Freitag, 16.11.2018

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Herzogenaurach: Diskussion über Asylpolitik

Flüchtlingshelfer organisieren Informationsabend vor den Wahlen - 15.08.2018 11:57 Uhr

Wolfgang Seitz will mit seinen Mitstreitern eine Podiumsdiskussion zum Thema Asylpolitik anstoßen. © Foto: Frank Heidler


Unterstützt werde dieses Anliegen auch von den beiden Ortspfarrern Helmut Hetzel (katholisch) und Oliver Schürrle (evangelisch). Der exakte Termin wird noch festgelegt. Flüchtlingshelfer Wolfgang Seitz glaubt, dass die Veranstaltung im Gemeindezentrum St. Otto stattfinden könnte: "Denn das ist groß genug."

Eingeleitet werden soll der Flüchtlingsabend mit einem halbstündigen Vortrag von Stefan Reichel, früher Beauftragter beider Großkirchen zu Asylfragen. Reichel soll über "Fluchtursachen und Integration" sprechen.

Wie berichtet, hatten die Flüchtlingsbetreuer Seitz, Eitel und Schmid im Juli einen Offenen Brief gegen die Verschärfung der durch die CSU verantworteten Asylwende geschrieben. Dabei führten sie auch das Hilfswerk "Brot für die Welt" an, das den "Masterplan" von Bundesinnenminister Horst Seehofer ein "Debakel für die Humanität" nennt.

Verrohung der Sprache

Seitz wörtlich: "Der Zuspruch zu unserem Offenen Brief war größer als wir dachten." Deutlich geworden sei, "dass viele Menschen aus allen Parteien von der ,Verrohung der Sprache‘ in Sachen Flüchtlinge und Asyl irritiert sind." Auf den Offenen Brief der Helfer antwortete auch der CSU-MdB Stefan Müller (wir berichteten ebenfalls). Wolfgang Seitz glaubt, dass der CSU-Abgeordnete in der Asyldebatte keineswegs tatsächlich, wie behauptet, "für alle örtlichen Mandatsträger der CSU" gesprochen habe. In persönlichen Gesprächen mit lokalen christsozialen Mandatsträgern hätten die drei Flüchtlingshelfer einen anderen Eindruck gewonnen.

Wolfgang Seitz schrieb in seiner Antwort an MdB Müller: "Aktuell verzweifeln allerdings gerade in Bayern die Menschen, die in der Flüchtlingsarbeit tätig sind, die vielen Unterstützer- und Helferkreise an Ihrer restriktiven Asylpolitik." In seinem Antwortschreiben beklagte er die im Masterplan aufgeführte "Umstellung von Geld auf Sachleistungen, Leistungskürzungen und Sanktionierungen". Kurz: "Verschärfungen in allen Bereichen."

In der Briefantwort von Seitz heißt es auch: "Nicht nur in Herzogenaurach" bemühten sich Lehrer, Betreuer und ehrenamtliche Helfer vergeblich um Ausbildungsmöglichkeiten im Anschluss an Berufsintegrationsklassen."

Hart kritisierte Seitz auch Sprachschöpfungen der CSU wie "Asyltourismus", "Antiabschiebe-Industrie" und "Asylgehalt". Hier hätte sich der Flüchtlingshelfer eine "deutlichere Distanzierung" durch die CSU gewünscht. Das sei allerdings nicht passiert. Solche Begriffe würden Vorurteile schüren und seien deshalb "indiskutabel". Seit seiner Ruhestandsversetzung vor zwei Jahren betreibt Wolfgang Seitz intensiv ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit. "Andere Helfer machen das schon viel länger."

Sein besonderes Augenmerk gilt acht An der Schütt in Herzogenaurach untergebrachten Flüchtlingen. "Einer von ihnen wollte nicht mit ins Atlantis, Wasser ist für ihn seit seiner Flucht übers Mittelmeer unerträglich."

Oft keine Arbeitserlaubnis

Ein anderer sei gelernter Eisenflechter. Er könnte sofort bei einer heimischen Firma anfangen: "Eisenflechter sind sehr gesucht." Der Mann bekomme aber keine Arbeitserlaubnis. "Das Landratsamt Erlangen-Höchstadt verlangt das Original seiner Geburtsurkunde, er hat aber nur eine Kopie davon." Aufs Original aus Äthiopien müsste der Flüchtling ewig — und wahrscheinlich vergeblich — warten. Immer wieder würden hier lebende Flüchtlinge ihre Berufsschule erfolgreich beenden, anschließend erhielten sie aber keine Ausbildungserlaubnis.

Bei Anhörungen von Flüchtlingen vor dem Bamf hätten diese von Folterungen ihrer Familie, von "verprügelten Kindern" und vom "Waterboarding" berichtet. Oft genug seien solche Schilderungen vom Bamf für "unglaubwürdig" erklärt worden.

Nach Fällen von Kirchenasyl hätte sogar der katholische Stadtpfarrer Helmut Hetzel "Ärger mit dem Staatsanwalt". Wolfgang Seitz machte deutlich, dass die Flüchtlinge bei einem Kirchenasyl nicht untertauchen würden, sondern ordentlich angemeldet seien. "In der überwiegenden Zahl der Fälle bekommen die Flüchtlinge aus dem Kirchenasyl danach ihre Anerkennung."

Sein Appell und der von den anderen beiden Flüchtlingshelfern: "In Deutschland ist das Boot noch lange nicht voll." Andere Staaten würden viel, viel mehr Flüchtlinge aufnehmen. 

FRANK HEIDLER

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