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Seit Kaiser Karls Zeiten im 8./9. Jahrhundert ist die Karpfenzucht im Aischgrund und den angrenzenden Regionen bezeugt. 7185 Teiche wurden in jüngster Zeit gezählt und katalogisiert.
Ihre durchschnittliche Größe liegt bei 0,4 Hektar und nur sechs dieser Weiher weisen eine Größe von mehr als zehn Hektar auf. Spitzenreiter ist hier der „große Bischofsweiher“, landläufig besser bekannt als „Dechsendorfer Weiher“. So wie der „Dummetsweiher“ (Dompropstweiher) in Kosbach wurde er vom Bamberger Bistum ausgebaut und unterhalten, die Namen der Gewässer bezeugen das noch heute.
Doch auch der fränkische Adel trug seinen Teil zur Karpfenaufzucht bei. Beispielhaft dafür stehen noch immer die Crailsheim in Neuhaus, die Seckendorff in Weingartsgreuth oder die Winkler von Mohrenfels in Hemhofen. Und trotzdem liegt das Schwergewicht der Teichwirtschaft nach wie vor bei Hunderten von kleinen Teichwirten, die mit großer Arbeitskraft und Leidenschaft „ihre Teiche“ bewirtschaften, aber von dieser Arbeit nicht leben können.
Und so war denn Oberles Vortrag gleichzeitig auch eine Liebeserklärung an Landschaftspflege und Naturschutz, an gesunde Ernährung und Gemeinschaftsgefühl, wie man es beim Abfischen erleben kann. Die gemeinsame harte Arbeit stärkt die Gemeinschaft und ist im ländlichen Bereich nicht wegzudenken.
Ursprünglich ernährte sich der Karpfen ausschließlich von Wasserflöhen; heute wird in der Regel Getreide zugefüttert, doch in Maßen, damit die Karpfen nicht zu fett werden. Das würde dem Fleisch schaden und wäre dem Geschmack abträglich.
Die Laichkarpfen legen unvorstellbare Mengen an Eiern. Ein normaler Teelöffel fasst 2000 solcher Fischeier. Nach der Eiablage benötigt der Karpfen ein dreijähriges Wachstum, bis er die Schlachtreife erlangt hat und als goldgelb gebackene Spezialität auf den Teller landet. Hierzu gehört auch das bei Kennern beliebte „Ingraisch“.
Die Innereien, die Samenbehälter des männlichen Karpfens, des sogenannten „Milchners“, und die Eierstöcke des weiblichen Fisches, des „Rogners“, sind eine Köstlichkeit und schon deswegen beliebt, weil es keine Gräten enthält.
Rund 200 Gaststätten in Franken bieten den „Aischgründer“ an, der ausschließlich hier als „halber Karpfen“ mit gebogenem Schwanz — einem Zeichen für Frische, auf den Tisch kommt.
Und wer ein echter „Karpfentod“ ist, der schafft in einer Saison in den Monaten mit „r“, also von September bis April, eine stattliche Zahl von Karpfen. Der bislang unerreichte Rekord liegt bei 210 verspeisten Karpfen: aufgestellt von einem Höchstadter Bürger.
Immer beliebter werden auch filetierte Karpfen, da man beim Essen nicht das Problem mit leidigen kleinen Gräten hat. Aber auch „Karpfen blau“, geräucherte Karpfen, Karpfenpasteten oder sogar Karpfensalat sind auf den Speisekarten zu finden.
Für den Franken unverständlich ist die Tatsache, dass der Karpfen in den USA als „Abfallfisch“ gilt und in Australien zu Dünger verarbeitet wird. Dagegen genießt er in Asien höchstes Ansehen, steht für Glück und Wohlstand und in Japan werden am „Bubentag“ die Hausdächer sogar mit papierenen Karpfen geschmückt, stehen sie doch für Tapferkeit, Stärke und Fruchtbarkeit. Und die logische Konsequenz für einen Franken: „Es gibt nix Bessers wie a Kärbfla!“
