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Wersal benötigte zum Anzapfen des 30-Liter-Fasses wie in den vergangenen Jahren natürlich keinen Schlegel, sondern drückte das Zapfbesteck in Sekundenschnelle in das Fass, ohne dass ein einziger Tropfen Bier aus dem Hause Kitzmann daneben floss. 30 Liter Freibier kühlten dann die Kehlen der Kerwaburschen, die vier anstrengende Tage vor sich hatten, beziehungsweise noch vor sich haben.
Nimmt man es nämlich ganz genau mit den Festtagen in Hemhofen, dann wird eigentlich sechs Tage lang auf die Pauke gehauen. Am vergangenen Donnerstag schon lud die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Jugendbüro zum Rockabend, der laut Wersal reibungslos verlief.
Offizieller Kirchweihauftakt war dann aber der Freitag. Wenn Hemhofens Bürgermeister an diesem Tag in das Festzelt im Hof des Gasthauses „Zum goldenen Schwan“ lädt, dann folgen diesem Ruf bekanntlich Gäste aus dem ganzen Landkreis. Auch Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm samt Gattin wurden im voll besetzten Festzelt gesehen.
Den Anstich verpasst hatte der Nachbar-Bürgermeister aus Röttenbach, Ludwig Wahl. Er kam später und musste sich von den kurzen aber flammenden Worten Wersals in Sachen „Siedlungsschwerpunkt“ und der zukünftigen engen Zusammenarbeit zwischen Hemhofen und Röttenbach erzählen lassen.
Aber das war Nebensache, denn bei der Kirchweih in Hemhofen haben eigentlich die Kirchweihburschen um deren Chef Rolf Gambel das Sagen. Gleich nach dem Prozedere rund um den Anstich riefen sie zur Verlosung des alten Kirchweihbaumes auf, der am vergangenen Montag mit vereinten Kräften von der Senkrechten in die Waagrechte gebracht und in Meterstücke zersägt worden war. Über ein Ster Holz waren also zu gewinnen, aber auch ein Fresskorb und T-Shirts.
Der Freibier-Freitag dauerte demnach für die Brauchtumspfleger etwas länger, verschont wurde aber keiner der 18 Jungs von den Strapazen einer Kirchweih. Samstagvormittag hieß es nämlich auf in den Wald Richtung Heroldsbach. Die schnurgerade gewachsene Kirchweihfichte wurde schon Tage zuvor ausgesucht und am Samstag für den Transport in die Ortsmitte hergerichtet.
Gegen 16 Uhr stemmten die Burschen das Prachtstück vor dem Stammlokal in die Höhe. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Baum nicht mehr aus den Augen gelassen, auch nicht nachts. Schließlich gibt es Taugenichtse, die das gute Stück „entkleiden“ (schälen) könnten. Die Anstrengungen der Wache konnte man am Sonntagmittag beim Küchla-Zammspielen nicht verbergen.
Am Kirchweihmontag gegen 19 Uhr wird mit den Mädchen rausgetanzt und am Dienstag, das wäre dann der inoffiziell sechste Festtag, machen sich die Kirchweihburschen an das Werk und präsentieren den „Krumma“, quasi eine Art „Krüppelfichte“, mit der die Kerwa wieder eingegraben wird. Brauchtumspflege wird eben groß geschrieben.

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