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Donnerstag, 16.08.2018

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Hemhofener Architekt hilft in Nepal

Christoph Volkmar ist mit "Ingenieure ohne Grenzen" vor Ort - 09.04.2018 05:58 Uhr

Erdbebensicher, aber in traditioneller Optik werden die Häuser, die durch das schwere Erdbeben 2015 zerstört wurden, saniert. Die deutsche Hilfsorganisation leistet dabei Hilfe zur Selbsthilfe. © Foto: Ingenieure ohne Grenzen


Lurpung hat jetzt das erste Haus mit Warmwasserdusche. Der kleine Ort im Distrikt Kavre, 45 Kilometer von der Metropole Kathmandu entfernt, wird seit 2014 von den "Ingenieuren ohne Grenzen" betreut, eigentlich wollte der Verein in dem Bergdorf abseits aller Touristenpfade eine Wasserversorgung auf die Beine stellen. Doch dann kam das verheerende Erdbeben 2015 dazwischen, mehr als 80 Prozent der Häuser in Lurpung waren danach nicht mehr bewohnbar. Die "Ingenieure ohne Grenzen" mussten umdenken. Wiederaufbau war jetzt gefragt, erdbebensichere Häuser.

In Versammlungen stellen die „Ingenieure ohne Grenzen“ ihre Projekte vor. Danach können die Familien entscheiden, ob sie teilnehmen wollen. © Foto: Ingenieure ohne Grenzen


Zwei Musterhäuser in traditioneller Bauweise sind seither mit Unterstützung der Nürnberger Regionalgruppe der Hilfsorganisation entstanden, unter anderem ein Lehrerhaus für Unterrichtspersonal, das von der nepalesischen Regierung in das Bergdorf delegiert wird. Lehrer in Lurpung können sich jetzt über fließend Warmwasser freuen, auch über eine Toilette – was die meisten "normalen" Wohnhäuser ebenfalls nicht haben.

"Beim Bau dieser Musterhäuser haben wir einheimische Handwerker angelernt, wie man erdbebensicher baut", erklärt Christopher Volkmar. Mittlerweile läuft die Sanierung geeigneter Wohnhäuser im Ort, 28 Familien haben sich bislang für das Programm gemeldet, fünf weitere können maximal aufgenommen werden. "Die Familien und ihre Nachbarn und Freunde übernehmen beim Bau alle Helfertätigkeiten, diese Eigenleistung ist vorgeschrieben", sagt der Hemhofener. Mit Spendengeldern hingegen werden das Material und die Handwerker bezahlt, die die Stahlbeton- und Schlosserarbeiten übernehmen.

"Eigentlich sollten ja die alten Dachstühle aus Holz wieder auf die Häuser, aber die Familien haben sich jetzt für Stahldachstühle entschieden", so der Architekt. Holz, das man zum Ausbessern gebraucht hätte, sei in dieser Region ohnehin schwerer zu beschaffen als Stahl, der im nahen Indien produziert werde. Da die Hauseigentümer beim Dachstuhlbau jedoch keine Eigenleistung einbringen können, müssen sie sich an den Kosten beteiligen.

Wenn Volkmar in Nepal ist, überwacht er die Bautätigkeit: "Man muss schon kontrollieren, ob alles so eingebaut wird, wie wir es vorher festgelegt haben. Ob etwas ergänzt werden muss. Denn wenn ein Teil fehlt, wird auch mal irgendetwas anderes, das gerade da ist, verwendet." Die kontinuierliche Kontrolle soll nun ein einheimisches Ingenieurbüro übernehmen.

Handwerker einweisen

Neben der Bauüberwachung kümmert sich der Architekt aus Hemhofen in Nepal um die Materialbeschaffung (das dann aufwändig auf den Berg transportiert werden muss), die Planung weiterer Sanierungen, die Ausarbeitung von Ausführungsplänen und die Einweisung der Handwerker.

Volkmar war in den vergangenen Jahren immer wieder in Nepal und "langsam dringt man in die Gedankenwelt der Menschen ein", so der Architekt. "Das ist dort im Gebirge noch eine archaische Lebensweise ohne eine für uns erkennbare Dorfstruktur. Die Jüngeren zum Beispiel möchten ein Dorfparlament oder einen Bürgermeister einführen, was die Älteren aber verhindern. Dort Veränderungen herbeizuführen, dauert mindestens eine Generation." Das müsse auch er bei jedem Besuch in dem 400-Einwohner-Dorf, von denen rund 250 ständig im Ort leben, neu lernen.

Mit der Tatsache, dass es in Nepal durch die Vielzahl der Ethnien extrem viele Feiertage gebe, an denen nicht gearbeitet werde, müsse man ebenfalls umgehen. "Und wenn der Freund des Handwerkers, der im Nachbardorf gelebt hat, stirbt, kommt der Arbeiter zwei Tage nicht." Eine solche Anteilnahme sei einerseits zwar schön, mache die Baumaßnahmen aber auch schwer planbar.

Ende 2019 sollen die Sanierungen in Lurpung abgeschlossen sein, "und dann wollen wir das Ganze auch in die Region dort tragen", so Volkmar.

Wer die Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen möchte, kann spenden an: Ingenieure ohne Grenzen, Verwendungszweck Nepal Wiederaufbauhilfe, Projektkennung IOG-NPL12, IBAN: DE 89 533 500 001 030 333 337, BIC: HELADEF1MAR, Sparkasse Marburg-Biedenkopf.  

Katrin Bayer Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt E-Mail

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