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Unbesinnliches Nachspiel: Awo Hersbruck streitet mit der Gema

Zwei Lieder waren lizenzierungspflichtig - Saftige Nachzahlungen möglich - 14.03.2016 06:00 Uhr

Vorsicht ist geboten, wenn auf Vereinsfeiern Volksweisen zum Besten gegeben werden. Die Gema will wissen, was gesungen wird. © Paul Neudörfer


Für viele Vereine und Verbände gilt sie als bedrohliches Schreckgespenst mit wenig Sinn für das gemütliche Beisammensein samt Live-Musikgenuss. Für ihre elf gemütlichen Tanztees im Festsaal des Herbsrucker Hauses der Begegnung hat die Awo mit der Gema einen ordentlichen Vertrag. 386, 46 Euro zahlt sie dafür pro Jahr, abgezogen ist bereits großzügig gewährter Nachlass.

Ausgerechnet die vergangene Weihnachtsfeier, die zwölfte Veranstaltung, hatte das unbesinnliche Nachspiel und eine Nachzahlung in Höhe von rund 35 Euro zur Folge. Die zwei Lieder "Oh du schöne Weihnachtszeit" und "Es wird scho gleich dunkel" entpuppten sich dabei als nachträglich lizenzierungspflichtig. Anders als Kriegsparteien kennt die Gema in solchen Konfliktfällen keinen Weihnachtsfrieden.

Sollte der erhöhte Betrag nicht beglichen werden, schrieb die Direktion, würde ein Zuschlag von 100 Prozent als Schadensersatzforderung fällig. "Wir bitten Sie hiermit letztmalig eine Auflistung sämtlicher gespielter Werke umgehend einzureichen", heißt es scharf. Günter Kappelmeier zeigte sich in dem Briefwechsel, der sich über fast drei Monate hinzog, äußerst kooperativ, "nur die Urheber der Lieder können wir Ihnen leider nicht nennen, diese sind doch wohl schon mehr als einhundert Jahre tot", schrieb er. Bereitwillig reichte er aber eine Kopie des bunten Programms der fraglichen Awo-Feier ein, dessen musikalischer Teil im Kern von den "Hans-Görgl-Boum" getragen wurde. Um äußerste Korrektheit bemüht, trug der Awo-Chef außerdem pflichtschuldigst nach, dass unter dem Punkt "Gemeinsames Lied mit Erico“ die Lieder "Oh, du fröhliche ...", "Leise rieselt der ..." sowie "Kling Glöckchen kling ..." zum Besten gegeben wurden. "Das war eine Art Potpourri des Musikers“.

Bei den fränkisch-oberpfälzischen Mundartgesängen der "Boum" listete er "Vertramt und verschlafn" oder "Ganz still ist das Land" auf, und eben auch die zwei wider Erwarten gebührenpflichtigen Stücke. "Als Sozialverband finden wir es besonders kleinlich, für diese zwei Lieder den vollen Betrag zahlen zu müssen“, klagte Kappelmeier in seinem letzten Schreiben. Die zusätzlich fälligen Gebühren blieben aber an der Awo hängen. Das muss man aus Sicht der Gema auch verstehen, besser gesagt aus der Sicht der Interessen der Komponisten, Textdichter und Musikverleger, die der Verein vertritt. Sie wollen nach der Nutzung ihrer Kunstwerke auf öffentlichen Veranstaltungen verständlicherweise nicht leer ausgehen. 13 Prozent der Einnahmen behält die Gema für sich, um ihre Verwaltungskosten zu decken.

Saftige Nachforderungen für schwarze Schafe

Organisationen wie die Awo haben die Pflicht, ihr Programm zu melden. Wer nun denkt: Wird schon keiner merken, wenn wir in unserem Hinterzimmer lustig aufmusizieren, für den kann es ein böses Erwachen geben. "Wir sind ziemlich gut, so was zu entdecken", sagt Gaby Schilcher von der Gema-Generaldirektion in München. Agenturen sind damit beauftragt, Sünder aufzuspüren. Dazu werden zum Beispiel Veranstaltungskalender in Zeitungen durchforstet.

Die schwarzen Schafe in der großen Herde der Freunde des öffentlichen Musizierens in Vereinen und Organisationen trifft es dann mit saftigen Nachforderungen. "Gemeinfrei", wie die Fachleute sagen, also nach Herzenslust und ungeschützt öffentlich herunterzududeln, sind die Werke erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Die Höhe der Gema-Gebühren für Live-Musik richtet sich nach Größe des Veranstaltungsraumes und der Höhe des erhobenen Eintrittsgeldes. Gaby Schilcher übermittelt dazu eine übersichtliche Tabelle.

Die Hersbrucker Awo dürfte bei einer Raumgröße von bis zu 200 Quadratmetern liegen, Eintrittsgeld wird keines erhoben, macht je Tanztee 46,10 Euro. Lädt jemand in einen tausend Quadratmeter großen Saal und verkauft dafür Karten für je zehn Euro, sind das schon 763, 94 Euro. So steigert sich das langsam. Gaby Schilcher sieht darin eine "Spitzendienstleistung" der Gema, die allen Seiten gerecht wird. Denn wenn alles ordentlich angemeldet ist, darf das weltweite Repertoire der Lieder auf der Gema-Liste frei genutzt werden. Da geht dann spielplanmäßig bei der Awo noch weit mehr als "Es wird scho gleich dunkel".

Eine Übersicht über die Gebührentabelle finden Sie hier.  

Michael Kasperowitsch

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