Dienstag, 20.11.2018

|

Aischgründer Karpfen schmecken dieses Jahr besser

Fische sind relativ klein und weniger fett: Das ändert den Geschmack - 30.11.2017 08:02 Uhr

Landrat Alexander Tritthart schnappt sich in seiner neuen Wathose gleich mal ein paar Karpfen mit dem Kescher und trägt sie zur Fett-Messstation. Alle Fotos: Athina Tsimplostefanaki


Da zieht der Landrat glatt die Schuhe aus. Alexander Tritthart bekommt beim Ortstermin am Karpfenteich vorm Schloss in Weingartsgreuth seine erste Wathose geschenkt. Spontan schlüpft er in die Gummistiefel und streift die Jacke ab. "Wahrscheinlich hat noch nie jemand unter einer Wathose eine Krawatte angehabt", feixt er und zieht das grüne Teil nach oben. Dann schnappt er sich den Kescher und fängt einige Karpfen aus dem Wasser.

Das muss man drauf haben als Landrat in Erlangen-Höchstadt. Vor allem, wenn die Teichwirte Bilanz ziehen. Ihr Vertreter Walter Jakob möchte beim Ortstermin demonstrieren, wie man den Fettgehalt der Fische misst. Das ist nämlich von besonderer Bedeutung in diesem Jahr. "Weil die Nächte oft sehr kühl waren und wir im Mai eine Kältephase hatten, sind die Karpfen eher klein in dieser Saion", sagt Jakob. Das Zooplankton, tierische Mini-Organismen, die frei im Wasser schweben, konnte deshalb nicht so gut gedeihen wie sonst. Es bildet die natürliche Nahrungsgrundlage des Aischgründers. Der ist daher in dieser Saison nicht ganz so groß, aber auch nicht ganz so fett. Das wiederum ist gut für den Geschmack.

Der "Body-Maß-Index" stimmt

Martin Oberle (links) misst den Fettgehalt des Karpfens aus der Teichanlage von Walter Jakob (rechts). Das Ergebnis: Mit 2,2 Prozent Fettanteil ist er sehr mager.


Walter Jakob und Martin Oberle, Leiter der Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft, sind deshalb sehr zufrieden, als sie das Messgerät an Trittharts Fang anlegen. Der "Body-Maß-Index" stimmt: 2,2 Prozent Fettgehalt hat der Karpfen. "Fränkische Idealmaße", urteilt Oberle. In zahlreichen Testessen haben die Fisch-Experten festgestellt: Mager schmeckt der Karpfen besser. Ab einem Fettgehalt von zehn Prozent streikt der Gaumen. "Ich schätze, beim Geschmack hat der Teichwirt einen Anteil von 50 Prozent", sagt Oberle, "die andere Hälfte verantwortet die Küche".

Walter Jakob, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Aischgrund, freut sich, dass der Verbraucher Qualität zu schätzen weiß. Seit 2014 steigen die Preise, die die Teichwirte erzielen können. Sie liegen aktuell bei knapp unter drei Euro pro Kilo. 1000 Tonnen Aischgründer verbrauchen die Fischküchen im Jahr. Die Erzeuger liefern 1600 Tonnen. Trotzdem wird immer wieder auch Fisch importiert.

Aber auch hier haben die Verbraucher ihre Einstellung geändert. "Sie setzen mehr auf Regionalität", sagt Jakob, der bewusst nach Weingartsgreuth eingeladen hat, um diesen Aspekt zu verdeutlichen. Das Gasthaus Weichlein ist nur durch eine kleine Straße vom Karpfenteich getrennt. "Es kam schon vor, dass der Wirt spontan mit dem Kescher rübergegangen ist, um Nachschub zu holen."

Verknüpfung als Trumpf

Diese Verknüpfung zwischen Erzeuger und Gastronomie bezeichnet Oberle als "einzigartig". Sie sei einer der vielen Trümpfe, die der Aischgründer Karpfen zu bieten habe. Zusätzlich ist er zum Beispiel der einzige Fisch, den der Verbraucher laut WWF und Greenpeace relativ bedenkenlos essen kann.

Karpfenkönigin Nina I. kam mit Prinz Ludwig zum Ortstermin.


Trotz aller positiven Entwicklung — ganz sorgenfrei leben die Teichwirte nicht. Neben Kormoran und Biber kündigt sich schon der nächste Fressfeind an. In der Fränkischen Schweiz mussten Kollegen schon aufgeben, weil der gefräßige Fischotter zugeschlagen hat, berichtet Jakob.

In Erlangen-Höchstadt war bekanntlich lange der "rote Kormoran" aktiv. Dieser Spitzname von Ex-Landrat Eberhard Irlinger fällt auf solchen Ortsterminen immer wieder. Zumal sein Nachfolger einräumen muss, dass er an dessen Karpfen-Konsum nicht heranreichen wird. "Es gibt auch Ziele, die ich mir gar nicht erst stecken muss", lächelt er und betont, dass er dieses Jahr immerhin schon zehn Exemplare auf dem Teller hatte. Außerdem hat der Christsoziale dem SPD-Kollegen jetzt eine andere Sache voraus. Eberhard Irlinger bekam noch auf keinem Termin eine Wathose geschenkt. 

CLAUDIA FREILINGER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Weingartsgreuth