Donnerstag, 22.11.2018

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Furcht vor Fischottern geht um

Teichwirte erwarten Vorrücken in den Aischgrund - 18.06.2018 14:00 Uhr

In der Oberpfalz sorgt der Fischotter bei Teichwirten schon für viel Kummer. © Foto: Silas Stein/dpa


Die Betrachtungsweise, dass der Fischotter eine Bedrohung ist, herrschte dieser Tage in Birnbaum vor. Dorthin hatte die Uehlfelder FW-Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt zu einer Veranstaltung mit der Überschrift "Otter – Ende der Karpfenteichwirtschaft" geladen. Gekommen waren vor allem Teichwirte, Fischer, Angler und natürlich auch Parteifreunde der Parlamentarierin.

Mit Christian Wagner von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Michaela Thiel vom Landesfischereiverband kamen zwei Referenten zu Wort, die als Experten mit der Thematik beschäftigt sind. "Der Otter frisst sich durch die Fische unserer Region", hieß es in der öffentlichen Einladung. Das stimmt allerdings nur, wenn man den Begriff Region großzügig auslegt.

Laut Christian Wagner, der federführend den Fischottermanagementplan des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums umsetzt, ist "der Fischotter in Mittelfranken tatsächlich noch nicht wirklich angekommen". Lediglich bei Weißenburg findet sich auf seiner Verbreitungskarte ein Hinweis auf vereinzeltes Auftreten des flinken Räubers. Der Aischgrund ist auf dieser Karte ein weißer Fleck.

Noch, so fürchten hiesige Teichwirte. Die einst weitgehend verschwundene Tierart hat vor allem in den östlichen Teilen der Oberpfalz sowie von Oberfranken und Niederbayern wieder Fuß gefasst, aber auch im Berchtesgadener Land tauchte er zuletzt vermehrt auf. Schrecken und echte Existenzängste verbreitet er im Landkreis Tirschenreuth, berichtete Hans Klupp vom Oberpfälzer Fischerzeugerring.

Sämtliche anwesenden Experten stimmten überein, dass sich die Art sowohl zahlenmäßig als auch in der Fläche ausbreite. Nach aktuellen Zahlen gefragt, mussten sie aber passen. Die letzte seriöse Schätzung der Landesanstalt ist sechs Jahre alt und geht von rund 240 Exemplaren in Bayern aus.

Die Staatsregierung sah sich 2013 zum Handeln aufgefordert und stellte den genannten "Fischottermanagementplan" auf die Beine, der ab 2016 zur Umsetzung gekommen ist. Darin enthalten sind Entschädigungszahlungen für heimgesuchte Teichwirte, Beratung und geförderte Präventionsmaßnahmen wie Schutzzäune. Als allerletztes Mittel soll alsbald die "Entnahme" dazukommen, was für nichts anderes als Tötung steht.

Im Gegensatz zu Schmidt, die den Druck auf die Staatsregierung verstärkt wissen will, gab sich Walter Jakob überzeugt: "Die Entnahme wird kommen". Der Vorsitzende der Aischgründer Teichgenossen machte sich Gedanken darüber, wer die finale Lösung in die Hand nehmen kann. Der Mühlhausener erinnerte daran, dass die Otter dem Jagdrecht unterliegen. Die Jägerschaft werde sich die Befugnis nur ungern aus der Hand nehmen lassen, vermutet Jakob und wünschte sich doch, dass die Teichwirte zur Selbsthilfe ermächtigt würden.

Gleichzeitig forderte er, vor allem für die Jäger, eine "gesellschaftliche Akzeptanz" ein. Die Teichwirtschaft setzt vor allem auf die Entnahme. Zäune seien unwirtschaftlich, auch wenn sie zu 50 Prozent bezuschusst würden, sprach Hans Klupp aus Erfahrung. Und auch Entschädigungszahlen seien nicht das, was Teichwirte in Notlagen zum Weitermachen ermutigen würde, sagte der Fischwirt und Gastronom.

Enttäuscht und ungerecht behandelt fühlten sich Vertreter der Sportfischer. Sie kommen nämlich nicht in den Genuss von Entschädigungen. Da sei von politischer Seite nichts zu machen, bedauerte Gabi Schmidt. Und fügte hinzu: "Also an mir hat es nicht gelegen".

Die als Teil des Managementplans agierenden Berater konzentrieren sich auf die Fischerei und Zucht in stehenden Gewässern, unterstrich Christian Wagner. Vor allem im Winter macht sich der schwimm- und tauchfähige Räuber aber auch an Flüssen und Bächen auf Nahrungssuche, weiß Michaela Thiel aus ihrer Forschungsarbeit. Dann nämlich seien die Teiche größtenteils abgelassen.

Die Fischotter machen sich darüber hinaus über andere Tierarten her, über Ringelnattern zum Beispiel oder über Frösche, junge Vögel oder Brutstätten. Manchmal auch über den Bedarf hinaus, so Thiel. "Er jagt aus Spaß", schimpfte Gabi Schmidt.  

KARL-HEINZ PANZER

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