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Aischgründer: Knapper Karpfen wird teurer

Trockenheit im Frühjahr sorgt für Verluste bei Fischen - 18.08.2017 15:14 Uhr

Der Aischgründer Karpfen in typischer Pose.


Die Trockenheit hat den Teichwirten schon im März und April den Strich durch die Rechnung gemacht. Ein Drittel bis die Hälfte der rund 7000 Teiche im Aischgrund hatten zu diesem Zeitpunk viel zu wenig Wasser, um mit Fischen besetzt werden zu können. Seit Wochen war es warm, schön und trocken.

Und jetzt kommt die Quittung. "Es wird weniger Karpfen geben", sagt Walter Jakob, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Aischgrund. Kollegen berichten ihm, dass die Trockenheit einen Verlust von etwa zehn bis 15 Prozent beschert hat. Bei ihm sieht es nicht anders aus.

Oft sind Weiher leer geblieben. Nur die wenigsten im Aischgrund haben eine Frischwasserzufuhr. Diese sogenannten Himmelsteiche werden hauptsächlich von Niederschlags- und Oberflächenwasser gespeist. Und schließlich konnte niemand ahnen, was die nächsten Monate an Regen bringen — da hielt sich die Risikobereitschaft in Grenzen. Der Sommer hat dann allerdings wettgemacht, was die Teichbauern im Frühjahr störte. Er war so, wie der Karpfen es mag. "Es gab lange schöne Phasen und keine großen Kälteeinbrüche", sagt Jakob. Deshalb geht er davon aus, dass die Qualität der Fische 2017 besonders hoch sein dürfte. Erste Messungen belegen einen Fettgehalt bei den Fischen von drei bis sechs Prozent. "Das ist optimal und bedeutet, dass die Karpfen viel eiweißhaltiges Zooplankton gefressen haben." So werden sie zur Leckerei auf dem Teller.

Wenig Fett im Körper

Und die kostet in der kommenden Saison auch ein bisschen mehr. Um zehn bis 15 Cent pro Portion steigt der Preis für einen echten "Aischgründer" — das entspricht etwa 30 Cent pro Kilo. Das liegt laut Jakob sowohl am geringeren Angebot als auch an den höheren Qualitätsstandards denen der Karpfen als geschützte geografische Angabe unterliegt.

Eine Besatzdichte, die auf 800 K2-Exemplare pro Hektar Weiherfläche limitiert ist, und eine Naturnahrung, die nur durch Zufütterung von Getreide und Leguminosen ergänzt werden darf, sorgen dafür, dass "Aischgründer" einen Fettgehalt von maximal zehn Prozent aufweisen.

"Das ist für die Teichwirte auch mit höherem Aufwand verbunden", meint Jakob, der 70 Teiche mit mehr als 60 Hektar Wasserfläche bewirtschaftet. Die Mehrarbeit schlage sich jetzt im Preis nieder. "Aber", betont der 53-Jährige, "jeder der einen Aischgründer kauft, erhält damit unsere einzigartige Kulturlandschaft und hat nicht wie bei Billigprodukten hinterher wieder den Katzenjammer mit einem neuen Lebensmittelskandal."

Aber könnte der Aischgründer knapp werden in dieser Saison? Davon geht Walter Jakob nicht aus. Es seien inzwischen weitere Teichwirte in die geografisch geschützte Produktion eingestiegen, was den Ernteverlust etwas abfedert. Im Jahr 2016 lagen die Besatzzahlen bei 287 000 Stück, heuer wurden der Geschäftsstelle der Teichgenossenschaft 269 000 Aischgründer gemeldet. Dabei handelt es sich alles um Fische, die genannte Qualitätsmerkmale erfüllen.

Und von ihnen sind heuer wesentlich weniger dem Fressfeind Kormoran zum Opfer gefallen. "Wir sind der Politik sehr dankbar, dass wir jetzt die beste Kormoran-Verordnung im Bundesgebiet haben", sagt Jakob. Zwar sei es auch mit viel Aufwand verbunden, die Vögel zu vergrämen, man könne das jetzt aber wenigstens auch tun. Die Verluste durch die Fischfresser seien dadurch zurückgegangen auf den Regelsatz.

Auch der Biber hält die Teichwirte auf Trab. "Er sorgt dafür, dass uns nicht langweilig wird", scherzt Walter Jakob. Seine Bauten verursachen manchmal Schäden an den Teichwänden. "Aber auch hier funktioniert die Zusammenarbeit mit den Behörden inzwischen sehr gut", lobt Jakob.

Er freut sich auf eine gute Karpfensaison, die er sich vom Wetter nicht verhageln lässt. "Es ist wie es ist und das ist ja auch der Reiz von meinem Beruf."

Weitere Informationen zum Aischgründer:

  • Im Aischgrund gibt es laut dem Institut für Fischerei derzeit etwa 7185 Teiche mit einer Fläche von etwa 3000 ha, die von 1200 Teichwirten bewirtschaftet werden.
  • Die Teichgenossenschaft Aischgrund ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit fast 400 Mitgliedern.
  • 135 Teichwirte halten die Qualitätsstandards für den "Aischgründer Karpfen" als geographisch geschützte Angabe ein, im Vorjahr waren es 131.
  • Im Jahr 2016 gab es schwammen rund 287 000 Aischgründer Karpfen in 532 Teichen, heuer sind es 269 000 in 531 Teichen.
  • Der Preis steigt um 30 Cent pro Kilo, das sind etwa zehn bis 15 Cent pro Portion, die auf dem Teller landet.

  

CLAUDIA FREILINGER

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