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Kasperltheater Schubert: Hexe und Hotzenplotz unterm Zeltdach

Heinrich und Janine Schubert aus Nürnberg setzen in virtuellen Zeiten weiter auf virtuoses Handwerk - 22.06.2016 19:50 Uhr

Bühne und Zelt sind angerichtet. Heinrich Schubert und Ehefrau Janine freuen sich an diesem Wochenende in Herzogenaurach und nächstes Wochenende in Niederndorf auf eine lustige Kinderschar mit Eltern und Großeltern. © Foto: Kronau


Janine Schubert steht auf der Wiese beim Jugendhaus rabatz und hilft ihrem Mann Heinrich beim Aufbau des rund 100-Personen-Zelts. Beide betreiben ein Kasperltheater, das seit Jahren durch Bayern zieht und nun in Herzogenaurach sein Zelt aufschlägt. Ab Freitag wird gespielt.

Janine Schubert weiß seit langem, dass das kein einfaches Geschäft ist: „Viele Kinder sind schon in jungen Jahren an Computer und Fernseher gewöhnt.“ Auch für Eltern und Großeltern ist es nicht mehr selbstverständlich, Eintrittskarten zu besorgen, wenn der Zirkus oder das Puppentheater in der Stadt ist.

„Wenn ich dann aber in die strahlenden Augen der Kinder sehe, weiß ich, dass es sich lohnt“, sagt Janine, „egal, ob das Zelt voll ist oder nur zehn Kinder gekommen sind.“

Während sich Janine Schubert um die Organisation und das Drumherum an den Spieltagen kümmert, ist es Ehemann Heinrich, der hinter der Kasperlbühne sitzt und die Handpuppen spielt. „Er kann gleichzeitig acht Stimmen übernehmen bei einem Stück“, ist Janine Schubert stolz auf ihren Mann. Mit viel Elan werden die Geschichten erzählt, und die Kinder werden immer mit einbezogen. „Beim Räuber Hotzenplotz zum Beispiel dürfen die Kinder beim Suchen des Räubers helfen.“

In den Sommermonaten ziehen die Schuberts mit dem Zelt von Stadt zu Stadt, jede Woche in eine andere. „Das sind also vier Auf- und Abbauten pro Monat“, sagt Heinrich Schubert. Sechs Stunden braucht er für den Aufbau, „etwas schneller geht der Abbau“. In den Wintermonaten bleibt das Zelt verpackt, dann spielt das Ehepaar unter anderem Weihnachtsstücke in Sälen oder Hallen. „Aber im Zelt zu spielen ist natürlich etwas ganz anderes“, betont Janine Schubert.

Die Schuberts stammen aus einer Nürnberger Zirkusfamilie in fünfter Generation. Vor Jahrzehnten schon sei die Familie dann aber auf das Puppenspiel umgestiegen. „Da waren die Gesichter der Puppen zunächst aus Kartoffeln geschnitzt.“ Später konnten sich die Schuberts Holzpuppen anschaffen, und zwar sogenannte Hohnsteiner Puppen aus der Werkstatt im gleichnamigen Ort in der Sächsischen Schweiz. „Ich spiele immer noch mit ihnen, sie sind über 80 Jahre alt, aber restauriert“, verrät Heinrich Schubert.

Und so soll es bleiben. Das Puppenspiel und auch die Zelttradition ist dem Ehepaar mit seinen zwei kleinen Kindern wichtig. Das Kasperltheater Schubert wird auch weiterhin unterwegs sein — trotz Fernseh- und Computerkonkurrenz. Also: Hereinspaziert ins Zelt! Soll doch die virtuelle Scheinwelt draußen bleiben.

Die Vorstellungen in Herzogenaurach und am Wochenende darauf in Niederndorf: Freitag, 16 Uhr: „Die Hexe Sauerkraut“; Samstag, 16 Uhr: „Kasper und die verzauberte Laterne“; Sonntag 11 und 16 Uhr: „Der Räuber Hotzenplotz“. Eintritt: 8 Euro pro Person, ein Euro weniger bei Vorlage eines Ermäßigungsscheins (in Geschäften) oder dieses Artikels.  

MATTHIAS KRONAU

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