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Montag, 18.02.2019

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Für die Shorthorns stellt sich die Aufstiegs-Frage

Herzogenaurachs Basketballerinnen verdrängen Schwabach II von Platz eins der Bayernliga - 11.02.2019 08:08 Uhr

Oben auf: Die Shorthorns (in weiß) haben die Schwabacherinnen (in rot) besiegt und damit auch die Tabellenführung übernommen. Der – potenzielle – Aufstieg scheint plötzlich zum Greifen nah. © Foto: Helmut Hollfelder


Können drei Sekunden eine komplette Partie vorwegnehmen? Kann man aufgrund eines einzelnen Moments den kompletten Spielverlauf vorhersehen? Nach diesem Spiel ist man geneigt zu sagen: Ja, man kann.

Die Partie hat gerade begonnen, die Schwabacher Spielerinnen wollen gerade ihren ersten Angriff organisieren – und zack – drei Sekunden später ist der Ball weg. Rucola Chicoran hat ihren Arm dazwischengeworfen: Steal. Es ist eine Szene, an die man sich im Laufe des Abends noch häufiger erinnern wird.

Jeder Spielzug kann entscheidend sein, diesmal ganz besonders. Denn nur wenn die Shorthorns mit sieben Punkten Vorsprung gewinnen, ziehen sie in der Tabelle an Schwabach vorbei. Und so schwebt die Zahl Sieben bei praktisch jedem Spielzug als dunkle Vorahnung über den Körben hinweg: Wenn jetzt Abpfiff wäre, würde es reichen? Oder nicht?

Später wird Shorthorns-Coach Markus Schönmüller erzählen, dass dem Team diese Ausgangslage selbstverständlich bewusst war. Er wird sagen, dass er seinen Spielerinnen mitgegeben hat, ihr eigenes Spiel durchzuziehen. Dass sie nicht ständig auf den Spielstand schauen sollen: "Das hätte auch nichts gebracht."

Was sich zu Beginn bereits angedeutet hatte, wird sich wie ein roter Faden durch die erste Hälfte ziehen. Die Defense der Shorthorns dominiert die Gegnerinnen völlig, bringt sie permanent in Stresssituationen. Wo ein Passweg scheinbar offen steht, ist für die Schwabacherinnen auch der Ballverlust nicht weit. Nach wenigen Minuten führt Herzogenaurach mit 14:5, zur Halbzeit mit 37:30. Wenn jetzt Abpfiff wäre . . .

Als die Partie vorbei ist, steht Angelika Walden vor der Schwabacher Trainerbank. Während ihre Spielerinnen mit verdrossenen Mienen ihre Sachen packen und davonziehen, hat die Trainerin trotzdem ein kleines Lächeln übrig. Was war los, mit dem sonst so offensivstarken Tabellenführer? "Wir sind nicht in Bestbesetzung angetreten", erklärt Walden und schiebt hinterher: "Wir wollten das auch gar nicht."

Der Vorsprung schwindet

Die Trainerin deutet im Gespräch an, dass die zweite Mannschaft den potenziellen Aufstieg gar nicht angenommen hätte. Die Tabellenführung hätte man zwar gerne behalten, "aber dass wir trotz allem so lange mithalten konnten, hat mich überrascht", sagt Walden.

Im dritten Viertel gibt es diese Momente, in denen Schwabach mehr als nur mithält. Momente, in denen die wahren Tabellenführerinnen aufblitzen. In denen die Partie kurzzeitig zu kippen scheint. Dass es plötzlich wieder eng wird, liegt vor allem an einer Person: Diana Fett. Die "Nummer Acht", wie TSH-Coach Schönmüller sie nennt, zählt zu den Topscorerinnen der Liga. Während sich bei den Shorthorns kleine Fehler einschleichen, nagelt Diana Fett den nächsten Dreier durch den Korb. Die einst so komfortable Führung ist plötzlich auf einen einzelnen Punkt zusammengeschrumpft. Lieber doch noch kein Abpfiff.

Gerade rechtzeitig, kurz bevor das Momentum endgültig wechselt, fangen sich die Shorthorns. Die Defensivmaschine läuft wieder an. "Und endlich konnten wir die Nummer Acht kontrollieren", analysiert Schönmüller später. Doch noch stolzer macht ihn die offensive Leistungssteigerung im Schlussviertel: "Unser Offensivrebounding wurde besser, wir konnten uns mehr freie Würfe erarbeiten".

Während Schwabachs Würfe immer verzweifelter werden, treiben Barbara Hartz und Julia Volk die Führung in die Zweistelligkeit. Eine Zitterpartie bleibt aus. Bereits zwei Minuten vor dem Ende macht sich auf der einen Seite Freude, auf der anderen Enttäuschung breit. Beim Abpfiff steht es 58:47. Die Shorthorns übernehmen die Tabellenführung.

Grünes Licht vom Verein?

Wie bereits in der Vergangenheit wirft der Erfolg des Damenteams eine zentrale Frage auf: Gibt der Verein dem Team grünes Licht für den Sprung in die Regionalliga? Oder werden auch die Shorthorns den potenziellen Aufstieg ablehnen? Es ist eine Frage, die Markus Schönmüller derzeit öfter hört, aber noch nicht beantworten kann. "Wir haben noch drei schwierige Spiele vor uns", sagt er. "Im März werden wir uns dann entscheiden."

Den Altersschnitt seines Teams hält er sowieso für zu hoch. "Wir müssen die jüngeren Spielerinnen integrieren, je früher desto besser", sagt er. "Und das gilt ligaunabhängig." Egal für welche Liga sich die Shorthorns am Ende also entscheiden werden – Markus Schönmüller weiß bereits, was zu tun ist. 

OLIVER KOPRIVNJAK

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