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34 junge Flüchtlinge ziehen nach Adelsdorf

Minderjährige ohne Eltern sollen in vier Wohngruppen ein Zuhause finden - 17.06.2015 16:46 Uhr

Der Garten bei der neuen Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Adelsdorf bietet gute Möglichkeiten, den Bewohnern Verantwortung zu übergeben. Svenja Kreiner und Jürgen Ganzmann besprechen sie hier.Foto: Edgar Pfrogner


Mohammad (Name von der Redaktion geändert) ist vierzehn Jahre alt. Er musste aus Syrien fliehen. Jetzt ist er ganz allein. Denn sein achtjähriger Bruder hat die Flucht nicht überlebt. „Der Junge ist geplagt von Schuldgefühlen, weil er sich verantwortlich fühlt“, sagt Jürgen Ganzmann. Der Geschäftsführer der WAB Kosbach hat Mohammad getroffen, als er zusammen mit seiner Mitarbeiterin Svenja Kreiner eine Clearingstelle besuchte. In diese Erstaufnahmeeinrichtung kommen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF), bevor sie nach Quoten auf die verschiedenen Landkreise in Bayern verteilt werden.

Erlangen-Höchstadt bietet derzeit 26 Betroffenen Platz und muss aufstocken. Voraussichtlich ab 1. Juli ziehen in Aisch im Ulmenweg 14 Flüchtlinge ein. Betreut werden sie rund um die Uhr vom Jugendhilfeverbund „Puckenhof“. Sie bekommen unter anderem psychologische Hilfe und Deutschunterricht.

Ab September und Oktober kommen dann zwei weitere Unterkünfte in Adelsdorf hinzu, die Platz bieten für jeweils zehn Jugendliche. Der Mietvertrag in der Aischer Straße 10 ist bereits unterzeichnet, in der Bahnhofsstraße 26 steht die WAB kurz vor dem Abschluss.

WAB – das steht für „Wohnen, Arbeiten, Befähigen“ und die gemeinnützige GmbH betreibt bereits seit vielen Jahren zwei Wohngruppen für psychische kranke Erwachsene in der Aischer Straße.

„Wir sind startbereit“, sagt Jürgen Ganzmann, „auch die Betreuung von minderjährigen Flüchtlingen zu übernehmen“. Das Team hat sich intensiv vorbereitet — unter anderem mit dem Besuch der Clearingstellen. Zehn Vollzeitstellen sind zu besetzen. „Und die Bewerbungen sind sehr vielversprechend“, meint Ganzmann. Neben der fachlichen Qualifizierung als Sozialpädagoge oder Erzieher zählen für die WAB auch (Mutter-)Sprachkenntnisse und Zusatzqualifikationen. Für alle gibt es Schulungen, um kulturelles Verständnis zu vermitteln. Aus welchen Ländern die Bewohner stammen ist noch unklar.

Tiere und Garten versorgen

Das Haus in der Aischer Straße bietet mit einem großem Garten-Grundstück hervorragende Möglichkeiten das WAB-Konzept umzusetzen. Den Jugendlichen, die in der Regel zwischen 13 und 18 Jahre alt sind, wird zunächst Zeit gegeben für ein „intensives Ankommen“ – das heißt sie können Deutsch lernen und sich mit der Kultur auseinandersetzten. Hinzu kommt die „interne Beschäftigung“, die die WAB nicht nur in Kosbach bietet. In der Aischer Straße sollen die Flüchtlinge nämlich zum Beispiel die Pflege des Haushalts und des Gartens übernehmen. Auch Tiere gibt es bald zu versorgen, denn Hühner ziehen auch mit auf das Grundstück.

Ganzmann freut sich auch über das Angebot in Höchstadt und Herzogenaurach, wo Schulen spezielle UMF-Klassen bieten. Er möchte außerdem das bestehende WAB-Netzwerk nutzen und ausbauen, um den Jugendlichen berufliche Qualifikationen mitzugeben. „Angesicht des demografischen Wandels brauchen wir dringend Fachkräfte.“ Außerdem sollen die Füchtlinge die Möglichkeit bekommen, selbstständig zu leben. Die WAB hofft dabei auch auf Nachbarn und Vereine, die eine Integration erleichtern können. CLAUDIA FREILINGER

Eine Info-Veranstaltung für Anwohner, Vereine und Institutionen findet heute Abend um 19 Uhr im Foyer der Aischgrundhalle in Adelsdorf statt. Der Bürgermeister, eine Sachbearbeiterin des Landratsamts sowie die Träger des Jugendhilfeverbunds „Der Puckenhof“ und der WAB Kosbach sind vor Ort. 

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