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"Die Energiewende ist in Gefahr"

Johannes Maibom von "Reuthwind" sorgt sich um Chancen für neue Bürgerprojekte - 02.05.2014 17:57 Uhr

Hinterm Herzogenauacher Horizont geht‘s weiter, vor allem in Sachen Windkraft: Ganz rechts der Windradneubau der „Reuthwind“, links davon der Neubau von „Zeilinger Naturstrom“ (beide zwischen Mausdorf und Zweifelsheim). Es folgen (von rechts): Windrad bei Hagenbüchach, weiteres Windrad der Reuthwind bei Mausdorf sowie Windräder bei Hagenbüchach und bei Dürrnbuch. Vorne in den Himmel ragt auch: der Kirchturm vom Liebfrauenhaus.

Hinterm Herzogenauacher Horizont geht‘s weiter, vor allem in Sachen Windkraft: Ganz rechts der Windradneubau der „Reuthwind“, links davon der Neubau von „Zeilinger Naturstrom“ (beide zwischen Mausdorf und Zweifelsheim). Es folgen (von rechts): Windrad bei Hagenbüchach, weiteres Windrad der Reuthwind bei Mausdorf sowie Windräder bei Hagenbüchach und bei Dürrnbuch. Vorne in den Himmel ragt auch: der Kirchturm vom Liebfrauenhaus. © Geert Garlt


Die „Reuthwind“ betreibt bereits zwei Windräder zwischen Zweifelsheim und Mausdorf und organisiert nun eine Fahrt zur Energiewende-Großdemo in Berlin. Warum?
Johannes Maibom: Die Energiewende, und damit auch der Ausbau der Windkraft, insbesondere im Binnenland, ist in Gefahr.

Inwiefern?
Maibom: Die Großkonzerne finden derzeit mehr Gehör bei den Politikern und Entscheidungsträgern als die Fürsprecher der alternativen Energien. Einerseits möchte Ministerpräsident Seehofer in Bayern  die 10H-Regelung durchsetzen, mit der im mittelfränkischen Raum faktisch keine Windräder mehr gebaut werden können.  Anderseits droht bei Umsetzung des neuen Energieeinspeisegesetzes die Windenergie in Bayern zum Erliegen zu kommen. Zwang zur Eigenvermarktung, reduzierte Einspeisevergütung sowie unrealistische Referenzerträge sind die wichtigsten Killerkriterien. Hier haben die norddeutschen Ministerpräsidenten wohl  eher Ihren Einfluss bei der Novellierung des EEG geltend gemacht.

Die „Reuthwind“ baut gerade bei Zweifelsheim ihr drittes Windrad, gleichzeitig wird ein viertes Rad durch die „Zeilinger Naturenergie“ gebaut. Beide entstehen durch finanzielle Beteiligung der Bürger. Der Energiewende geht es offenbar doch gut.

Maibom: Wir haben unser drittes „Reuthwind“-Windrad gut durchkalkuliert, wir haben Bürger, die investieren. Bei uns hier ist das in Ordnung. In einem Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer habe ich im Januar geschrieben: Bei unseren Anlagemodellen können wir den Bürgern, die ihr Kapital aus Überzeugung zur Verfügung stellen, eine vertretbare Rendite von etwa fünf Prozent ausschütten, was wohl am Kapitalmarkt nicht als übertrieben angesehen werden kann. Das derzeit im Bau befindliche Rad wird noch nach dem bestehenden EEG vergütet und steht damit auf soliden Füssen. Bei der derzeit unsicheren Gesetzeslage wäre die Projektierung von Neuanlagen mit hohen Risiken verbunden. Hier müssen verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Krankt die Energiewende aber nicht daran, dass in Spitzenzeiten erneuerbare Energie in einem Ausmaß erzeugt wird, die gar nicht gebraucht wird. Die Speichertechnologie hinkt noch hinterher.
Maibom: Sicherlich, aber was unsere Anlagen in der Region angeht, trifft das nicht zu. Was die Wind-, Solar- und Biomasseanlagen produzieren, wird in der Metropolregion immer direkt verbraucht. Es gibt nur ganz wenige Tage mit einem leichten Produktionsüberschuss.

Also keine Speicherproblematik?
Maibom: Doch, überregional. Im Süden eher nicht, aber der Norden produziert oft einen Überschuss an Energie. Deshalb ist die Forderung nach neuen Stromtrassen von Nord nach Süd auch nicht grundsätzlich falsch. Die in dieser Gegend diskutierte Trasse von Ostdeutschland her ist aber kompletter Unsinn - da geht es doch wirklich ausschließlich darum, Kohlestrom zu transportieren. Natürlich ist es so, dass wir eventuell noch (Gas-)Kraftwerke brauchen, die bei Stromengpässen einspringen, klar ist auch, dass die Betreiber solcher Kraftwerke für die Bereitstellung entsprechend bezahlt werden müssen.

Das kann teuer werden.
Maibom: Nicht unbedingt. Bei einem guten Energiemix ist eine hohe Abdeckung über regenerative Energien möglich. Dann fallen die höheren Stromkosten des teuereren Gasstroms weniger ins Gewicht.Wichtig ist ja auch ein intelligentes Stromnetz und eine Anpassung des Verbrauchs an das Stromangebot. Einfaches Beispiel: Ein intelligentes Strommanagement im Haushalt könnte die Waschmaschine dann anschalten, wenn viel Strom produziert wird und daher der Preis auch niedrig. Aber bisher haben wir ja nur diese schwarzen Kästen im Keller hängen, die nichts anderes können als Kilowattstunden zählen.

Es sind noch einige Plätze frei im Bus am 10. Mai nach Berlin. Abfahrt in Herzogenaurach ist um etwa 5.30 Uhr. Zu zahlen ist eine Verpflegungspauschale. Infos bei Johannes Maibom unter (0172) 1088684 oder Marcus Dornauer, (0170) 1057582. 

Interview: MATTHIAS KRONAU

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