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"Es geht doch nur noch um die Kohle"

Fußball-Funktionäre wehren sich gegen adidas-Vorstoß, das DFB-Pokalfinale nach Schanghai zu verlegen - 21.04.2017 06:00 Uhr

Fast zehn Jahre ist es her, dass halb Nürnberg nach Berlin pilgerte, um den Pokaltriumph des "Club" zu erleben – solche kollektiven Fan-Erlebnisse wären nicht mehr möglich, falls sich adidas-Chef Kasper Rorsted mit seinem Vorschlag durchsetzen würde. © Johannes Eisele/dpa


Armin Appelt beispielsweise, Trainer des Kreisligatabellenführers ASV Weisendorf, bezeichnet die Idee als "a weng blödsinnig".

Weisendorfs Trainer Armin Appelt. © Mark Johnston


Er sei keineswegs ein Traditionalist, aber das deutsche Pokalfinale solle in Deutschland bleiben. Appelt: "Berlin ist doch immer wieder ein Erlebnis für den Fußballfan, auch wenn vielleicht nicht sein Verein im Endspiel steht." Da könne man auch als "Normalo" an Tickets kommen, wer könne sich denn eine Flugreise nach Schanghai oder irgendwann mal New York oder Los Angeles mitsamt Eintritt und Hotel leisten? Der Weisendorfer Coach: "Da sitzen dann 50 000 Chinesen im Stadion und die wahren Fans müssen das Spiel im Fernsehen anschauen. Die würden für ein Finale in Berlin ihr letztes Hemd geben." Innerhalb Deutschlands könne er sich irgendwann einmal einen Wechsel des Spielorts durchaus vorstellen, aber keineswegs eine Verlegung ins Ausland.

Röttenbachs Fußballchef Kurt Endruschat. © Niko Spörlein


"Es heißt schließlich Deutscher Pokal und nicht Asienpokal, da soll das Spiel auch in Deutschland stattfinden", meint auch Kurt Endruschat, Fußballabteilungsleiter des TSV Röttenbach, Meisterschaftsrivale der Weisendorfer in der Kreisliga. Dass adidas als Generalausstatter des DFB Interesse habe, sich auf anderen Märkten noch stärker zu positionieren, könne er zwar verstehen, aber der deutsche Fußball habe nichts davon. Merchandising schön und gut, sagt der Funktionär, der in seiner Jugend für Grün-Weiß Wuppertal kickte. Der rheinische Dialekt ist auch nicht bei seinem unmissverständlichen Schlussstatement zu überhören: "Das Endspiel in Berlin ist eine Tradition und bleibt es. Schluss, fertig, Ende!"

Zeckerns Pokalheld Bastian Händel. © Erich Malter


Ein kleiner Pokalheld ist Bastian Händel. 2012 gewann er mit der SpVgg Zeckern (damals Kreisklasse, heute Kreisliga) sensationell den DFB-Kreispokal, für Berlin reichte es naturgemäß nicht. Inzwischen ist der einstige Mittelfeldstratege Teamleiter Sport bei seiner SpVgg. Auch er ist für ein Beibehalten des Austragungsorts Berlin: "Das war und ist ein Magnet für Vereine und Fans." Natürlich wolle adidas das Ganze noch internationaler machen, seinen Markt vergrößern, "aber da geht es nur um die Kohle". In Shanghai könnten nur noch Edelfans aus Deutschland dabei sei, die Basis könne sich diesen Höhepunkt einfach nicht leisten. Eher kann sich Händel vorstellen, das Champions-League-Endspiel auf einen anderen Kontinent zu verlegen: "Da muss man eh meistens fliegen."

Rudi Litz, Sportlicher Leiter des 1. FC Herzogenaurach. © privat


Richtiggehend erbost ist Rudi Litz, Sportlicher Leiter des Bezirksligisten 1. FC Herzogenaurach: "Im großen Fußball geht es nur noch um Geld, und das macht unsere Sportart auf Dauer kaputt." Solche Vorschläge wie von Kasper Rorsted kann der Ex-Profi (SpVgg Bayreuth, SpVgg Fürth) einfach nicht nachvollziehen. "Wer soll das denn anschauen? Diejenigen, die sich wirklich dafür interessieren, jedenfalls nicht." Die Interessen der Zuschauer, die das ganze Geschäft ja mitfinanzieren und mit ihrer Begeisterung tragen, werden da sträflich ignoriert." 

HOLGER PETER

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