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In die Synagoge Mühlhausen soll neues Leben einziehen

Gebäude als Museum und Veranstaltungssaal nutzen - 06.09.2018 06:57 Uhr

Die Mühlhausener Synagoge wurde 1938 geschändet und fortan gewerblich und landwirtschaftlich genutzt. Die neuen Eigentümer nahmen auch einige bauliche Veränderungen vor, bauten etwa ein großes Scheunentor ein und mauerten Fenster zu. Nun soll die Mühlhausener Synagoge zu einem Erinnerungs- und Lernort werden. © Foto: Berny Meyer


Für Christian Plätzer, Geschichtslehrer am Höchstadter Gymnasium und Leiter des Höchstadter Heimatmuseums, ist die Sache klar: "Die Mühlhausener Synagoge ist das wertvollste jüdische Gebäude, das wir hier in der Region haben."

Er brachte das Gebäude deshalb ins Spiel, weil im vergangenen Jahr Axel Töllner, in der evangelischen Landeskirche zuständig für den christlich-jüdischen Dialog, nach einem Ort für eine jüdische Gedenkstätte in der Region suchte.

Gymnasiallehrer Christian Plätzer und Kunstschul-Inhaberin Irina Gerschmann wollen einen Verein gründen, der die Synagoge kauft und sanieren lässt. © Foto: Katrin Bayer


In den Folgemonaten sondierte Plätzer, sprach mit Denkmalschützern, Architekten. Diese berichteten dem Historiker, dass er nicht der Einzige sei, der sich für die Mühlhausener Synagoge interessiere. Auch eine gewisse Irina Gerschmann sei an dem Thema dran. Gerschmann, vielen bekannt als Inhaberin der Kunstschule in Höchstadt, ist Mitglied der jüdischen Gemeinde Erlangens und war durch ihren religiösen Hintergrund auf die Mühlhausener Synagoge gestoßen.

Plätzer und Gerschmann – wie der Zufall es will, in Höchstadt sogar direkte Nachbarn – bündelten fortan ihre Kräfte. Dass in Mühlhausen etwas passieren müsse, um die früher als jüdische Schule, Lehrerwohnung und Betsaal genutzten Räume zu retten, stand für sie außer Frage.

Am 27. September soll nun ein Verein "Forum Alte Synagoge Mühlhausen" gegründet werden, der die Synagoge kaufen und sanieren lassen soll. Das Gebäude, das 1938 geschändet wurde, sei innen toll erhalten, schwärmen Plätzer und Gerschmann. Auch wenn es außen nicht mehr wie eine Synagoge aussieht — unter anderem wurde seinerzeit ein monumentales Scheunentor eingezogen, das Gebäude wurde beispielsweise als landwirtschaftliche Maschinenhalle genutzt.

Satte Farben

Doch die Tatsache, dass es nicht als Wohnhaus verwendet wurde und somit keinen Temperaturschwankungen unterlag, hatte auch sein Gutes: Die prächtigen Deckenmalereien im Betsaal sind noch in sehr gutem Zustand. "Die Farben sind richtig satt", so Gerschmann. Der Architekt habe auch dem Gebäude selbst einen sehr guten Zustand bescheinigt.

Finanziert werden könnten der Kauf und die kostspielige Sanierung natürlich nicht allein von den Mitgliedern des zu gründenden Vereins, sagt Plätzer. "Dafür brauchen wir die Unterstützung von Organisationen und dem Denkmalschutz." Bevor die Sanierung starten kann, brauche es deshalb umfangreiche Bau-Voruntersuchungen, ein Nutzungskonzept müsse ebenfalls erstellt werden.

Ideen, wie die Nutzung aussehen könnte, gibt es aber natürlich schon: Entstehen soll ein Erinnerungs- und Lernort. "Wir können uns ein kleines Museum zur Geschichte der jüdischen Landgemeinden vorstellen, auch die Einrichtung einer Bibliothek und eines Johann-Fleischmann-Archivs", sagt Plätzer. Fleischmann hatte sich, wie allgemein bekannt, bis zu seinem Tod 2013 intensiv mit der jüdischen Geschichte der Region befasst, auch Plätzer arbeitete mit ihm zusammen.

Möglich sei zudem, die Synagoge zu einem touristischen Ziel auszubauen. "Außerdem hat der Betsaal eine hervorragende Akustik", sagt Gerschmann. Der Betsaal könne deshalb als Kulturraum genutzt werden, in dem Ausstellungen, Lesungen und Konzerte stattfinden sollen. Einbezogen werden in das Gedenkstätten-Konzept soll auch der jüdische Friedhof des Ortes.

Seinen Höchststand erreichte der jüdische Anteil an Mühlhausens Bevölkerung übrigens im 19. Jahrhundert: 1825 war ein Viertel aller Einwohner des Ortes jüdischen Glaubens.

Der Betsaal wurde bis zur Schändung 1938 genutzt, der Schulbetrieb war schon zuvor mangels Schülern eingestellt worden. 1942 wurden die letzten beiden Jüdinnen aus Mühlhausen deportiert — nun soll an die jüdische Geschichte des Ortes wieder erinnert werden. 

Katrin Bayer Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt E-Mail

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