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Gerüstet für die halbe Weltreise: Zugvögel fliegen los

Größter Teil heimischer Vogelarten hat Südeuropa oder Afrika als Ziel — Schwalbennester ganzjährig geschützt — Führung im Mohrhof - 06.09.2017 17:41 Uhr

Weißwangengänse auf großem Flug. © Lorenz (LBV)


Laut Naturschutzbund NABU verlässt von den in hiesigen Breiten heimischen Vogelarten der größte Teil in den Wintermonaten seine Reviere und zieht in wärmere Gegenden Südeuropas oder Afrikas.

Als typische Vertreter der Zugvögel, die Reisen mit vielen Gefahren antreten, werden genannt Weißstorch und Schwarzstorch, Kranich, Wespenbussard, Kuckuck, Mauersegler, Rauchschwalbe, Brachvogel, Kiebitz, Singdrossel, Sumpfrohrsänger, Feldlerche, Fitis, Nachtigall und Hausrotschwanz.

Die Störche in Höchstadt kurz nach der Ankunft im März 2017. © Matthias Kronau


Vor dem Stichtag für die Schwalben, 8. September, ist seit Tagen das Sammeln der Rauch- und Mehlschwalben in ganz Bayern zu beobachten.

Auch wenn die Schwalben Richtung Süden ziehen und auch den Landkreis Erlangen-Höchstadt verlassen, müssen ihre Nester erhalten bleiben, ruft der Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Erinnerung. "Schwalbennester sind ganzjährig durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt und dürfen auch nach Abreise der Schwalben nicht entfernt werden", weiß die LBV-Expertin für Gebäudebrüter, Sylvia Weber. Die Schwalbe ist mit der Kulturgeschichte des Menschen überaus verbunden. Im Mittelalter galt die Schwalbe als Lichtvogel, der um das Datum Mariä Verkündigung am 25. März auftauchte und symbolisch den Frühling mitbrachte. Die Generation der Großmütter bestickte Tischdecken oder Aussteuer-Kopfkissen mit Schwalben-Bildern als Glücksboten.

Auf dem Zug der Vögel nach Süden lauern viele Gefahren. Vögel, auch Singvögel, werden in manchen Ländern mit Netzen gefangen oder geschossen. Aber auch in ihren bayerischen Brutgebieten haben es Schwalben zunehmend schwerer. Vor allem, wenn sie versuchen, an Wohnhäusern zu nisten.

Der Himmel über Zentbechhofen ist ein Paradies für Schwalben, die seit dem Mittelalter als Glücksboten für den Menschen gelten. © Ralf Rödel


"Mehlschwalbennester werden oft von den Fassaden abgeschlagen, weil eine Verschmutzung oder Beschädigung der Fassade befürchtet wird", so die LBV-Expertin. Der LBV weist jedoch darauf hin, dass die Nester ganzjährig gesetzlich geschützt sind.

Das heißt auch, wenn die Schwalben nicht anwesend sind. Den Tieren dürfe auch der Zugang zu ihren Nist- und Schlafplätzen zum Beispiel durch Staubnetze oder Baugerüste nicht versperrt werden.

Es gebe viele Möglichkeiten, Verschmutzungen zu vermeiden ohne gegen das Gesetz verstoßen zu müssen, informieren die Naturschützer. Vor allem jetzt im Herbst, wenn die Schwalben in den Süden ziehen, könnten Hausbesitzer die Fassade und vorhandene Kotbretter reinigen.

Oder es könnten neue Kotbretter als Schutz vor Schwalbenkot angebracht werden. Natürliche, von den Schwalben selbst gebaute Lehmnester brauchen keine Reinigung, heißt es ferner. Künstliche Nisthilfen sollten alle paar Jahre abgenommen und gesäubert werden.

"Mit Kunstnestern kann man übrigens auch die Verschmutzung von der Fassade ablenken, indem die Nisthilfen an den überhängenden Dachsparren angebracht werden", informiert Vogelexpertin Weber überdies. Dies könnte zur Arterhaltung der standorttreuen Vögel, die seit 2016 auf der Roten Liste der bedrohten Brutvögel stehen, beitragen.

Um Gebäudebrütern wie Schwalben und Mauerseglern "unter die Flügel zu greifen", fördert der Bayerische Naturschutzfonds das Projekt "Der Spatz als Botschafter der Stadtnatur". Ziel ist der Erhalt der typischen Stadtvogelarten, vor allem in den großen bayerischen Städten.

Die Reisevorbereitungen bei den Störchen, heuer so viele Brutpaare wie kaum zuvor im Landkreis, haben längst begonnen, das Reisefieber steigt.

Störche sind Segelflieger, also auf die Thermik angewiesen. Auf der West- oder Ostroute fliegen sie ums Mittelmeer nach Afrika, wo sie teils in ganzen Kolonien etwa in Marokko überwintern.

Einer der für die Tiere gefährlichsten Punkte ist die Überquerung bei Gibraltar. Um auch dafür genügend Kraft aufzubauen, versammelten sich in den vergangenen Wochen große Storchenscharen in den Feuchtwiesen um die Flüsse zum Picken, Fressen und womöglich der Ausarbeitung der Reiseroute.

Über die Zugvögel im Naturschutzgebiet informiert Dirk Löwing vom Landesbund für Vogelschutz am Sonntag, 10. September, bei einer Führung im Mohrhofgebiet. Treffpunkt ist um 9 Uhr am Gasthaus Walter in Poppenwind 17, Gremsdorf. Die Führung dauert bis 12.30 Uhr. Beratung zum Schwalben- und Gebäudebrüterschutz gibt der LBV, Geschäftsstelle München: Sylvia Weber,  (0 89) 20 02 70 83. Mehr Infos auch auf www.lbv-muenchen.de/ botschafter-spatz  

Edith Kern-Miereisz E-Mail

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