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Essen im Kindergarten: Obst und Gemüse müssen sein

Kindgerechte Ernährung immer wichtiger für Eltern — Einrichtungen stehen vor großen Herausforderungen - 21.02. 14:40 Uhr

HERZOGENAURACH  - Die Krapfen türmen sich in den Bäckereien, in den Supermärkten stapeln sich bereits Schokohasen und Ostereier. Kaum jemand, der da nicht zugreift. Auch Kindern schmeckt Süßes besonders gut. Einrichtungen setzen dagegen — und verstärkt auf gesunde Kost für die Kleinen.

Erst etwas Gesundes, dann was Süßes: Die Kinder der Sonnengruppe von St. Josef feiern Fasching und dürfen deshalb — ausnahmsweise — nach dem Frühstück bei Gummibärchen und Krapfen zugreifen.
Erst etwas Gesundes, dann was Süßes: Die Kinder der Sonnengruppe von St. Josef feiern Fasching und dürfen deshalb — ausnahmsweise — nach dem Frühstück bei Gummibärchen und Krapfen zugreifen.
Foto: Kai Kappes
Erst etwas Gesundes, dann was Süßes: Die Kinder der Sonnengruppe von St. Josef feiern Fasching und dürfen deshalb — ausnahmsweise — nach dem Frühstück bei Gummibärchen und Krapfen zugreifen.
Erst etwas Gesundes, dann was Süßes: Die Kinder der Sonnengruppe von St. Josef feiern Fasching und dürfen deshalb — ausnahmsweise — nach dem Frühstück bei Gummibärchen und Krapfen zugreifen.
Foto: Kai Kappes

„Die Kindergärten und Krippen stehen vor einer Herausforderung“, sagt Constanze Krämer. Sie ist Ökotrophologin am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürth, also Expertin für das Thema Essen. „Wegen der Verlängerung der Betreuungszeiten nimmt die Bedeutung für die Verpflegung der Kindern zu.“ Das Amt bietet verschiedene Seminare und Checklisten an, damit Einrichtungen und Caterer selbst überprüfen können, ob sie ihren Schützlingen eine ausgewogene Ernährung bieten. Gerade bei Fisch gebe es noch Hemmungen. „Wegen der Gräten“, verrät Krämer.

Auch für das sogenannte „KiTa-Coaching“ gibt es in Mittelfranken Bedarf: Bis zu sechs Monate betreuen Krämer und ihre Kollegen eine Einrichtung und schauen sich vor Ort die Bedingungen für die Verpflegung der Kleinen an.



„Den Eltern ist es ein großes Anliegen, dass ihre Kinder gut versorgt sind“, weiß Krämers Kollegin Wilmar Bröker. Denen rät sie von Kinderlebensmitteln wie Kinderjoghurt oder Getränken ab. Diese bringen nichts, sondern schmälern nur den Geldbeutel. Oftmals seien sie sogar schädlich, weil zu süß und zu fett. „Lieber eine selbst gemischte Apfelschorle reichen, das ist günstiger und gesünder.“ Seit 2009 gibt es in mittelfränkischen Städten, unter anderem auch in Erlangen, Kurse speziell für junge Eltern, die über die richtige Ernährung und Bewegung für die Kleinsten aufklären. Neu ist, dass Bröker und ihre Kollegen die Eltern nun auch direkt im Kindergarten ansprechen.

So tut sich auch etwas in hiesigen Einrichtungen. Seit vergangen Oktober hat sich beim Frühstück im Montessori-Kindergarten einiges verändert. Früher brachte jedes Kind seine Brotdose von daheim mit. „Da gab es schon mal Eifersucht“, erzählt Carmen Golsch, stellvertretende Leiterin, „denn jedes Kind hatte etwas anderes dabei. Manche auch weniger gesundes.“

Essen nur bei Hunger

Seit fast fünf Monaten gibt es ein Buffet für die Kinder. Brot, Käse, Wurst, Müsli, Obst und Gemüse können am schön gedeckten Tisch mit Servietten und Kerzen gegessen werden. Diese Komponenten empfiehlt auch Ernährungsberaterin Bröker für ein ausgewogenes Frühstück. „Damit haben wir durchwegs nur positive Erfahrungen gemacht. Kinder und Eltern finden’s gut“, erzählt Golsch. Nur einmal in der Woche gibt es Marmelade oder Honig.

Grundsätzlich möchte sie Süßes aber nicht verbieten. „Bei Feierlichkeiten ist es erlaubt und ist dann auch etwas besonderes“, sagt Golsch. Bei einem generellen Verbot, sei sonst der Drang zu groß. Regeln müssten aber sein.

Die Kindergartenkinder können sich beim „gleitenden Frühstück“, so der Fachausdruck, von 9 bis 11 Uhr beim Buffet bedienen. Schließlich hätten einige bereits um halb sieben gefrühstückt und erst später Hunger, andere wären erst um acht aus den Federn und hätten gleich nach Ankunft im Kindergarten Kohldampf.

„Bei uns muss jedes Kind frühstücken, aber erst dann, wenn es Hunger hat.“ Das sei schließlich auch ein Lernprozess. Außerdem würden die Kinder beim Buffet auch Dinge wie Obst- und Gemüsesorten probieren, die sie sonst nicht gegessen hätten. Und das Schmieren der Brote mache den Kindern Spaß und lasse sie selbstständiger werden. Auch für die behinderten Kinder in den Gruppen ist das eine wichtige Erfahrung.

In der Einrichtung St. Josef bringen die Kindergartenkinder ihr Frühstück selbst mit. In der Krippe bereiten die Kleinen ihr Essen zusammen mit den Erzieherinnen vor. „Wir haben nicht die räumlichen Kapazitäten, um mit unseren 75 Kindergartenkindern Essen vorzubereiten“, erklärt Stefanie Bauer, stellvertretende Leiterin. Auch zeitlich wäre das ein Problem: Schließlich wolle man mit den Kindern noch arbeiten, gerade mit den Vorschulkindern.

Kein generelles Naschverbot

Am Nachmittag gebe es aufgeschnittenes Obst, das die Eltern mitbringen. Das komme gut an und es werde darauf geachtet, dass jedes Kind mindestens ein Stück isst. Wenn Eltern ihren Sprösslingen zu viel Süßes einpacken, sprechen die Erzieherinnen sie darauf an. „Aber das kommt ganz selten vor“, versichert Bauer. Generell gelte die Regel: Erst etwas Gesundes, danach etwas Süßes — aber nur in Maßen. „Ein generelles Naschverbot gibt es bei uns nicht“, erklärt Bauer.

In St. Magdalena sieht es ähnlich aus: Krippenkinder bekommen ihr gesundes Frühstück von den Erzieherinnen hingestellt, Kindergartenkinder bringen ihres mit. Trockener Kuchen für nachmittags ist in Ordnung. Milchschnitte und Co. sind in der Brotdose nicht gerne gesehen. „Da sagen wir den Kindern, dass wir das hier nicht haben wollen und sie es zu Hause essen können“, sagt Leiterin Annette Blum. Als Belohnung oder zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen sind Naschsachen aber durchaus erlaubt.

Beim Mittagessen vom Caterer muss jedes Kind nur das essen, was ihm auch schmeckt. Also nicht sitzenbleiben bis der mit gesunder Kost gefüllte Teller leergegessen ist? „Um Gottes Willen“, entfährt es Blum. „Wir können auch nicht jedem der 25 Kinder in einer Gruppe mit dem Löffel nachlaufen. Dafür haben wir gar keine Zeit.“ 



KAI KAPPES

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