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Bauer hat sechs Hektar großes Hanf-Feld in Schweinbach

Besserer Erlös als bei Getreide - Cannabis-Pflanze ist äußerst nützlich - 29.07.2017 17:57 Uhr

Landwirt Rudi Ruß aus Schweinbach baut neuerdings Hanf an. Der Starkregen vergangene Woche ließ die Pflanzen ins Kraut schießen. Im September sollen sie geerntet werden. © Frank Heidler


"Ich hätte eigentlich erwartet, dass die Polizei bei mir auftaucht und nach dem Rechten sieht", klingt der Nebenerwerbslandwirt und hauptberufliche Fuhrunternehmer Rudi Ruß beinahe enttäuscht. Unter den Hanf-Bauern ist der Schweinbacher mit dem riesigen Holzlaster in seiner Hofeinfahrt praktisch ein Neuling.

Dämmmaterial aus Hanf, gezeigt von Andrea Mehler vom gleichnamigen Malergeschäft. © Frank Heidler


Seine allererste Hanf-Ernte steht nur wenige Hundert Meter vor dem Ortseingang. Die Pflanzen sind diese Woche "wahrscheinlich wegen dem Starkregen" auf über zweieinhalb Meter angewachsen. Maximale Höhe: vier Meter.

Voraussichtlich im September wird er dann mit seinem braunen, etwas ältlichen 115-PS-Mähdrescher über die Felder tuckern und die Pflanzenköpfe mit den etwa Stecknadel großen, ölhaltigen Samenkügelchen absäbeln.

Die werden dann in der Mühle gemahlen. Ruß hat selber keine eigene Hanf-Mühle. Er muss sein Erntegut nach Ingolstadt oder Baden Württemberg bringen. Hanföl ist sehr begehrt als Speiseöl. Außerdem wird es als ätherisches Öl und für Kosmetika genutzt.

Hanf-Anbau aus dem Internet

In jedem Fall soll der Ertrag für Landwirt Ruß deutlich lukrativer sein, als der von Getreide. "Bei der Getreideernte kommen 800 bis 900 Kilo auf einen Hektar." Also etwa genauso viel wie beim Hanf. "Aber das Kilo Hanf bringt mehr als das Getreide", ist Ruß überzeugt. Problem bei der Getreideernte: "Der jetzige Regen brachte zusätzliche Einbußen."

Eigentlich ist der Hanf-Anbau schon über 5000 Jahre alt. Die Anfänge waren natürlich in China. In den 1990er Jahren war hierzulande schon einmal der Anbau von Nutzhanf getestet worden. "Es gab aber keine Abnehmer, die Ernte wurde deshalb wieder vernichtet."

Das soll heuer nicht passieren. Die Pflanze mit Nutzhanf sieht für Laien der vom Rauschmittel Cannabis täuschend ähnlich.

Sie kann zu weit über 90 Prozent für Fasern, Stroh und eben ölhaltigen Samen verwertet werden. Für die Ernte der kompletten Hanfpflanze bräuchte Ruß aber ein "Spezialwerkzeug". Bisher hat er diese Zusatzinvestition aber noch gescheut.

Die Idee zum Hanf-Anbau kam ihm bei Stöbern im Internet ("Das hat sich interessant angehört."). Ruß weiß: "Ich betrete hier Neuland. "

Hölzerner Stengel

Mindestens einmal wöchentlich inspiziert er seine Hanf-Felder. Bei der Untersuchung des Pflanzenwuchses erkennt er: "Die Düngung muss noch verbessert werden."

Der Pflanzenstengel ist im Innern hölzern. Noch bevor der NN-Reporter "Stopp" sagen kann, knickt er eine in voller Blüte stehende Hanf-Pflanze. Aus der Holzmasse im Stengel kann Tierstreu produziert werden. Inzwischen gibt es einen einzigen deutschen Hersteller, der aus den Hanffasern, die den Stengel umschließen, Dämmmaterial herstellt.

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"Wir führend das erst seit einem halben oder dreiviertel Jahr", erklärt Andrea Mehler, Geschäftsführerin im gleichnamigen Herzogenauracher Malergeschäft. Sie ist überzeugt: "Das kommt jetzt erst richtig." Wie zum Beweis legt sie als Muster eine Brikett-ähnliche, beige-bräunliche Hanf-Faserplatte auf ihren Ladentresen. Bei heimischen Hausherren hat sich Hanf als biologische Dämmung aber noch nicht so richtig herumgesprochen. Noch sind industriell hergestellte Dämmstoffe für Häuser und Wohnungen wie Polystyrol und Mineralwolle preislich günstiger.

Laut Hanf-Imagebroschüre bietet diese Pflanze ein ökologisches Plus: "Hanf bindet im Wachstum mehr Kohlendioxid als Wald und hat als Pellet den gleichen Brennwert wie Braunkohle - aber null Treibhauseffekt."

Einfacher Anbau

Bauer Ruß sieht weitere Vorteile im Hanf-Anbau. "Hanf ist pflegeleicht." Die Wurzeln seien gut für die Auflockerung und Qualität der Erde. Außerdem könne man mehrere Jahre hintereinander auf dem gleichen Feld Hanf anbauen, ohne den Acker zu schädigen.

Nur eines stört Ruß: "Zuviel Bürokratie beim Hanf-Anbau." Alles muss vorher beantragt und von der Bundesanstalt für Landwirtschaft genehmigt werden. Das nervt.

Und sorgt sicherlich für Skepsis bei anderen Landwirten im Ort, die das Hanf-Experiment von Ruß beobachten. 

Frank Heidler

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