Dienstag, 11.12.2018

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"Gemeinde honoriert die Leistungen der Mühlenbesitzer nicht"

Künstler und Mühlenkenner kritisiert "unsinniges" Gerichtsurteil und den Umgang der Behörden mit einer der schönsten Wassermühlen in Nordbayern - 27.11.2018 17:05 Uhr

Begehrtes Bildmotiv: Hier hat der freischaffende Künstler aus Nürnberg 2014 die alte Wassermühle in Öl gemalt.


Der Künstler aus Nürnberg, der jetzt in Tirschenreuth wohnt, ist "ein Liebhaber solcher Objekte", wie er selbst sagt – und inzwischen ein Kenner der Mühlen in ganz Franken. Immer auf der Suche nach Informationen über diese faszinierenden Bauwerke, las Schoepke kürzlich den Artikel "Peschke denkt an Verkauf der Mühlhausener Mühle", Nordbayerische Nachrichten vom 27. September. Daraufhin schaute er sich vor Ort um und informierte sich. Nachfolgend lesen Sie nun seine ganz persönliche Sicht auf die Mühle und ihre spezielle Problematik:

Die Mühle in Mühlhausen hat Rudolf Schoepke bereits mehrfach auf die Leinwand gebannt: Hier eines seiner Werke in Aquarell.


"Da mich alte Mühlen interessieren, habe ich nach dem Presseartikel "Peschke denkt an Verkauf der Mühlhausener Mühle" die Mühle von Mühlhausen angeschaut und mich informiert. Es mutet an, als wären hier die Schildbürger noch lebendig. Da wird vom Verwaltungsgericht Ansbach vor vielen Jahren ohne Ortskenntnis ein kleiner wasserloser Graben zum Gewässer 2. Ordnung erhoben und die Reiche Ebrach bei der Mühle zum Triebwerkskanal der Mühle erklärt. Ich habe alte Mühlhäuser gefragt, und sie haben gesagt, durch Mühlhausen fließt eindeutig die Reiche Ebrach.

Nach diesem Urteil des Verwaltungsgerichts Ansbach freuen sich die Gemeinde und das zuständige Wasserwirtschaftsamt Kronach, denn mit diesem unsinnigen Richterspruch müssen nun die Mühleneigentümer das Gewässer unterhalten, obwohl nur dort alles Wasser der Reichen Ebrach fließen kann.

"Mangelnde Pflege"

Früher hat die Gemeinde das Gewässer gepflegt und hat vor etwa 35 Jahren den Bach gerade im Bereich des sogenannten Triebwerkskanals sehr nachteilig verändert. Jetzt bleiben dort deshalb bei Hochwasser enorme Mengen von Sand und Boden liegen. Der Mühlenbesitzer ist ein wehrhafter Mann, der dieses unsinnige Urteil des Verwaltungsgericht Ansbach bemängelt, aber die Gemeinde und das Wasserwirtschaftsamt Kronach pochen auf dieses Urteil und nun entstand durch die mangelnde Pflege der Reichen Ebrach eine enorme Hochwassergefahr für Mühlhausen.

Die Mühle in Mühlhausen gilt als eine der ältesten und schönsten Wassermühlen in Nordbayern. Künstler Rudolf Schoepke kann daher nicht nachvollziehen, warum der Mühlenbesitzer nicht besser unterstützt wird. © Foto: Jürgen Petzoldt


Wider aller Vernunft wollen anscheinend der Gemeinderat und das Wasserwirtschaftsamt Kronach dem Mühlenbesitzer zeigen, wer hier bestimmen kann. Andere Dörfer im Rheinland oder Norddeutschland und auch in Bayern haben Mühlenvereine, die für den Erhalt ihrer alten Mühlen alles tun. Mühlen sind Kulturgüter, welche die Menschen über viele Jahrhunderte ernährten und heute noch Täler durch ihren Stau bewässern und Hochwasser bedingt regulieren. Die Gemeinde von Oberhaid bei Bamberg hat ihre alte, fast verfallene Mühle gekauft und will sie vermutlich für Millionen von Euro instandsetzen.

"Fast zum Nulltarif"

Mühlhausen hat eine der ältesten und schönsten Wassermühlen von Nordbayern fast zum Nulltarif bekommen. Der Privatmann hat fast 800 000 Euro in den letzten Jahrzehnten investiert; hat eine Ehrung vom Denkmalschutz für das schöne Mühlrad bekommen, aber die Gemeinde Mühlhausen honoriert diese Leistungen nicht; eher im Gegenteil! Offensichtlich wartet der Gemeinderat, bis die Hochwasserkatastrophe eintritt und man pocht aber auf das unsinnige Verwaltungsgerichtsurteil, obwohl der Hochwasserschutz eine kommunale Pflichtaufgabe ist." 

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