle.

"Der Gesetzgeber hängt den Anforderungen eines neuen Energiesystems, das auf Sonne und Wind beruht, weit hinterher. Hier müssen wir endlich die Weichen stellen und den wichtigen Pumpspeicherwerken eine langfristige Perspektive bieten", sagt Martin Stümpfig. Dann könnten sich die Betreiber in Happurg auch wieder Gedanken machen, den Obersee mit einem dreistelligen Millionenbetrag zu sanieren. Das Kraftwerk stehe bereit, wie sich die Grünen hätten vergewissern können. "Es wird perfekt von Betriebsleiter Karl-Heinz Meixner und seinem Team unterhalten. Es tut weh, wenn man sieht was hier ungenutzt schlummert", so Stümpfig. 

Hersbrucker Zeitung

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