Dienstag, 25.09.2018

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"Gredl"-Triebwagen bringt Anwohner auf die Palme

Motor läuft oft schon bis zu einer Dreiviertelstunde vor Abfahrt des Zuges - 08.09.2018 06:00 Uhr

Zankapfel „Gredl“. Weil der Motor des DB-Triebwagens oft schon lange vor der Abfahrt läuft, genauso übrigens wie die Busmotoren, sind die Anwohner gewaltig genervt. Der Zug müsse auf Betriebstemperatur gebracht werden, heißt es seitens der DB. © Foto: HiZ-Archiv/Viola Bernlocher


Daniela Chapman und Fahrlehrer Olaf Großhauser haben die Lärmbelästigung und Umweltverschmutzung minutiös dokumentiert. So laufen die Motoren des "Gredl"-Triebwagens mitunter 43 Minuten lang, wie zum Beispiel am 23. August, frühmorgens von 4.35 bis 5.18 Uhr. Da kommt natürlich "Freude" auf bei den Anwohnern: "Dann bin ich wach und kann nicht mehr einschlafen", beklagt sich Großhauser. Aber auch unter Tags röhren die Diesel bis zu über einer halben Stunde. "Das ist ein wahnsinniger Schadstoffaustausch", erklärt Daniela Chapman, die 2005 mit ihrer Familie nach Hilpoltstein zog.

Am Rande interessant: "Damals hieß es, dass die ,Gredl‘ sowieso eingestellt wird, wenn denn der Allersberger Regionalbahnhof in Betrieb ist", berichtet Daniela Chapman. Dieser Bahnhof an der Neubaustrecke Nürnberg Ingolstadt wurde im Spätherbst 2006 eröffnet – die "Gredl" gibt es immer noch.

Fenster bleiben geschlossen

Zurück zum eigentlichen Thema. "Im Sommer kann man die Fenster überhaupt nicht aufmachen wegen der Abgase und dem Lärm." Auf der Terrasse oder im Wohnzimmer zu sitzen, falle auch flach, weil die Motorengeräusche allgegenwärtig seien, beschwert sich Daniela Chapman. Denn auch die Motoren der Busse laufen während der Standzeiten in Hilpoltstein.

Die ideale Lösung dieses Problems wäre für sie eine Überdachung des Busbahnhofes, nimmt sie die Verantwortlichen in die Pflicht, denn sie wolle nicht, "dass Lärm mein Leben bestimmt". Die Krönung der frühmorgendlichen Ruhestörung sei das Hupen des Zuges, meint Großhauser. Spätestens dann sei Schluss mit Schlafen. Großhauser räumt aber auch ein, dass "nicht alle Lokführer, aber die meisten", zu den Ruhestörern gehören. Ähnlich verhalte es sich bei den Busfahrern der Unternehmen Rombs und Elko.

Systemcheck vor der Abfahrt

Anton Knapp von der Abteilung Kommunikation bei der DB in München "bedauert sehr, dass die Anwohner durch die Schallemissionen des Bahnbetriebs am Bahnhof Hilpoltstein belästigt werden. Die Fahrzeuge der DB Regio sind zugelassen, ordnungsgemäß gewartet und der Motoren- und Aggregatebetrieb findet ausschließlich bei Bedarf statt. Leider stellt sich das für die Anwohner oft nicht so dar, da man ja verständlicherweise die Situation gerne mit dem Betrieb des eigenen Pkw vergleicht und es dort im Stand keinen Motorenlauf gibt. Dieser ist aber im Bahnbetrieb häufig erforderlich."

Als Gründe hierfür nennt er unter anderem die Versorgung mit Druckluft für Bremsen und Türen. Dazu ist der Lauf des Dieselmotors eine ganze Zeit vor Abfahrt und unter Umständen während der Innenreinigung der Züge erforderlich. Zudem müsse der Motor auf Betriebstemperatur gebracht werden und vor der Abfahrt müssten sämtliche Systeme geprüft werden. "Die Klimatisierung der Fahrzeuge zum Technikschutz und um am ersten Halt den vorgegebenen Komfort zu gewährleisten, macht ebenfalls den Motorlauf erforderlich", lässt er in einer E-Mail an unsere Redaktion wissen.

Situation wird regelmäßig geprüft

Zusätzlich müsse vor der ersten Fahrt die Funktionsfähigkeit des Signalhorns als "sicherheitsrelevante Einrichtung" am Fahrzeug getestet werden. Sein Schreiben schließt mit dem Satz: "Unabhängig davon prüfen wir die Situation vor Ort regelmäßig, um sie zu verbessern".

Was den Lärm der Busse angeht, antwortet Rudolf Rombs von der gleichnamigen Weißenburger Firma, dass man in dieser Hinsicht in der Zwickmühle sei. Die Busmotoren müssten während des Aufenthalts am Haltepunkt Hilpoltstein laufen, um im Sommer die Klimaanlage auf Touren zu bringen und im Winter die Heizung. Das habe mit Komfort für die Reisenden zu tun. Niemand setze sich gerne im Sommer in einen knallheißen Bus; genauso wenig, wie die Passagiere im Winter in ein ungeheiztes Fahrzeug: Klimaanlage und Heizung würden bei abgeschaltetem Motor überhaupt nicht laufen.

Batterie macht schlapp

"Wenn wir das Gebläse nicht laufen lassen, ist die Batterie bald am Ende und startet nicht mehr", sagt Seniorchef Rombs und fügt hinzu: "Natürlich gefällt uns der Lärm auch nicht". Vom Reiseunternehmen Elko in Greding hingegen gab es keine Antworten zum Thema "Lärm und Umweltverschmutzung". Nur so viel war telefonisch zu erfahren: "Der Chef kümmert sich darum". Na dann ...

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Harry Rödel E-Mail

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