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50 Jahre Priester: Weigel weiß wie Entwicklungshilfe wirkt

Pater Siegfried Weigel hat auf Papua-Neuguinea lange Jahre Entwicklungsarbeit geleistet - 24.09.2017 09:32 Uhr

Pater Siegfried Weigel im weißen Missionarsgewand mit Einheimischen, die sich in ihrer traditionellen Tracht zeigen. © Foto: privat


Wer Pater Weigel im Gespräch gegenüber sitzt, erlebt einen besonnenen Senioren, den sein bewegtes Leben als christlicher Missionar in der pazifischen Südseeregion gezeichnet hat. Bereits 1951, als Zwölfjähriger am Steyler-Gymnasium in Ingolstadt, stand für den jungen Siegfried fest: "Ich werde Missionar!"

Später entdeckte Weigel auch seine zweite Berufung: die des Handwerkers. "Das hat wesentlich zum Gelingen meiner Missionsarbeit beigetragen", bilanziert er. Nach Abitur, Theologie-Studium bei Wien, Priesterweihe bei Chicago und Primiz in Roth wurde er 1967 als Steyler-Missionar nach Papua-Neuguinea entsandt.

Dort wirkte Weigel als geistiger, aber auch weltlicher Aufbauhelfer. Aus dem Nichts baute er mehrere Schulen, Läden, zwei Kirchen, Wasser- und Abwassersysteme, Solaranlagen und Wasserkraftwerke, wirkte als Jugendarbeiter, Seelsorger, Schreiner, Maurer, Lehrer, Pferdezüchter, Radio- und Tontechniker, Post-Banker und organisierte neben all dem Spenden und Maschinen für die Missions- und Entwicklungsarbeit.

Schnell habe er als junger Missionar verstanden, dass es nicht zielführend ist, den Menschen Geld oder Infrastruktur gratis zu überlassen. Von der in der ehemaligen deutschen Kolonie aufgebauten Infrastruktur profitiert das Land noch heute, grundsätzlich brauche es aber eine Wertschätzung des Aufgebauten durch Bildung und Teilhabe am Aufbau.

Vor allem in historisch gewachsenen, von kleinräumigen Stammesherrschaften geprägten Regionen sei dies ein großes Problem. "Neid und Anspruchsdenken der Gruppe gegenüber den erfolgreichen Einzelnen verhindern vieles", so Weigel und fügt hinzu: "Es funktioniert nur über Bildung und die geht am besten über die Mütter." Da diese generell an einer besseren Zukunft für ihre Kinder interessiert wären, habe er früh volkshochschulähnliche "Mama-Groups" aufgebaut und nach einigen Jahren ein Umdenken bemerkt.

"Da in Papua-Neuguinea der Staat lediglich das Gehalt der Lehrer bezahlt, gibt es nur dort neue Schulen, wo die Menschen bereit sind, selbst die Sportanlagen, Wohnungen und Gärten zur Versorgung der Lehrer zu bauen." Dazu helfe das ganze Dorf zusammen. Durch das Anstoßen solcher Projekte genießen die Missionare in der Bevölkerung ein höheres Vertrauen, als die politischen Eliten des Landes, so Pater Weigel. Deshalb gelinge aus seiner Sicht Entwicklungsarbeit nur dort, wo der Westen das Geld Entwicklungshelfern überlässt, die Projekte verantworten und damit "einen Abfluss des Budgets in Richtung Politiker-Villa oder Privatflugzeug verhindern und gleichzeitig die Potenziale und Talente der Menschen aktivieren und sie zur Teilhabe mobilisieren." Ginge es nach dem erfahrenen Entwicklungshelfer, müssten auch größere Unternehmen ihr Engagement in Entwicklungsländern ausbauen. 

pex

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