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Seit 2001 unterhält der neurologische Chefarzt der Herzogenauracher Fachklinik, Dr. Wilfried Schupp, gemeinsam mit seinem Team nun schon rege Kontakte zur „Königlich Thailändischen Gesellschaft für Neurologie und Neurorehabilitation“ in Bangkok. Ein Kernthema ist dabei die Heranführung der Thailänder an den hohen mitteleuropäischen Standard der Neurorehabilitation.
Wo sie sich hinsichtlich der erforderlichen Gerätschaften laut Schupp erstaunlich schnell den modernen Anforderungen anpassen konnten, bedarf es bei der Umsetzung von Inhalten doch noch intensiver Unterstützung. Auch deswegen ist Schupp, schon mehrfach Einladungen nach Thailand (zum Beispiel als Referent bei südostasiatischen Fachkongressen) gefolgt.
So auch im Dezember 2011, wo jedoch die Sturmflut selbst den Improvisationskünstlern in Asien einen Strich durch die Rechnung machte und Schupp sich daher auf einen gestrafften Informationsaustausch mit dortigen Fachmedizinern der Region beschränken musste.
Der Herzogenauracher Arzt ist immer wieder fasziniert von den enormen Anstrengungen der Thailänder, sich rasch in neue, komplizierte Themen einzuarbeiten. Schupp lud im vergangenen Jahr also kurzerhand zwei Medizinerinnen des Königreiches, beide Fachärztinnen für physikalische und Rehabilitationsmedizin, zu einer mehrmonatigen Hospitation nach Herzogenaurach ein. Napaskakorn Komaratat weilte von April bis September 2011 in der Aurachstadt, Chompunut Pongakkasira kam im August 2011 und ist noch bis Ende Januar 2012 hier.
Wie Schupp erzählt, fanden sich die beiden Kolleginnen sowohl in der Fachklinik als auch im Umfeld schnell bestens zurecht, waren sowohl im Kreise des Klinikpersonals als auch bei den Patienten sehr beliebt und konnten bei den verschiedenen Assistenzmaßnahmen ihre rasche Auffassungsgabe (beide sprechen ausgezeichnet englisch) unter Beweis stellen. Die Fachklinik hatte für die beiden Ärztinnen in Herzogenaurach private Apartments angemietet, wo die Asiatinnen ebenfalls prima zurecht kamen und laut Schupp auch hinsichtlich ihrer Ernährung bei der europäischen und fränkischen Küche keine „Berührungsängste“ zeigten.
Auf ihren Wunsch hin hatte Schupp Komaratat zudem einen Besuch der Querschnittzentren in Murnau und Nottwil (Schweiz) ermöglicht, während Pongakkasira den Fachbereich „Schädel-Hirntrauma und Schlaganfall“ in der Klinik in München-Bogenhausen besuchte. Außerdem konnten sich die beiden in verschiedenen Abteilungen der Erlanger Universitätsklinik, mit der die Herzogenauracher Fachklinik zusammenarbeitet, zusätzliches Wissen aneignen.
Dass sie zudem mit Eifer an dieser Universität Deutsch-Kurse für ausländische Wissenschaftler belegten, zeigt, mit welchem Engagement die beiden Gäste in Deutschland hospitierten. Darüber hinaus erkundeten die Thailänderinnen mit dem Fahrrad Herzogenaurach und unternahmen Kurzausflüge in die Alpenregion und nach Frankreich. So konnten sie neben den neuen fachbezogenen Erfahrungen auch solche mit in die Heimat nehmen, welche den allermeisten ihrer Landsleute aus finanziellen Gründen verwehrt bleiben.
In einem Punkt aber zeigten sich beide dann doch irritiert: Wo Komaratat von dem verregneten Sommer in Deutschland enttäuscht war, vermisst Kollegin Pongakkasira aktuell den Schnee in Franken.
Winfried Schupp zeigt sich generell sehr angetan von dem Elan seiner thailändischen Kolleginnen und Kollegen, denn die Rahmenbedingungen der medizinischen Versorgung sind natürlich nicht mit dem deutschen Standard zu vergleichen. Es gibt kaum niedergelassene Fachärzte, stattdessen Krankenhäuser, wo sich die Thailänder jeweils zum Jahresbeginn eintragen müssen und für die es im Bedarfsfall vom Staat ein begrenztes Budget gibt, welches lediglich in besonders komplizierten Behandlungssituationen aufgestockt wird. Auch deswegen erachtet Schupp diese Zusammenarbeit für wichtig: „Es profitieren beide Seiten davon, denn unsere Errungenschaften mit den fernöstlichen Heilmethoden zusammen zu bringen, trägt generell zur weiteren Verbesserung der Rehabilitation bei.“
