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Denn für ihn (und eine klare Stadtratsmehrheit) geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Man kann nun den 14. Stadtteil selbst planen, entwickeln und vermarkten – auch wenn man dafür natürlich kräftig in die Rücklagen greifen müsse. Allein die Erschließungskosten für den zweiten Bauabschnitt (der erste ist bekanntlich bereits abgeschlossen, der dritte folgt) beziffert er auf acht bis zehn Millionen Euro, damit man eine Vorstellung von der Größenordnung bekomme.
Möglich wurde das Ganze dadurch, dass der im Sommer 2011 vorgestellte Investor, die AllfinA AG aus Zürich, ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkam. Laut GEV-Geschäftsführer Frank Dassler hat die Grundstücksgesellschaft, an der adidas bisher 90, die Stadt 10 Prozent hielt, schon Ende 2010 einen Vertrag mit der AllfinA geschlossen. Die Grundstückskosten hätte der Investor bis Ende November 2011 bezahlen sollen. Dies sei dem Schweizer Unternehmen nicht gelungen, obwohl es mit durchaus potenten Partner kooperiert und zusätzliche Fristverlängerungen bekommen habe, wie Herbert Hainer versichert.
Der adidas-Vorstandschef will die AllfinA allerdings nicht kritisieren: „Wir haben ein Jahr sehr konstruktiv und professionell zusammengearbeitet. Das war der beste Bewerber von allen, die sich in den vergangenen Jahren vorgestellt hatten.“ Die finanzielle Last habe die AllfinA auch aufgrund der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise und der damit verbundenen gestiegenen Anforderungen der Banken an Kreditnehmer nicht stemmen können.
Da jedoch der GEV daran gelegen war, dass es endlich voran geht im Wohnbaugebiet, zog man die Option, aus dem Vertrag auszusteigen. Hainer: „Weil wir immer mit der Stadt im Gespräch waren – auch als Partner in der GEV –, war sie für uns der ideale Partner für das Wohngebiet. Die Stadt Herzogenaurach ist jetzt personell und finanziell in der Situation, dort einzusteigen.“
Neben dem Schritt, das verbliebene Wohnbaugebiet (es soll später einmal rund 2000 Menschen Platz bieten) an die Stadt zu verkaufen, wurden auch weitere Nägel mit Köpfen gemacht: adidas kauft der Kommune die zehn Prozent GEV-Anteile ab und kann nun über die Grundstücke auf der „World of Sports“ und der „World of Commerce“ uneingeschränkt selbst verfügen.
In beiden „Welten“ sieht Hainer noch reichlich Expansionspotential für den Sportartikelkonzern. Die „World of Sports“ sei für bis zu 5300 Mitarbeiter angelegt, die Flächen im Gewerbegebiet würden ebenfalls für Firmenzwecke reserviert. Der Vorstandsvorsitzende: „Als Nächstes bauen wir ein Parkhaus und eine Kindertagesstätte. Wir wachsen also nahtlos weiter. “
Das sei ganz im Interesse der Stadt, wie Bürgermeister Hacker einwirft. Und die will Gas geben: Wichtig sei nun die Haushaltssitzung des Stadtrats. Bis Ende des Jahres soll der Bebauungsplan fertig sein, und dann formuliert er, wie er selbst sagt, „ein sportliches Ziel“: Vor Ende des Jahres 2013 sollten die ersten Neubürger dort einziehen oder zumindest Spatenstiche für die ersten Gebäude vollzogen werden.
Die Planungen, die das Würzburger Büro Schirmer im Auftrag der AllfinA erstellt hat, seien durchaus eine gute Grundlage für die weitere Arbeit, betonen Hacker und Hainer unisono. Die Stadt werde das qualitativ hochwertige Konzept mit diversen Bauträgern, die noch gefunden werden müssen, umsetzen. Darauf hofft auch der adidas-Chef: „Viele unserer Mitarbeiter würden gerne nach Herzogenaurach ziehen, aber bis jetzt hatten sie dazu kaum eine Chance.“
Künftig sollen sie im Stadtnorden ebenso willkommen sein wie „eingeborene“ Herzogenauracher, die bislang vergeblich nach einem Bauplatz gesucht haben. Hacker betont, dass es definitiv auch ein „Einheimischen-Modell“ geben werde. Das Geschäft sei eine einzige „Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten, betont der Bürgermeister.
Der einzige Verlierer ist die AllfinA AG: Die hatte bereits eine nennenswerte Summe – die Rede ist von gut zwei Millionen Euro – in das Projekt investiert. Das Geld muss das Unternehmen komplett abschreiben. Hainer: „Das gehört zum unternehmerischen Risiko.“
