Dienstag, 11.12.2018

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Aurachtalbahn: Stadtrat lehnt Bewertung ab

„Wozu bewerten, wofür es kein Geld gibt?“ - CSU scheitert - 19.05.2018 06:00 Uhr

Die Straßenbahn soll nicht von einer S-Bahn durch das Aurachtal kannibalisiert werden. Auch ein Prüfungsantrag wurde abgelehnt, denn eine Förderung vom Freistaat ist aussichtslos. Also bleibt es beim Ziel „Straßenbahn bis zum Wegfeld“, wie sie von Nürnberg her schon fährt. © Archivfoto: Eduard Weigert


Die Christsozialen blieben bei ihrem Antrag, auch nachdem "glasklar" war, so ihre Sprecher Konrad Körner, dass eine Aurachtalbahn und eine Stadt-Umland-Bahn nebeneinander nicht gehen. Für diese Klarheit hatte ein, ebenfalls von der CSU gewünschter, Vortrag der beiden Geschäftsführer des StUB-Zweckverbands gesorgt.

Als Anlass für ihren Antrag hatte die CSU unter anderem ein Papier genannt, das ein anonymer Bahn-Mitarbeiter erstellt hatte und das bei Aurachtalbahn-Befürwortern, Südumgehungsgegnern und Kommunalpolitikern in Umlauf geraten war. Referenten pro Reaktivierung der Bahnlinie hatten sich auf öffentlichen Veranstaltungen darauf berufen, Leserbriefschreiber ebenso. Die CSU, so die Fraktionsspitzen, wollten mittels standardisierter Bewertung wissen, wie stichhaltig das Papier sei. Immerhin erklärt es die Reaktivierung der Bahnstrecke für machbar und einen S-Bahn-Betrieb im 20-Minuten-Takt von Herzogenaurach über Bruck nach Erlangen für möglich.

Daniel Große-Verspohl und Florian Gräf, die StUB-Geschäftsführer, erklärten nach detailreichem Widerlegen wichtiger Passagen jenes Papier dessen Konzept als nicht einmal prüffähig (siehe auch den Beitrag unten). Und das, wie Große-Verspohl betonte, obwohl er von der Bahn komme, Erfahrungen mit Reaktivierung von Nebenstrecken habe und, falls es ginge, "sofort dabei" wäre.

Bürgermeister German Hacker (SPD) berichtete darüber hinaus von der Absage des Freistaats an eine Förderung. Es erübrige sich doch, die Förderfähigkeit eines Projekts ermitteln zu lassen, wenn man schon wisse, dass der Geldgeber kein Geld gibt. Außerdem zitierte Hacker aus einer Stellungnahme der Firma Siemens, die sich, auch im Interesse ihres Projekts Siemens Campus, eindeutig hinter den Bau der StUB stellt und sich wundert, dass eine Aurachtal-S-Bahn wieder ins Gespräch gekommen sei.

Gleichwohl: Es gelte, sich beim Prüfen keine Blöße zu geben, nicht eine Flanke für StUB-Gegner zu öffnen, die behaupten könnten, man habe nicht alles bewertet oder die Taltrasse schlechter geprüft als die Vorzugstrasse. Der "Legendenbildung" vorzubeugen, wiederholte Körner, sei das Ziel des Antrags. Und, so Körner, "was passiert, wenn die Kosten explodieren und Erlangen aussteigt?"

Stephan Wirth (CSU) betonte, er sehe das Verkehrsprojekt, für das drei Städte sich zusammengeschlossen haben, "aus Herzogenauracher Sicht". Er sei nicht hundertprozentig sicher, ob eine Aurachtalbahn nicht doch Vorteile für die Herzogenauracher bringe, zumindest sei doch die Fahrzeit kürzer als die der Straßenbahn über Büchenbach.

Dafür musste sich Wirth von Hacker vorhalten lassen, er betreibe genau die Legendenbildung, die seine Fraktion angeblich verhindern wolle.

Manfred Welker warf für die Freien Wähler ähnliche Gedankengänge in die Debatte. Eine S-Bahn mit Taktverkehr, damit könnten doch die Schaeffler-Schichtarbeiter besser umgehen. Und, so Welker, "erklären Sie mal dem Bürger, dass man das Gleis nicht länger nutzen soll".

Holger Auernheimer (SPD) ging in seinem Beitrag auch auf die Hoffnung mancher Aurachtalbahn-Befürworter ein, die auf die S-Bahn setzen, um das Straßenbau-Projekt Südumgehung zu verhindern bzw. zu erschweren. Mit einer Aurachtalbahn werde man die Südumgehung nicht kaputt machen, sagte Auernheimer und sprach sich vehement für die StUB aus. Ebenso Curd Blank und zweite Bürgermeisterin Renate Schroff, die dringend von der CSU Verzicht auf deren Antrag forderte, "um die StUB nicht zu gefährden".

Auernheimer hatte seine Spitze eigentlich gegen die Grünen gerichtet, musste aber zur Kenntnis nehmen, dass Retta Müller-Schimmel und Peter Simon Abschied von der Aurachtalbahn nahmen und sich für die StUB stark machten. Sie habe aus den Fakten gelernt, sagte Müller-Schimmel, dass beides nebeneinander nicht geht. Also müsse man das Projekt unterstützen, das über die eigene Kommune hinaus dem ganzen Großraum zugutekomme: "Ich kann mit der Aurachtalbahn die Südumgehung nicht verhindern. Und ich könnte nie die StUB hinten runterfallen lassen."

Weder die glasklaren Fakten noch die unverhohlene Aufforderung von German Hacker ließen die CSU ihren Antrag zurückziehen. Nach fünf Minuten Besprechungspause wurde dann abgestimmt. 

RAINER GROH

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