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Mittwoch, 26.09.2018

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Der Wald in ERH kämpft ums Überleben

Setzlinge von Hainbuchen und Linden verdorren - 18.08.2018 07:58 Uhr

Bewacht von seinem Jagdhund Jule hat Forstdirektor Peter Pröbstle, Leiter der Unteren Forstbehörde mit Amtssitz in Erlangen, Mitte August in einem Waldstück bei Kairlindach eine Bodenprobe gezogen. In Tiefen zwischen 80 Zentimetern und 1,20 Meter weist der Boden an dieser Stelle keine Feuchtigkeit mehr auf. Baumsetzlingen wird das Überleben schwer, manche der jungen Bäume sind bereits vertrocknet. © Foto: Giulia Iannicelli


Der studierte Forstdirektor und Behördenleiter ist ein Mann der Fakten und Nachweise (vgl. auch oben stehenden Kasten). Der Klimawandel mit Veränderungen im Wald ist sein Arbeitsfeld.

Im einem Waldstück bei Kairlindach hat der Forstmann eine Bodenprobe gezogen. In einer Tiefe von 80 Zentimetern bis 1,20 Meter, das lässt sich daraus ablesen, befindet sich dieser Tage keine Feuchtigkeit mehr im Boden. Ältere Bäume kommen noch ans Wasser ran, das durch Niederschläge im Januar und Februar in den Tiefen vorhanden ist. Die Setzlinge von Hainbuchen und Linden, die den fränkischen Wald langfristig in einen Mischwald verwandeln sollen, der den klimatischen Veränderungen gewachsen ist, fallen nahezu komplett aus. Von 3 Milliarden Euro Schaden sprachen Verbände der Waldbesitzer, beziehungsweise, differenziert Pröbstle: "3 Milliarden Euro wären die Forderung an die Bundesregierung. In der Gesamtsumme liegen die Schäden bei 6 Milliarden Euro." So werde der Waldumbau laut Programm bis 2030 – "Bayern ist Vorreiter" – schwierig.

Nehme man allein dieses Waldstück bei Kairlindach: "Ein Vermögensausfall von 8000 Euro", überschlägt der Experte. Waldbesitzer seien nicht erpicht darauf, in die nächste Charge Setzlinge zu investieren, auch wenn es Beihilfen gibt: "Wer ein Stück Wald erbt, weiß sich oft nicht zu helfen."

Allerdings sei dies hier nicht unbedingt ein Regelfall. Die schon relativ großen Pflanzen sind im Frühjahr gesetzt worden – meist sei der Herbst günstiger. Gegen den Rehwildverbiss wurde kein Zaun gezogen.

Peter Pröbstle zeigt sachlich weitere Befunde als Ergebnis eines Sommers, in dem 36 Grad Celsius in fränkischen Breiten nicht ungewöhnlich waren.

"Wärmer als die Puszta"

Eine Baumallee mit Wildbirnen, Zwetschgen, Ahorn. Während die Birnen rotbackig in die Sonne lugen – die besondere Süße des Obstes heuer wird bereits hervorgehoben – haben sich die Ahornbäume wie viele Eichen bereits ihrer Früchte und ihres Laubs entledigt – ein Schutzversuch, um die Verdunstung zu begrenzen.

Wird bereits grünes Blattwerk abgeworfen, wie im Fall einer Pappel vom Forstmann gezeigt, "dann wird’s eng", fasst er zusammen.

"Wir sind jetzt schon wärmer als Regionen wie die ungarische Puszta", stellt Pröbstle fest: "Wir entwickeln uns zu einem Klima, das wir nicht hatten." Bäume, die mit Frankens nährstoffarmen Böden zurechtkommen, wie die Esskastanie, die Robinie, die Elsbeere, die Douglasie, der Baumhasel aus der Türkei werden langsam in den hiesigen Baumbestand integriert. Auch mit der Libanonzeder und der Altlaszeder wird verhalten experimentiert.

"In bemessenem Umfang", nennt Pröbstle dies: "Man muss auch mögliche Schädlinge bedenken."

Nicht nur Trockenheit und Hitze gefährden den Wald.

Der Borkenkäfer, gefürchteter Feind der Fichte, derzeit vor allem in der Gegend um Oberreichenbach und im Steigerwald, setzt dem Forst bei Wärme vermehrt zu.

Bilderstrecke zum Thema

Waldschäden wegen Dürre im Sommer 2018

Westlicher Landkreis Erlangen-Höchstadt bei Kairlindach im August 2018: Forstdirektor Peter Pröbstle zeigt Schäden an Birken, Kiefern, Eichen, Pappeln, Hainbuchenschösslingen und die Trockenheit im Waldboden.


Befallene Bäume müssen aus dem Wald transportiert, entrindet werden – Kostenfaktoren: Für die Fichte ist der Holzpreis im Sinken begriffen.

Seit fünf Jahren hat die Forstwirtschaft mit dem Kiefernsterben zu tun.

"Rot ist tot" heißt der Merksatz: Nadelbäume werfen zwar auch Nadeln ab, sobald sie unter Stress geraten, jedoch immer nur den ältesten Jahrgang. Werden auch die jüngsten Nadeln braun, so überlebt die Kiefer nicht, die überdies vielfach noch von Misteln, ihren Mitbewohnern, ausgesaugt wird.

Schließlich der Gefahrenherd, der blitzschnell ein Ende riesiger, sogar jahrhundertealter Bäume bedeuten kann: der Waldbrand. Die "berühmte" Zigarettenkippe, ein heißer Pkw-Auspuff in Wald und Flur . . . Derzeit werden Waldgebiete mit Flugzeugen, auch vom Flugplatz Herzogenaurach, inspiziert. Pilot und Forstmann werden oft von einem Feuerwehrmann begleitet. Aus der Luft werden Brandherde wesentlich schneller entdeckt als durch Bodenbeobachtung.

Von "Ausfall bis Totalausfall" hat Peter Pröbstle bei diesem Waldlauf ein differenziertes Bild gezeichnet. Perspektivisch, so die derzeitige Expertenmeinung, traue man der Eiche trotz Frühabwurf der "Eichelmast" oder Gefährdung durch den Prozessionsspinner, noch am meisten Überlebensfähigkeit in Frankens Wäldern zu.

Die Hoffnung auf Regen löste sich auch in der folgenden Nacht auf. Eine weitere Berufsgruppe, dem Forst metier verwandt, beginnt sich Sorgen zu machen: Den Weihnachtsbaumkulturen – und hier ist der Landkreis Erlangen-Höchstadt ganz vorne mit dabei – geht ebenso das Wasser ab. Ein weiteres Trockenkapitel. 

Edith Kern-Miereisz E-Mail

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