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Höchstadterin verrät: Wie ist es eigentlich, Christkind zu sein?

Höchstadterin Anja Stowasser liebt die Magie der Weihnachtszeit — Mit dem Prolog auf dem Marktplatz beginnt ihre zweite "Amtszeit" - 07.12.2018 06:00 Uhr

Über ein Selfie mit dem Christkind freuen sich auch die schon etwas größeren „Kinder“. © Foto: Anestis Aslanidis


Auch Christkinder haben ganz irdische Probleme. Wie zum Beispiel komme ich in vollem Ornat zu einem Termin? Wenn man, obwohl in manchen Geschichten anders behauptet, eben nicht fliegen kann und kein von Tieren gezogener Schlitten zur Verfügung steht? Kann man im Christkind-Gewand Auto fahren? Anja Stowasser muss bei solchen Fragen lachen: "Ja, man kann." Einziges "Problem" sei die Krone, die mit Nadeln auf dem Kopf festgesteckt sei – "da muss man einfädeln, um ins Auto zu kommen".

Zu lustigen Situationen komme es freilich: "Einmal musste ich zu einem Termin in Erlangen und stand an den Arcaden an der Ampel. Die Leute schauen dann schon, wenn da ein Christkind am Steuer sitzt", so die 25-Jährige.

27 Termine im ersten Jahr

27 Termine absolvierte Anja Stowasser in ihrem ersten Jahr als Christkind. Sie besuchte Kindergärten, Altenheime, Vereinsfeiern, las Geschichten vor oder sagte den Prolog auf, verteilte Geschenke. All diese Termine zu koordinieren, braucht etwas Organisation – ihre Mutter hilft ihr dabei, alle Anfragen und Wünsche unter einen Hut zu bekommen.

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Lichterglanz, strahlende Kinderaugen, Musik und weihnachtliche Leckereien: In Höchstadt wurde am Freitag der Weihnachtsmarkt eröffnet. Das neue Christkind sprach den Prolog fehlerfrei und verteilte hinterher Süßigkeiten an die Kinder.


Denn Stowasser ist als nun ja doch etwas älteres Christkind natürlich berufstätig: Sie arbeitet in Erlangen in der Personalabteilung der Sparkasse. "Zum einen ist es ein Vorteil, wenn man älter ist und vielleicht schon etwas mehr Selbstvertrauen hat", meint Anja Stowasser. Zum anderen seien jüngere Amtsinhaberinnen, die noch zur Schule gehen, eben zeitlich flexibler.

Was ist das Schöne am Christkind-Sein?

Fragt man sie, was das Schöne am Christkind-Sein ist, muss die Höchstadterin nicht lange überlegen: "All denen, die an das Magische in der Weihnachtszeit glauben, ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern." Auch sie selbst habe lange an das Christkind geglaubt, erst in der Grundschulzeit habe sie erkennen müssen, dass es doch eher Mama und Papa sind, die sich an Weihnachten um die Geschenke kümmern. Doch noch heute genieße sie die Weihnachtszeit und die damit verbundene Magie – "das ist ein bisschen wie eine Flucht aus dem Alltag".

Jung und Alt begegnen ihr bei ihren Auftritten gleichermaßen emotional. Die Jungen und Mädchen im Kindergarten löchern sie nach einer gewissen "Auftau-Zeit" mit Fragen, möchten das goldene Glitzerkleid anfassen und sie am liebsten gar nicht mehr gehen lassen. Zumindest nicht, bevor auch wirklich beantwortet ist, warum es nun Christkind und Weihnachtsmann gibt (diplomatische Antwort: bei so vielen Kindern kommt einer allein gar nicht rum . . .) und warum kein Schlitten vor dem Kindergarten steht, das Christkind aber trotzdem da ist.

Darum hat das Christkind keine Perücke

Immer wieder geben ihr Kinder dann auch einen Wunschzettel mit. "Die sind dann oft ganz süß gemalt", so Stowasser – und manche rufen ihr nach dem Auftritt auch noch ihren Weihnachtswunsch hinterher. Senioren hingegen werden bei ihrem Anblick oft "rührselig", wie die junge Frau beobachtet hat. "Die werden ganz sentimental und erinnern sich auch an ihre Kindheit."

In vollem Ornat: Anja Stowasser in Arbeitskleidung. © Foto: privat


Anders als andere Christkinder verzichtet die 25-Jährige übrigens auf eine Perücke: "Das haben wir damals so beschlossen, weil ich ja selbst blonde Haare habe." "Wir", das sind Stowasser und "Christkind-Betreuerin" Jessica Essler vom Salon Essler & Haare. Im Klartext bedeutet das, dass sie an jedem Auftrittstag Locken eingedreht bekommt – 45 bis 60 Minuten dauert es jeweils, diese Lockenpracht zu zaubern.

Für das zweite Jahr ihrer Amtszeit hat sie sich vorgenommen, ihre Auftritte mehr zu genießen. "Im letzten Jahr war ich doch sehr aufgeregt", gesteht sie. Doch man wachse mit seinen Aufgaben und merke, dass man die immer neuen Situationen, in die man als Christkind komme, meistern könne.

"Regen ist ganz schlecht"

2019 wird ein neues Höchstadter Christkind gesucht und Anja Stowasser macht möglichen Anwärterinnen Mut: "Ich kann das jedem nur empfehlen. Man bekommt bei den Auftritten soviel Dankbarkeit zurück."

Heute Abend hofft sie auf trockenes Wetter: Denn gegen Kälte könne man sich schützen ("vergangenes Jahr habe ich auch mal drei Pullis unter dem Gewand angezogen"), Regen hingegen sei ganz schlecht – "da muss man dann immer so auf die Locken aufpassen". 

Katrin Bayer Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt E-Mail

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