Donnerstag, 15.11.2018

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Gänsehaut: Vokalprojekt in Höchstadter Kirche

Ensemble interpretierte Mozarts Totenmesse modern — Publikum war begeistert - 05.11.2018 12:00 Uhr

Die Musiker von „Vokalprojekt“ vor dem frisch renovierten Hochalter in der Höchstadter Stadtpfarrkirche St. Georg. © Andrea Lachmuth


Schwer auszumachen, was an diesem trüben Novembersamstag mehr strahlte: Das Gold in der frisch renovierten St.-Georg- Kirche, die Augen der jungen Profi-Musiker oder die der Zuhörer: "Einfach berührend, wunderschön, es geht nicht besser", lauteten dann auch die begeisterten Kommentare der Zuhörer und Musikkenner, die zum Mozart Requiem in die St.-Georg-Kirche gekommen waren. Ein musikalischer Hochgenuss, der von den beiden jungen Ensembles "Das Vokalprojekt" und "M18" und den vier Solisten Dorothea Gerber, Katharina Fulda, Friedrich Custodio Spieser und Alexander Grassauer in perfekter Harmonie und außergewöhnlicher Klangkultur aufgeführt wurde.

Die Vielfalt der exzellenten Stimmen im Chor verschmolzen mit den Solisten und den Instrumenten der Musiker im Orchester, die gemeinsam ein Musikerlebnis der Extraklasse auf die Bühne brachten und das Requiem von Mozart zu einem Hörgenuss mit Gänsehautfaktor machten. Das Publikum dankte mit stürmischem Applaus.

Julian Steger, der künstlerische Leiter des Konzerts, 1989 in Forchheim geboren, begann seine musikalische Ausbildung beim Windsbacher Knabenchor und hat sich 2013 mit der Gründung des Chors "Das Vokalprojekt" der Chormusik verschrieben. Musikalischer Partner beim Requiem war das Orchester M18, das aus dem Landesorchester Bayern hervorging und für innovative Musikinterpretationen bekannt ist.

Das Requiem, nur fragmentarisch von Wolfgang Amadeus Mozart komponiert, bot den jungen experimentierfreudigen Musikern Raum für musikalische Entfaltung. Es war damit ein besonderes Projekt für das Ensemble, das sich mit Pflege und Weiterentwicklung traditioneller Chorliteratur alter Meister in der Szene schon einen Namen gemacht hat. Der künstlerische Leiter des Konzerts, Julian Steger, interpretierte es so: "Wir werden das sagenumwobene Werk auf dem Stand aktuellster Musikforschung aufführen und gleichzeitig selten gehörte Elemente mit einbeziehen. Mozarts Requiem wird basierend auf den Versionen von Robert D. Levin und der erst 1971 erschienenen Version von Franz Bayer aufgeführt." Auch eine von Mozart ursprünglich vorgesehene "Amen-Fuge" und erst 1960 wiederentdeckte Skizze wurde im Requiem am Ende der Sequenz "Lacrimosa" eingefügt. Eigens komponiert vom Musiktheoretiker Daniel Grote, selbst Sänger im Vokalprojekt. Ein Höhepunkt des Konzerts.

Das Requiem erfüllte den Wunsch von Pfarrer Kilian Kemmer im Totenmonat November mit dem Erklingen der Totenmesse von Mozart eine Brücke zu den Verstorbenen zu bauen und Frieden in die Herzen zu bringen. Kraftvoll verhallte der letzte Ton des Konzerts im Gewölbe der Kirche und in die Stille hinein ertönte das 18 Uhr-Angelusläuten der Kirchenglocken. Aus einem großartigen Konzert wurde eine gesegnete musikalische Stunde, die mit einem Hauch Mystik endete. 

ANDREA LACHMUTH

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