Freitag, 22.03.2019

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Gegen Flächenfraß: Protest in Röttenbach

Naturschützer wenden sich gegen eine Erweiterung des Gewerbegebiets im Süden - 15.03.2019 12:29 Uhr

250 Quadratmeter groß ist die Folie, die Naturschützer auf der Wiese im Süden Röttenbachs auslegten, wo ein neues Gewerbegebiet entstehen soll. So viel Fläche gehe momentan in Bayern innerhalb von drei Minuten verloren. Foto: Eduard Weigert


"Wir wollen zeigen, wie viel Fläche in Bayern Tag und Nacht unwiederbringlich verloren geht. Derzeit sind das 81 Quadratmeter pro Minute", sagte Helmut König, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz Höchstadt-Herzogenaurach. Die Naturschützer kämpften eine Weile mit der Folie, die den Flächenfraß verdeutlichen sollte. Der stürmische Wind sorgte dafür, dass sie immer wieder Wellen schlug und sich aufbäumte.

Genau das wollen die Aktivisten auch tun: sich aufbäumen und protestieren. "Wir appellieren an den Gemeinderat: Stellen Sie die Pläne zur Erweiterung des Gewerbegebiets ein", sagte Tom Konopka, mittelfränkischer BN-Regionalreferent.

Die Ansiedlung würde weitere 2,5 Hektar wertvolle Fläche zerstören, fügte Andrea Wahl hinzu, umgerechnet etwa 3,5 Fußballfelder. Die Vorsitzende der Ortsgruppe ist nicht mit Bürgermeister Ludwig Wahl verwandt, gegen dessen Pläne sie mobil macht. Zwei Betriebe wollen baulich auf dem Areal am südlichen Ortsrand erweitern, weitere sollen umsiedeln oder neu hinzukommen. Gebäude mit einer Höhe von bis zu elf und einer Länge von bis zu 75 Metern sollen hier möglich werden.

"Nimmt man das bestehende Gewerbe- und Industriegebiet als Grundlage, würde dieses um 66 Prozent erweitert", rechnete Helmut König vor. "Bezieht man die gesamte Mischflächen im Dorf mit ein, betrüge die Erweiterung immer noch stolze zehn Prozent."

Die Pläne in Röttenbach seien ein Paradebeispiel für sinnlosen Flächenfraß — weil zudem auch noch besonders schützenswerte Landschaft zerstört oder beeinträchtigt werde. Auf dem Areal befinden sich Wiesen- und Weideflächen, angrenzend liegen Weiher. Selbst aus dem Umweltbericht der Gemeinde könne man entnehmen, dass im Plangebiet die Boden- und Wasserfunktionen unwiederbringlich verloren gingen oder stark beeinträchtigt würden. Weil das Oberflächenwasser nach der Versiegelung anders abfließe, würde die tiefer gelegene Feuchtfläche im Süden beeinträchtigt.

Bedrohte Arten

Der Umweltbericht weise etliche schützenswerte Arten auf, die dann dort ihren Lebensraum verlieren, wie Zauneidechse, Laubfrosch, Neuntöter, Goldammer und Dorngrasmücke. "Scheinbar hat die Kommune nichts begriffen", meinte Helmut König. Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" hätte doch gezeigt, dass die Menschen sich mehr Artenschutz wünschten. So gehe wieder wichtiger Lebensraum verloren für Tiere, die ohnehin schon auf der Roten Liste stehen.

"Betonflut stoppen"

"Wir müssen die Betonflut stoppen", fasste Tom Konopka das Ziel in Worte. Die Pläne widersprächen außerdem dem Baugesetzbuch, dass vorrangig Innenentwicklung vorschreibe, sowie den Zielen der Staatsregierung, die den Richtwert von maximal fünf Hektar Flächenverbrauch pro Tag in den Koalitionsvertrag geschrieben hat.

"Im Großraum Nürnberg gibt es 500 Hektar leerstehende Gewerbeflächen, die angeboten werden wie Sauerbier", sagte Konopka. Die große Softwarefirma, die sich im neuen Gewerbegebiet niederlassen möchte, könne doch nach bestehenden Räumen suchen, meinte er — in größeren Städten, die auch an den schienengebundenen Verkehr angeschlossen sind. 

CLAUDIA FREILINGER

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