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Hohe Holzpreise, aber kein Aktionismus

Der Holzmarkt läuft so gut wie seit 30 Jahren nicht mehr - 29.10. 19:38 Uhr

HERZOGENAURACH  - Die Holzpreise sind auf einem beinahe historischen Hoch, derzeit wird auch rund um Herzogenaurach wie immer im Herbst Holz in großem Stil einge­schlagen. Die Bewirtschaftung des Waldes sollte freilich mit der gebote­nen Umsicht erfolgen, darin sind sich Waldbauern, Vermarkter und das Forstamt einig.

Sogenannte Großpflanzungen, wie sie Waldcorporationschef Helmut Müller hier zeigt, sind weniger empflindlich gegen Verbiss durch Wildtiere.
Sogenannte Großpflanzungen, wie sie Waldcorporationschef Helmut Müller hier zeigt, sind weniger empflindlich gegen Verbiss durch Wildtiere.
Foto: Günter Distler
Sogenannte Großpflanzungen, wie sie Waldcorporationschef Helmut Müller hier zeigt, sind weniger empflindlich gegen Verbiss durch Wildtiere.
Sogenannte Großpflanzungen, wie sie Waldcorporationschef Helmut Müller hier zeigt, sind weniger empflindlich gegen Verbiss durch Wildtiere.
Foto: Günter Distler

Thomas Späth, Geschäftsführer der Waldbau­ernvereinigung, ist sich sicher: „Der Holzmarkt läuft so gut wie seit 30 Jah­ren nicht mehr.“ Die Waldbauernver­einigung kümmert sich um die Ver­marktung des Holzes aus Privatwald­beständen im ganzen Landkreis Erlan­gen- Höchstadt.

Zum Beispiel aus der „Waldcorpora­tion Herzogenaurach“, deren Gebiet den Birkenbühl mit rund 240 Hektar, den Dohnwald mit 190 Hektar und den Burkwald mit 89 Hektar Fläche umfasst. Helmut Müller, Chef der Waldcorporation, betont, dass die Holzernte „mit Fingerspitzengefühl“ zu erfolgen habe und es wenig bringe, nur im Hinblick auf den hohen Holz­preis die Produktion zu erhöhen. In der Waldcorporation Herzogenaurach sind 187 eindrittel Anteile vereinigt, die kein persönliches Recht verkör­pern. Dieses ruht auf alten Herzogen­auracher Häusern und ist auch nicht übertragbar — alle Waldbesitzer haben in der Corporation nur eine Stimme. „Das haben unsere Vorfah­ren schon klug geregelt“, sagt Helmut Müller.


Wichtig ist die Aufteilung zwischen Brennholz und Nutzholz. Die beste und zweitbeste Sortierung werden über die Waldbauernvereinigung ver­kauft und gehen unter anderem an Sägewerke in der Oberpfalz und in Thüringen, die das Holz weiter verar­beiten.

Palettensortiment am billigsten

Der ofenfertige Ster Brennholz (ent­sprechend zwei Dritteln eines Festme­ters), ofenfertig geliefert, kostet 65 Euro für Kiefernholz, etwas mehr für Birkenholz und 85 Euro für Eichen­oder Buchenholz, die bekanntlich einen besseren Brennwert aufweisen.

Zum Vergleich: Der Festmeter „Wertholz“ kostet bei Kiefer 60 bis 78 Euro je nach Baumstärke, für Fichten­holz werden 70 bis 100 Euro fällig. Bil­liger ist das Palettensortiment, die Palette bringt im Durchschnitt 63 Euro. „Vor sechs Jahren waren es gerade einmal 30 Euro“, beschreibt Thomas Späth die rasante Preisent­wicklung auf dem Holzsektor.

„Wir könnten locker das Dreifache verkaufen“, bestätigt Helmut Müller — und hat auch Gründe für den Erfolg des organischen Bau- und Brennstoffs parat: „Sowohl Gas wie auch Erdöl werden immer teurer — da ist Holz ein gutes Mittel, um der Preistreiberei ent­gegen zu wirken“, meint Müller, der einen Kachel- oder Speckstein­ofen in der „guten Stube“ als „eindeutige Verbesserung des Wohn­komforts und der Lebens­qualität“ ansieht.

Obwohl also der Profit steigerungsfähig wäre und auch die allmählich überalterten Bestände der Waldcorporation einen forcierten Ein­schlag nahelegen wür­den, mahnt Müller zur Mäßigung: Zu massives Ausdünnen der Bestände zeitige negative Nebenef­fekte. So mache man ungewollt Platz für uner­wünschte Pflanzen wie Seegras und anderes Unkraut, etwa amerika­nisches Springkraut oder die spätblühende Traubenkirsche.

So erntet die Waldcor­poration im Dohnwald per „Harvester“ in die­sem Herbst moderate 2200 Festmeter, im sen­sibler zu handhabenden Birkenbühl sogar nur 600 Festmeter. „Das ist auch und gerade in Anbe­tracht der älteren Bestände an der Untergrenze“, führt Helmut Müller aus.

Um die Auswirkungen des Ausdün­nens relativ gering zu halten, arbeitet man unter anderem mit „Großpflan­zungen“ — es werden Bäume einge­setzt, die schon zwischen 1,20 Meter und 1,50 Meter groß sind, um „aus dem Äser heraus“ zu sein, also Rehver­biss zu vermeiden.

Eines der Zauberworte in der Wald­bewirtschaftung heißt „Naturverjün­gung“ — durch angeflogene oder aufge­schlagene Saat beziehungsweise die Saat umstehender Bäume oder vegeta­tive Vermehrung entsteht Nach­wuchs- Waldbestand. Diesen gilt es allerdings vorzubereiten: Mit einer Fräse „wie ein Haifischmaul“ (Mül­­ler) wird der Boden bereitet und selbst Baumstümpfe „förmlich pulve­risiert“. „Dann kommt die Kiefer“, meint Müller und weist darauf hin, dass der Baum viel Licht braucht und dass Brombeeren die jungen Pflanzen förmlich ersticken können.

Heike Grumann vom Amt für ländli­che Entwicklung und Forsten emp­fiehlt Waldbesitzern, sich in Sachen Holzernte mit dem zuständigen Revierleiter abzusprechen, weil das Forstamt „am meisten Ahnung hat, wo der Einschlag sinnvoll ist“, so Gru­mann. Im Übrigen plant die Forstex­pertin für November eine besondere Walderlebnis-Aktion, zu der alle Generationen eingeladen sind.

  



HANS VON DRAMINSKI

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