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Eine Prise Greuther

Spurensuche an den Wurzeln eines Erstliga-Vereins - 18.04.2012 17:21 Uhr

Der TSV Vestenbergsgreuth (weiß) bei seinem letzten Derby gegen die Spielvereinigung Fürth. Wenig später verschmolzen die beiden Vereine zu der Truppe, die nun in die Erste Bundesliga einzieht.

Der TSV Vestenbergsgreuth (weiß) bei seinem letzten Derby gegen die Spielvereinigung Fürth. Wenig später verschmolzen die beiden Vereine zu der Truppe, die nun in die Erste Bundesliga einzieht. © Günter Bernd Kögler


Der Zusammenschluss war die Rettung: Am 1. Juli 1996 schloss sich die Leistungsfußballabteilung des TSV Vestenbergsgreuth der finanziell gebeutelten SpVgg Fürth an, die „Spielvereinigung Greuther Fürth“ entstand, die von der Regionalliga 1997 in die Zweite Bundesliga aufstieg.

Jene, die damals in Vestenbergsgreuth die Geschicke des TSV lenkten, die als Funktionäre den Verein lebendig hielten, sind zu einem großen Teil noch heute aktiv. Zum Beispiel Helmut Lottes, Kader-Urgestein und heute in Personalunion erster Bürgermeister seiner Heimatgemeinde, TSV-Vizevorstand und kommissarischer Leiter der Turnabteilung. „Wir freuen uns in Vestenbergsgreuth — auch, weil Spielvereinigungs-Präsident Helmut Hack immer noch hier wohnt und arbeitet“, sagt Lottes und beginnt eine Lobeshymne auf Hack: „Einen erstklassigen Präsidenten hat der Verein schon lange“, meint Lottes und fügt hinzu: „Er hat Baustein auf Baustein getürmt, bis der Aufstieg perfekt war.“

Lottes erinnert daran, dass schon der TSV seinerzeit „an der Tür zur Zweiten Liga gekratzt“ habe, diese aber nicht zuletzt mangels finanzieller Masse nicht stürmen konnte. So sei der Zusammenschluss mit der Spielvereinigung Fürth ein „notwendiger Schritt“ gewesen.

Was als Fusion gedacht war, wurde schließlich der Beitritt der TSV-Fußballabteilung, jenes Profi-Teams, das am 14. August 1994 den FC Bayern München in der DFB-Pokal-Hauptrunde im Nürnberger Stadion mit 1:0 aus dem Wettbewerb warf. „Wie gut wir waren, wussten unsere Fans aber schon vorher“, schwärmt Lottes, der sich vom Aufstieg der Spielvereinigung Greuther Fürth auch einen Imagegewinn für seine Gemeinde erhofft. „Die Bürger sind stolz“, betont Lottes, der sich mit Tennis und beim Training der „Alten Herren“ fit hält.

Gerhard Pochadt pendelt nach wie vor „zwischen den Welten“. Beim TSV trainiert er besagte Altherren-Mannschaft, am Ronhof ist er Schiedsrichter-Betreuer. Pochadt gibt freimütig zu, dass er damals zu denen zählte, die den Zusammenschluss eher skeptisch betrachteten, „obwohl es davor für alle Beteiligten beim TSV eine enorme Belastung war, dass der Verein professionellen Fußball spielt.“

Auch für Pochadt ist Helmut Hack Architekt des Aufstieges, nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrung als Wirtschaftsmanager: „Der Helmut ist ein Geschäftsmann, der nie mehr ausgibt als er hat“ und dem auch stets klar gewesen sei, wie viel es kostet, in den höheren Ligen „mitzumischen“. Die Alternative zum Zusammenschluss mit Fürth sei damals gewesen, sich „Jahr für Jahr immer tiefer schießen zu lassen“, resümiert Pochadt, der die Schiedsrichterbetreuung als weniger stressig empfindet denn das Altherrentraining zuhause in Vestenbergsgreuth.

Dass die SpVgg-Fans am Montag, als am Aufstieg keine Zweifel mehr bestanden, „die Sau herausließen“, kann Gerhard Pochadt gut nachvollziehen. „Wenn man jahrelang gehofft hat, ist es klar, dass dann die Dämme brechen.“ Pochadts „größte Angst“ in den vergangenen Monaten sei es gewesen, dass die beiden fränkischen Vereine in ein Relegationsderby gezwungen würden. „Das hätte um Gottes willen nicht passieren dürfen.“ Gesunde Rivalität gehöre zwar dazu, der 1. FCN und die SpVgg sollten aber in Gerhard Pochadts Augen zusammenhalten, zumal dies auch den Münchner Fußballteams gelinge, wenn es zum Beispiel um Subventionen der Öffentlichen Hand geht.

Den vielgelobten „Aufstiegspräsidenten“ Helmut Hack bekommt man in diesen Tagen gar nicht mehr an den Telefonhörer. Als Planer und Organisator des Aufstiegs gehört er zu den Vielbeschäftigten im Lande. Und er kann sich auf starke Unterstützung verlassen: „Wir als Familie haben immer hinter ihm gestanden“, sagt seine Ehefrau Karin Hack. In den Aufbaujahren habe er Frau und Söhne in die Vereinsarbeit eingebunden. Auch die Fusionspläne habe man im Hause Hack einmütig mitgetragen.

Beim alten TSV Vestenbergsgreuth ging es sowieso familiär zu, wie Karin Hack erzählt: „Zu den Spielen haben wir Wurst- und Fischsemmeln selber gemacht und am Platz verkauft“, erinnert sie sich. Die Spielerfrauen waren vor wichtigen Begegnungen bei Hacks zum Kaffee eingeladen. „Diesen Zusammenhalt gibt es nach wie vor“, schwärmt Karin Hack. In Fürth fühle man sich ebenfalls „wie eine große Familie“, zu der für Karin Hack auch Trainer Mike Büskens mit seinem Anhang zählt. „Er und seine Familie passen zu uns, er ist einfach ein Supermann, von dem wir alle hoffen, dass er bleibt“, meint Karin Hack.

Dass die SpVgg künftig ein Erstliga-Verein ist, hat Karin Hack nach eigenen Worten „noch gar nicht richtig verinnerlicht“. Die einst legendären Pressekonferenz-Kuchen gibt es immer noch, inzwischen werden sie von Karin Hacks Schwiegertochter gebacken.

Dass diese Kontinuität sich auch auf die Fans überträgt, gehört zu den angenehmen Nebeneffekten. Ein Niederbayer, der schon von der Mannschaft des TSV begeistert war, telefoniert mit den Hacks seit Jahren vor und nach den Spielen und reist auch regelmäßig zusammen mit seinem Sohn aus der Passauer Umgebung an, wenn die SpVgg spielt. Auch ihn zieht das Familiäre an. „Das liegt am guten Kern des Vereins“, weiß Karin Hack. 

VON HANS VON DRAMINSKI

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