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Der Struwwelpeter stand Pate in Röttenbach

Werner Rosenzweigs neuer Gedichtband nimmt Bezug auf den Klassiker - 12.12.2017 14:57 Uhr

Werner Rosenzweig (r.) bei der „Feldforschung“. Der Autor holt sich den Stoff für seine Texte aus der Heimat. Hier an der Karpfentafel in Röttenbach. © Archivfoto: Grillenberger


Es fängt mit dem Struwwelpeter an und hört mit Donald Trump auf. Über Zusammenhänge könnte man diskutieren. Werner Rosenzweig macht welche deutlich. Hat er doch das Struwwelpeter-Thema, besser, die Helden des Kinderbuchs, einmal in seiner fränkische Heimat dichterisch angesiedelt, zum anderen auch in den USA.

Die Geschichte von Donald Drump zum Beispiel als dem sich allem Rat verweigernden Struwwelpeter. Knapp 300 Seiten liegen dazwischen, voll von erdigen Reimen, typisch fränkischem Wortschatz und auch mal einem Kalauer.

Rosenzweig ist nicht Rilke, der Leser der 100 Gedichte aus Franken darf nicht zart verklausulierte Gefühlstiefe erwarten, wenn er die Reime liest. Aber er wird seinen Spaß haben an manchen Begebenheiten, Beobachtungen und deutlichen Kommentaren, die der Autor in die Sprache des Aischgrunds kleidet, deftig und manchmal auch mit satirischer Überzeichnung.

Eine Firmenweihnachtsfeier zum Beispiel mit allen Chargen vom Chef bis zur "Steffi aus dem Rechnungswesen", die in Alkoholmissbrauch und Promiskuität endet, um es einmal druckfähig auszudrücken.

Beschreiber-Position

Der Struwwelpeter ist ja auch kein Handbuch der Pädagogik auf heutigem Stand, sondern eher eine Beschreibung gesellschaftlicher Gegebenheiten und von Persönlichkeitsstörungen im Kontext des 19. Jahrhunderts. So hat Werner Rosenzweig mit dem Titel seines Buchs "Der Struwwelpeter muss a Franke gwesn sei" auch die Beschreiber-Position bezogen und bringt dem Leser in seinen Versen Land und Leute aus der Umgebung näher — mit einigen Blicken über den heimischen Tellerrand.

Die "Versla", so würde man wohl diesen Gedichttyp mit einem Ausdruck des großen Bamberger Mundartdichters Hans Morper bezeichnen, sind vergnüglich zu lesen. Auch weil die Schreibweise — ein zentrales Problem bei eigentlich ja nur gesprochener Mundart — ein guter Kompromiss ist zwischen Lesbarkeit und Laut-Korrektheit.

Leicht befremdlich für den Aischgründer ist eigentlich nur das Titelbild auf dem Buchumschlag. Es zeigt Claudius, den Radfahrer, die Gipfelfigur auf einem Felsen bei Kleinziegenfeld. Gut, ist nicht der Struwwelpeter, aber sehr fränkisch.

Werner Rosenzweigs "Der Struwwelpeter muss a Franke gwesn sei, 100 Gedichte aus Franken" ist im Engelsdorfer Verlag in Leipzig erschienen. (ISBN 978-3-96008-956-8). Es ist im Buchhandel erhältlich. Preis: 16 Euro. 

RAINER GROH

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