Mittwoch, 16.01.2019

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Altes Haus wird offene Begegnungsstätte

Pilotprojekt der WAB: Treff für Menschen mit wenig Geld, für Alte und Kranke - 09.10.2014 11:14 Uhr

In dem ehemaligen Geschäftshaus, in dem einst Gardinen verkauft wurden, sollen bald Menschen Kaffee trinken können. WAB-Geschäftsführer Jürgen Ganzmann erläuterte das Konzept des Projektes vor Ort. © Foto: Ralf Rödel


Viele Fliegen mit einer Klappe schlagen soll das Pilotprojekt der WAB (Wohnen, arbeiten, befähigen) Kosbach, für das Fördermittel der LAG und Städtebaufördermittel beantragt sind (wir berichteten). WAB-Geschäftsführer Jürgen Ganzmann, auch ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter für den Landkreis, erläutert das Konzept: „Die WAB hat das leer stehende, ehemalige Geschäftshaus in der Schlossstraße gleich neben der Sparkasse bereits gekauft.“

Das Gebäude, vermutlich Baujahr 1650, soll, sobald die Zusage der Fördermittel vorhanden ist, saniert werden. Vermutlich ab Frühjahr 2015, schätzt Ganzmann. Im Erdgeschoss wird dann eine offene, barrierefreie Begegnungsstätte entstehen, in der vor allem Leute mit wenig Geld, Ältere, Kranke und Behinderte sich einen Kaffee oder ein Essen leisten können. „Die Durchschnittsrente in Mittelfranken liegt bei 693 Euro, für Frauen gar nur bei 502 Euro, da gehen Sie mal in ein Café“, greift Ganzmann eine Problematik auf.

Normalerweise seien solche Rentner von der Teilhabe am Leben ausgeschlossen. In der geplanten Begegnungsstätte, die von Mittwoch bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet sein wird, soll das anders sein: Hier wird es statt teurem Cappuccino wie früher Malz- und Bohnenkaffee geben — und zwar zu erschwinglichen Preisen. Auch zwei sehr günstige Mittagessen, einmal vegetarisch, einmal mit Fleisch, werden angeboten.

„Wir wollen keine Konkurrenz zur Gastronomie sein“, sagt der WAB- Geschäftsführer. Doch zum einen könnten sich arme Rentner kein normales Gasthausessen leisten, zum anderen profitierten auch die Geschäftsleute, wenn in die Innenstadt wieder mehr Leben einzieht. Ganzmann blickt auf die Gebäude neben und gegenüber der künftigen Begegnungsstätte — sie stehen leer.

Wichtig sei, dass das Zentrum barrierefrei ausgebaut wird und zwei behindertengerechte Toiletten eingerichtet werden. Eine davon soll auch von außen öffentlich zugänglich sein. Damit will die WAB einen weiteren Mangel in der Stadt beseitigen. Außerdem werde die Begegnungsstätte mit einer Induktionsschleife für Hörgeschädigte ausgestattet, damit schwerhörige Menschen zum Beispiel Vorträge anhören können. Installiert werde ferner ein spezielles Lichtkonzept für Leute mit Sehbehinderungen.

Zudem werden rund acht Arbeitsplätze für psychisch kranke Menschen und, so hofft Ganzmann, auch für Asylbewerber geschaffen. Die WAB Kosbach unterhält Wohnheime für erwachsene Menschen mit psychischer Beeinträchtigung im Landkreis und hier auch in Höchstadt. Menschen aus diesen soziotherapeutischen Einrichtungen sollen künftig im Service- und Küchenbereich der Begegnungsstätte arbeiten, um sie so langfristig wieder in die reguläre Arbeitswelt einzugliedern. In den beiden Obergeschossen der Begegnungsstätte werden ferner fünf kleine Appartements für betreutes Wohnen entstehen, erläutert Ganzmann weiter.

Kultur und Kleinkunst

Abgerundet werden soll das Pilotprojekt mit einem vielseitigen Kulturprogramm. Ganzmann denkt da nicht nur an Vorträge, Musikveranstaltungen, Konzerte und Kleinkunst, sondern auch an Ausstellungen, die sich vor allem mit Themen aus der Vergangenheit beschäftigen. Das wiederum könne Menschen mit Demenz helfen, die ebenfalls zu den Besuchern des Hauses zählen sollen. Um all diese Vorhaben durchzuführen, sind auch Kooperationen mit örtlichen Vereinen, Altenheimen, Schulen und Kirchen nötig. Außerdem hofft die WAB auf ehrenamtliche Helfer.

„Die Planungen sind vorhanden, die Fördermittel bei LAG und der Städtebauförderung beantragt. Jetzt fehlen uns nur noch die Zusagen, dann können wir loslegen“, sagt Jürgen Ganzmann. Was das Projekt insgesamt kostet, darüber will er nichts sagen, nur so viel: 30 Prozent der Kosten sollen über Zuschüsse gedeckt werden, die restlichen 70 Prozent finanziert die WAB.  

MARIA DÄUMLER

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