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Samstag, 22.09.2018

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Der Feiertag der langen Gesichter

Auswärtige stehen vor verschlossenen Outlet-Türen in Herzogenaurach - 16.08.2018 06:57 Uhr

Sorry, heute nicht: Wer am Mittwoch, Mariä Himmelfahrt, in einem der Outlets der beiden großen Herzogenauracher Sportartikelhersteller einkaufen wollte, stand vor verschlossenen Türen. © Foto: Roland Huber


)Eigentlich ist Mariä Himmelfahrt ja der Tag, an dem Katholiken die Aufnahme Marias in den Himmel feiern. In Herzogenaurach ist es jedoch auch jedes Jahr aufs Neue der Feiertag der langen Gesichter.

Ortstermin, kurz nach elf Uhr auf dem Parkplatz vor dem Puma-Outlet: Auf dem Parkplatz stehen Autos mit Kennzeichen aus Nürnberg, Bayreuth, Hessen oder Tschechien. Ihre Besitzer folgen alle dem gleichen Ritual: Sie steigen aus ihrem Wagen aus, schlurfen zur Eingangstür, sehen das "Heute geschlossen"-Schild, schauen kurz entgeistert – und drehen dann um. Dass Puma netterweise Gutscheine ausgelegt hat, die Rabatt im Outlet-Store im protestantischen Nürnberg versprechen, der an diesem Tag geöffnet hat, bemerken manche in ihrem Frust gar nicht.

Viele pilgern stattdessen in die benachbarte Bäckerei-Filiale, um zu fragen, was los sei. Dann erklären ihnen die dortigen Verkäuferinnen Yvonne und Hofaru freundlich, dass in Herzogenaurach heute Feiertag ist. "Viele reagieren geschockt", erzählt Hofaru: "Manche sagen, dann kommen sie eben auf dem Rückweg vorbei." An die 20 Leute haben die beiden an diesem Vormittag schon aufklären müssen.

Ähnliche Bilder spielen sich auf dem Parkplatz vor dem adidas-Outlet ab, wo ebenfalls ein Schild darauf hinweist, das heute geschlossen ist. Gutscheine gibt es hier keine zum Trost, nur den Verweis, dass man auf der adidas-Webseite rund um die Uhr einkaufen könne.

Überwiegend katholisch

Ein junges Paar aus Fürth, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, dreht unverrichteter Dinge ab: "Wir wollten shoppen gehen", sagt die Frau: "Aber die anderen Geschäfte haben hier auch zu, oder?". Haben sie – denn in Herzogenaurach leben überwiegend Katholiken. Und das entscheidet darüber, ob in einer Gemeinde Feiertag ist oder nicht.

Auch ein älteres Ehepaar aus Oberfranken steht enttäuscht vor den verschlossenen Türen. "Schon ärgerlich", finden sie das: "Da hätten wir uns den Umweg sparen können." Immerhin haben sie noch ein paar andere Dinge zu erledigen und ein paar andere Orte auf ihrer Tour abzuklappern. Da war die Fahrt aus Oberfranken wenigstens nicht ganz umsonst. 

alep

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