Montag, 19.11.2018

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Hemhofen: Evangelische Gemeinde feiert

Zum 200. Geburtstag gab es ellenlangen Apfelkuchen — Historischer Taufstock kommt zurück an seinen Platz - 02.07.2018 05:58 Uhr

Bunte Wimpel wehen vor der Heilandskirche in Hemhofen. Die evangelische Kirchengemeinde feierte am Sonntag ihren 200. Geburtstag. © Niko Spörlein


Und es gab sogar gleich doppelt Grund zu gratulieren. Seit 200 Jahren gibt es eine lebendige evangelische Kirchengemeinde in Hemhofen. Und seit 70 Jahren musiziert auch der Posaunenchor, den Hans Koch, Vater des heutigen Kantors, Erich Koch, ins Leben gerufen hatte.

"Bei uns sind immer junge Leute willkommen, die zum Musizieren zu uns kommen", meinte Erich Koch im NN-Gespräch nach dem Festgottesdienst.

Das Jubiläum der Gemeinde war Anlass für Pfarrerin Brunner-Wild, mehrere langjährige Mitglieder des Posaunenchors noch während des Gottesdienstes zu ehren. Mit dabei war natürlich Erich Koch selbst für 50-jährige Mitgliedschaft, ebenso Friedrich Scholz für ein halbes Jahrhundert, und ganz zuvorderst wurde natürlich Hans Sänger ausgezeichnet, das letzte noch lebende Gründungsmitglied des Posaunenchors.

Ferner wurden geehrt: Kurt Koch für 45 Jahre, Eugen Noppenberger und Auwit Lehmann für 40 Jahre und Sonja Schulz für 35 Jahre. Für 25 Jahre aktive Mitgliedschaft wurde Martina Beyerlein ausgezeichnet, für 20 Jahre Elmar Kaul und Gunda Batz. Ferner wurden auch die beiden Neulinge im Posaunenchor, Anna Viertel und Heinrich Daßer, hervorgehoben.

Eher unterdrückt

Zur Gründung der evangelischen Kirchengemeinde in Hemhofen kam es, so die Chronik, exakt am 1. August 1818. Im "Allgemeinen Intelligenzblatt für das Königreich Bayern" stand da folgender Wortlaut: "Seine Königliche Majestät haben vermög. an die Königliche Regierung des Rezatkreises, unterm 1. August 1818 erlassen Allerhöchsten Entschließung genehmigt, daß statt der bisherigen Schlosspfarrey zu Hemhofen, Decanats Erlangen, eine ständige Protestantische Ortspfarrey daselbst unter dem Patronat der Protestantischen Freyherrlichen von Winklerschen Gutsherrschaft gebildet werde, zu welcher Stelle der bisherige Schloßpfarrer, Christoph Friedrich Julius Bühner allergnädigst bestätigt wurde".

Seinerzeit war das in Bayern durchaus ein ungewöhnlicher und mutiger Schritt, denn um 1800 waren die katholischen Christen unter dem Adelsgeschlecht der Wittelsbacher sehr stark präsent. Evangelisches Leben wurde überhaupt nicht gefördert, sogar eher unterdrückt. Das änderte sich aber schnell, vor allem wegen der Heirat von Graf Maximilian Joseph von Zweibrücken-Birkenfeld mit der (lutherischen) Friedericke Wilhelmine Karoline von Baden. Sie stellte seinerzeit zur Bedingung, dass sie ihren lutherischen Glauben praktizieren könne.

Natürlich, so die Chronisten aus Hemhofen, gab es schon vor 1818 lutherisches Leben in Hemhofen. Bis dorthin bestand eine Schlosspfarrei, es gab einen Betsaal im Obergeschoss des Schlosses derer von Winkler von Mohrenfels.

Die Gottesdienste damals, datiert zurück bis 1716, seien allerdings nur unter großen Protesten der fürstbischöflichen Regierung in Bamberg abgehalten worden.

Und das lutherische Leben geht noch weiter zurück, wie es im Pfarrbuch von Konstantin Kraußold steht: Protestanten gab es in Hemhofen und Umgebung schon seit 1564; man gehörte seinerzeit zur protestantischen Pfarrei Röttenbach.

Der Taufstock, den Pfarrerin Heike-Andrea Brunner-Wild an Baronin Karin Winkler von Mohrenfels (links) übergab, ist schon mehrere Jahrzehnte alt. © Niko Spörlein


Aus Röttenbach kam auch ganz passend ein Gruß an die seit November in Hemhofen tätige neue Pfarrerin Brunner-Wild: Ein ellenlanger Apfelkuchen aus dem Hause von Peters Backstube mit der entsprechenden, zuckersüßen Inschrift.

Pfarrerin Brunner-Wild, die derzeit noch tagtäglich aus Nürnberg nach Hemhofen pendeln muss (die Pfarrerswohnung soll noch im Juli geräumt werden), freute sich über das Geschenk aus Röttenbach ganz besonders.

Zurück zum Betsaal im Schloss zu Hemhofen: Dort stand, das erzählte Erich Koch, einst ein hölzerner Taufstock ("über dem schon ich getauft wurde"), der nun wieder dort installiert werden soll.

Pfarrerin Brunner-Wild übergab den schmucken und alten Taufstock feierlich zurück an die Baronin Karin Winkler von Mohrenfels, damit dieser wieder an seinem einst angestammten Platz stehen könne, so Brunner-Wild. Der Betsaal im Schloss wurde den Überlieferungen nach letztmalig am Erntedankfest 1969 genutzt. Ab dann feierten die evangelischen Christen in Hemhofen ihre Gottesdienste in der Heilandskirche.

Man könne also bald wieder feiern, nämlich 50 Jahre Heilandskirche in Hemhofen, berichtete der Architekt des Gotteshauses, Heinrich Plößel, der jetzt in Schweinfurt lebt, damals aber in Hemhofen Zuhause war und sich das Fest deshalb nicht entgehen ließ. 

NIKO SPÖRLEIN

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