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Höchstadt: Ist altes Haus "Augenkrebs" oder Denkmal?

Doppelhaushälfte in der Unteren Brauhausgasse sorgt für Frust und Diskussion im Stadtrat - 27.09.2017 16:00 Uhr

Als „Schandfleck“ wurde die linke Doppelhaushälfte in der Unteren Brauhausgasse in Höchstadt bezeichnet. Das Haus aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wird jetzt in die Denkmalliste aufgenommen. Foto: Peter Roggenthin


"Also ich kann da nicht einfach die Hand heben", sagt der zweite Bürgermeister Günter Schulz, als der Stadtrat die Mitteilung zur Kenntnis nehmen soll. "Ich stelle mich grundsätzlich dagegen", so der Sozialdemokrat. "Denn die Stadt wird hier fast entmündigt." Er könne nicht länger zusehen, wie einzelne Sachbearbeiter vom Landesamt für Denkmalschutz die Gemeinden "knebeln."

Es geht um eine Doppelhaushälfte, die in der Unteren Brauhausgasse allmählich verfällt. Die Stadt hat das Haus erworben, nun möchte das Landesamt den zweigeschossigen Fachwerkbau mit Walmdach in die Denkmalliste aufnehmen. Begründung: "Die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtete Doppelhaushälfte gehört zu den wenigen Gebäuden in Höchstadt, die aus der unmittelbaren Zeit nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs erhalten sind." Damit sei es ein "wertvoller Zeuge für die hohe Tatkraft der Höchstadter Bürger, die ihre völlig zerstörte Stadt innerhalb weniger Jahrzehnte neu hatten aus Ruinen entstehen lassen."

Andreas Hänjes sieht das anders. "Das ist doch kein Denkmal", sagt der Sozialdemokrat. "Solche Häuser haben wir en masse." Gemeinsam mit Günter Schulz stimmt er gegen die Aufnahme in die Liste.

Bürgermeister Gerald Brehm wird deutlich. Im jetzigen Zustand sei das Haus "ein Schandfleck" und "Augenkrebs." Das müsse sich ändern. Er sieht die Aufnahme in die Denkmalliste positiv, weil sie Zuschüsse aus einem Entschädigungsfonds und der Städtebauförderung ermöglicht. Der Meinung schloss sich die Mehrheit im Stadtrat an.

Um Fördertöpfe geht es auch bei der Sanierung der Höchstader Felsenkeller. Hier haben die Besitzer der Häuschen am Kellerberg Gelder in die Hand genommen und der Staat. 30 Prozent der Kosten für die Modernisierung, die inzwischen fast vollständig abgeschlossen ist, tragen die Eigentümer. Die Hälfte übernimmt die Europäische Union im Rahmen des Netzwerks Ländliche Räume (LEADER), weitere 20 Prozent die Stadt.

"Der Kellerberg ist wunderbar geworden", lobt Bürgermeister Gerald Brehm in der Sitzung. Auch der Brau- und Schaugarten ist inzwischen hergerichtet. "Aber es geht natürlich weiter." Die weiteren Pläne führen unter die Erde.

Die Keller dort wurden zwischen dem 16. und dem 20. Jahrhundert errichtet — als Lagerräume für Bier und Lebensmittel. Für 30 000 bis 40 000 Euro steht jetzt eine Untersuchung der Sanierungsmöglichkeiten für die Keller an. Die Kosten dafür trägt die öffentliche Hand, da waren sich im Rat alle einig. 

Claudia Freilinger Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt E-Mail

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