Vier große Bienenvölker besaß Karin Depner bis Ende des vergangenen Jahres, kurz nach Weihnachten starben alle: Sie fielen Wespen zum Opfer oder kehrten nicht von der Futtersuche zurück. Die Imkerin und Ernährungsberaterin aus Weisendorf macht auch die Monokulturen in der Region dafür verantwortlich. „Zum Ende des Sommers finden die Bienen immer weniger Blüten und gehen geschwächt, weil hungrig, in den Herbst.“ Viele von ihnen würden den Winter deshalb nicht überleben, auch, weil Schädlinge wie die Varroamilbe leichtes Spiel hätten.
Einen weiteren Grund sieht sie in der Umstellung der Landwirtschaft auf Energiepflanzen und den Einsatz von Giften. „Gerade Maisfelder nehmen zu, da finden Bienen keinen Nektar“, sagt Depner, „und weil der Mais in der Biogasanlage landet, darf er viel stärker mit Pestiziden belastet werden, ein weiteres Problem.“
In Neustadt a.d. Aisch sind vergangenen Herbst 50 Prozent der Bienen gestorben. Für Höchstadt gibt es keine verlässlichen Zahlen, doch auch hier schrumpft der Bestand und muss im Laufe des Jahres neu aufgebaut werden.
Die Arbeitstiere sind nicht nur für die Honigherstellung wichtig. Nach Angaben der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen hängen 35 Prozent der weltweiten Nahrungsmittelproduktion von Bestäubern wie Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten ab. Ein Großteil des Obstes wie Äpfel, Birnen, Pflaumen wird zu 80 bis 90 Prozent von Zuchtbienen bestäubt, genauso wie etwa 90 andere Obst- und Gemüsearten, aber auch Viehfutter wie Klee. „Diese Bestäubungsleistung der Blüten besuchenden Insekten ist unbezahlbar und nicht ersetzbar“, sagt Depner.
So hat sich der Betreiber eines Erdbeerfeldes in Höchstadt Hummeln angeschafft, die seine Früchte bestäuben, weiß Hannes Neumeier vom Imkerverein Höchstadt. Neumeier bestätigt, dass das Bienensterben ihm Kopfzerbrechen bereitet: „Das ist ein Riesenproblemkreis, wir machen uns Sorgen.“
Auch wenn der vorherige Winter 2010/11 überraschenderweise ohne großes Sterben endete, sieht er die Lage heuer anders. „Der Sommer hat früh angefangen und sehr lange angehalten“, sagt er, „da haben die Bienen durchgeschuftet und wahrscheinlich nicht genügend Winterbrut produziert.“
Die Problematik hat inzwischen auch Brüssel erreicht: Das europäische Parlament fordert Maßnahmen. Es fürchtet, dass sich der Insektenrückgang negativ auf die Umweltstabilität und die Lebensmittelproduktion auswirkt.
Auch das Parlament warnt vor Giftstoffen in der Umwelt, beispielsweise Pestiziden. Schulungen für Landwirte zu den Auswirkungen solcher Giftstoffe und den bienenfreundlichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln will es ebenso unterstützen wie ähnliche Programme für Imker und Tierärzte zur Vorbeugung und Kontrolle von Krankheiten.
Pestizideinsatz gibt es laut einer aktuellen Pressemitteilung des Umweltinstituts München zuhauf: Mit der Intensivierung der Landwirtschaft ist der Pestizideinsatz in Deutschland seit 2001 um 21 Prozent auf jährlich 40844 Tonnen gestiegen. Auch das Institut macht deshalb den Einsatz von Pflanzengiften verantwortlich für anhaltendes und massives Bienensterben.
Imkerin Karin Depner fordert mehr Blühfläche für ihre Insekten — auch in Weisendorf. 2010 hatte sie gemeinsam mit 34 anderen Imkern im Gemeinderat einen Antrag vorgelegt, bei dem Projekt „Blühende Landschaften“ mitzumachen. Diese Aktion wird auch vom hiesigen Bund Naturschutz unterstützt. So betreibe der Verein Aufklärungsarbeit und verteile Samen für Blühwiesen, so Vorsitzender Siegfried Liepert.
Der Antrag war dem Gemeinderat allerdings zu ungenau formuliert: „Alle öffentlichen Flächen sollten insektenfreundliche Grünbepflanzung erhalten“, sagt Weisendorfs Bürgermeister Alexander Tritthart. Der Gemeinderat hatte Bedenken wegen der Verkehrssicherheit bei Blühflächen am Straßenrand, lehnte den Antrag ab. Die Streuobstwiese am Bauhof, die noch in diesem Jahr der Skateranlage weichen muss, wurde stattdessen zwischen den Bäumen mit Wildblumen angesät.
„Wenn die Skateranlage kommt, bedeutet das nicht das Aus für diese Fläche“, versichert Tritthart. Schließlich handelt es sich um eine Ausgleichsfläche, gesetzlich vorgeschrieben, um bebaute Fläche wieder „auszugleichen“. Tritthart: „Es kommt also an einer anderen Stelle wieder eine neue Ausgleichsfläche hin.“ Durch die Ausgleichsflächen im Landkreis tue die Gemeinde bereits viel. „Aber man kann immer mehr tun.“
Wie viele Bienen in diesem Jahr im Landkreis über den Winter gekommen sind, ist noch nicht sicher. Erst Ende Februar kann Imker Neumeier verlässliche Zahlen von den Imkern im Landkreis einholen. Er selbst besitzt zwölf Bienenvölker. Für seine Nektarsammler kann er noch keine Prognose abgeben. „Ich hatte noch nicht den Mut in den Stöcken nachzusehen und mir diese Enttäuschung anzutun“, gibt er zu.
