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Puma und Adidas: Kritik an RTL-Film zu den Dassler-Brüdern

Spielfilm kommt nicht überall gut an - Doku findet mehr Anklang - 26.03.2016 15:49 Uhr

Ein historisches Bild, daneben die beiden Film-Dasslers. Nicht überall findet der Film Anklang.

Ein historisches Bild, daneben die beiden Film-Dasslers. Nicht überall findet der Film Anklang. © Collage: privat/RTL


Der Film erzählt über 30 Jahre hinweg die Geschichte der Brüder Adolf (Ken Duken, 36) und Rudolf Dassler (Torben Liebrecht, 38). 1924 bauen sie eine kleine Schuhmanufaktur in Herzogenaurach auf. Durch die perfekte Zusammenarbeit des Tüftlers Adi und des Verkaufstalents Rudi entsteht schnell ein erfolgreicher Betrieb, der sich auf Sportschuhe aller Art spezialisiert.

Während des Zweiten Weltkriegs kommt die Produktion von Schuhen fast zum Erliegen, die Brüder müssen stattdessen Panzerfäuste bauen. Nach Kriegsende wird der Betrieb entnazifiziert, rasch stellt sich neuer Erfolg ein. Doch die beiden Brüder liefern sich alsbald ziemlich alberne und heftige Streitereien, und auch ihre Frauen Käthe (Picco von Groote) und Friedl (Nadja Becker) mischen kräftig mit nach der Devise: Meine Schuhe / Deine Schuhe und Meine Frau / Deine Frau.

1948 wird das Stammwerk schließlich in die zwei späteren Weltkonzerne Adidas und Puma aufgespalten. 1954 bei der Fußball-WM in der Schweiz kann sich Adi mit seinen Schuhen durchsetzen, die auf dem nassen Platz einfach besser sind - getreu seinem Motto: "Irgendwann tragen die besten Sportler der Welt meine Schuhe."

"Faszinierende Familiengeschichte"

"Es ist einfach eine faszinierende Familiengeschichte in einer unglaublich spannenden Zeit", berichtet Produzent Uwe Kersken (66, "Die Deutschen") im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur über den Film. "Diese 'Viererbande' war es, die beiden Ehepaare, die während ihres größten Erfolges unter einem Dach wohnen müssen. Sie sind auf Gedeih und Verderb aneinander gefesselt."

"Was bringt zwei Brüder dazu, zunächst gemeinsam so erfolgreich zu sein und sich dann so grandios zu überwerfen?", ergänzt Mitproduzent Christian Schnalke. "Da ist der Keim schon ganz früh angelegt, um sich zu zerstreiten. Was dann ja leider auch eintritt und sich zunehmend verschärft - bis sie sich allesamt gegenseitige Vorwürfe machen und auch vor bösartigen Verleumdungen nicht zurückschrecken."

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Adidas und Puma: Die Geschichte zweier fränkischer Sportgiganten

1920 gründeten die Gebrüder Dassler eine Schuhfabrik in Herzogenaurach. Nach Unstimmigkeiten trennten sich Adolf und Rudolf Dassler und bauten jeweils eigene Fabriken auf: Adidas und Puma. Aus den mittelfränkischen Unternehmen wurden Weltkonzerne. Wir zeigen die Geschichte der Sportartikelhersteller in Bildern.


Davon gibt es in der Tat reichlich, und man fragt sich schon warum, denn sie wollten beide dasselbe: Erfolg mit Sportschuhen. Der Film bietet gute Schauspieler, eine tolle Ausstattung, flotte Musik, rasante Schnitte und eine etwas zu moderne Sprache - beim ersten Treffen mit den späteren Gattinnen hat man sich damals ganz sicher nicht geduzt. Autor Schnalke und Regisseur Oliver Dommenget greifen durchaus einige wenige historische Wahrheiten auf, aber sie fügen umso ausführlicher allerhand fiktionale Freiheiten hinzu, die nicht allzuviel Platz für Tiefgang bieten. Und so bleibt auch in Herzogenaurach die Kritik nicht aus. Die vollständigen Reaktionen auf den Film finden Sie hier.

Herbert Hainer (Vorstandsvorsitzender von Adidas):

"Vielleicht wurden nicht alle Fakten historisch korrekt wiedergegeben, insgesamt aber war es ein toller Film, der vor allem eines zeigt: die Familiengeschichte der Dasslers bietet den perfekten Stoff für ein Drama."

Klaus-Peter Gäbelein (Vorsitzender des Heimatvereins Herzogenaurach):

"Typische Seifenoper nach US-Vorbild mit viel schwarz-weiß Malerei. Die Gerüchte über die Trennung werden breitgetreten, wenngleich man die genauen Hintergründe wohl nie erfahren wird. Ansonsten gibt es im Film viele 'Großzügigkeiten', die man als Historiker so nicht durchgehen lassen kann. Schade auch, dass man keine Szene aus Herzogenaurach eingebaut hat. Das Rathaus hätte sich doch sicher als Drehort angeboten. Ziemlich sorgfältig dagegen die Dokumentation mit einem sehr fundierten Historiker. "

Irene Lederer (Leiterin Stadtarchiv Herzogenaurach):

"Es hätte schlimmer kommen können. Aus einem großartigen Stoff, der Material für mehrere Staffeln einer Daily Soap bietet, macht das Privatfernsehen ein durchaus ehrenwertes Doku-Drama."

Helmut Fischer (Früherer Werbeleiter von Puma und Archivar):

"Rudolf Dassler war – entgegen seiner Darstellung im RTL-Film – weder Fremdenhasser noch Rassist. Rudolf Dassler war in der gemeinsamen Firma unter anderem für die Werbung verantwortlich. Prospekte von 1938/39 belegen, dass er darin schwarze Sportler abbilden ließ. Beide Brüder waren keine überzeugten Nazis, sondern traten der Partei 1933 nur deshalb bei, um ihre unternehmerische Existenz zu sichern."

Gotthard Lohmaier (Historiker, Sohn eines Puma-Mitarbeiters):

"Der Film mag für einen Nicht-Herzogenauracher eine unterhaltsame Schmonzette gewesen sein mit durchaus guten Schauspielern. Für den Herzogenauracher aber, besonders für den historisch Interessierten, gab es zu viele reißerische, spekulative Effekte, die weit von der Wahrheit entfernt sind."

Bei der ARD bastelt man gerade an einem ganz ähnlichen Projekt mit dem Arbeitstitel "Die Dasslers" und den Hauptdarstellern Hanno Koffler (35) und Christian Friedel (36). Der Zweiteiler kommt voraussichtlich noch in diesem Herbst ins TV-Programm. Wie die Reaktionen dann ausfallen, wird sich zeigen. 

dpa/vb

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