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„Niemand muss auf eine Beerdigung warten“, beruhigt Friedrich Bucher. Er ist Totengräber, Sargträger und Friedhofswärter in Herzogenaurach.
Der Boden sei eben kälter und härter als im Sommer, fügt er hinzu. Mehr Zeit müssen die Totengräber deshalb einplanen: Ungefähr doppelt so lange wie sonst brauchen sie, um ein Grab auszuheben; statt zwei also vier Stunden.
Aber auch da sieht Bucher kein Problem. Beerdigungen müssten generell zwei Tage vorher angemeldet werden, erzählt Erich Petratschek. Er ist Bestatter, hat mit dem Ausheben von Gräbern aber nichts zu tun. „Städtischer Totengräber zu sein ist eine hoheitliche Aufgabe, die in Herzogenaurach nicht an Private weitergegeben wurde“.
Bucher fängt mit seiner Mannschaft bei diesen Temperaturen meist einen Tag vorher mit dem Graben an, damit er bis zur Beerdigung auch sicher fertig ist.
Die Frosttiefe beträgt derzeit etwa 40 Zentimeter. Zuerst wird diese Schicht mit einem Kompressor, manchmal auch mit dem Hammer aufgebrochen. Der friedshofseigene Bagger tut sein Übriges. Zu kämpfen hätten die Arbeiter mit der sogenannten Schalung, einem Blech, das an die Seitenwände angebracht wird und die Totengräber davor schützt, verschüttet zu werden. Das Blech wird nach der Aushebung wieder aus dem Grab entfernt. Bucher: „Die Schalung gefriert schnell an die Erde, das kann dann Arbeit machen.“
Sieben, acht Leerstände in Öltanks seiner Kundschaft registriert Heilzöllieferant Roman Maier zurzeit täglich und bewältigt an die zwanzig Füllungen insgesamt pro Tag.
„Die Leute haben immer auf niedrigere Preise gewartet und die Bestände heruntergefahren. doch bei dieser Kälte ist der Tank dann ruckzuck leer“, beobachtet er.
„Extreme Lieferschwierigkeiten“ hätten vor allem Händler, die kein Lager vorhalten, weil nun die Flüsse schon Zeit zugefroren sind. Ohne Lagerkapazitäten müsse man direkt aus den Raffinerien beziehen.
Um die sechs Cent pro Liter seien die Preise jüngst in die Höhe geschnellt, trotzdem sei die Nachfrage immens.
Zu rechnen seien für 1000 Liter derzeit 83 bis 85 Cent pro Liter plus Steuer. Wer es sich leisten könne, warte mit dem Nachtanken aufs Frühjahr.
Das Schild „Eis zum Mitnehmen“ hängt zwar auch bei Bitterkälte an mancher Eisdiele, doch momentan sind eher Glühwein (alkoholfrei) und Jagertee gefragt.
Schier von Dampf- und Rauchschwaden umgeben verbringt so mancher also die Mittagspause, in der man sich gern im Freien aufhalten möchte – etwa am Espressovita.
Trotz Wintersonne – bevor am gestrigen Nachmittag dann wieder die Schneeflocken tanzten – war im Park am Postkreisel jedoch nur auch Steh-Meeting möglich.
Allerdings ficht die Kälte offenbar zusehends weniger Fahrradfahrer an. Jedes Jahr werden die Radler mehr, die sich in morgendlicher Dunkelheit bei jedem Wetter zur Herzo Base oder in die Stadt kämpfen. Ebenso in umgekehrte Richtung, etwa aus Herzogenaurach nach Erlangen, selbst nach Forchheim und sogar Hirschaid sind Ganzjahresradler bis zu eineinhalb Stunden unterwegs – einfache Strecke.
Auch der Kreativität bei Kälteschutzmaßnahmen und „Verkleidungen“ scheint keine Grenze gesetzt. Mit Mantel, Stirnband, Handschuhen und Schal setzt Irmgund Rost aus Niederndorf auf Bewährtes gegen den eisigen Zug. „Soweit‘s geht“ nutzt sie das Fahrrad für den Arbeitsweg ins Rathaus. Beim Blick zum Himmel meint sie mit leichter Skepsis: „Es hat doch etwas wärmer werden sollen ...“
Gezielte Streifengänge, um Personen unter Dach und Fach zu bringen, die wegen Alkohols die Orientierung und das Kälteempfinden verloren haben, unternimmt die Polizeiinspektion Herzogenaurach nicht, gibt Leiter Emil Zehner Auskunft. Bisher sei es noch allen gelungen, eigenständig wieder nach Hause zu finden.
Eine weiße Salzschicht auf den Straßen fiel Beobachtern auf. Johann Zinner, Leiter des Stadtbauhofes in Herzogenaurach, erklärt dies so: „Dies ist den Temperaturen geschuldet. Wegen der Glätte mussten wir streuen, die unübliche Trockenheit ließ das Restsalz auf den Straßen liegen.“ Dies sei jedoch viel zu fein, um es zusammenzufegen, so dass es wohl oder übel bei nächsten Regen in die Abflussrohre geschwemmt werde.
Ab minus acht bis zehn Grad sei die Wirkung des Streusalzes außerdem eingeschränkt. Eigentlich müsste man auf Magnesiumchlorid oder Calciumchlorid umstellen, was auf Autobahnen benutzt wird. Doch dies sei im Stadtbauhof nicht vorrätig.
Nach wie vor unterhält der Bauhof eine Kooperation beim Salzkauf mit dem Landkreis, um sich günstige Preise zu sichern. 100 Tonnen Streusalz wurden bislang heuer verbraucht, voriges Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt schon 650 Tonnen gewesen.
„Aber“, meint Johann Zinner: „Der Winter ist ja noch nicht vorbei“.
