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Kein Spaltpilz in der Feuerwehr

Sebastian Hagen: Menschen helfen ist wichtiger als einen Posten zu bekleiden - 29.01.2013 15:27 Uhr

HERZOGENAURACH  - Mit einer faustdicken Überraschung endete, wie berichtet, die Kommandantenwahl bei der Freiwilligen Feuerwehr. Fast wäre der amtierende Kommandant Matthias Rocca über seinen Herausforderer Sebastian Hagen gestolpert. Nur zwei Stimmen (41:39) trennten die beiden Kontrahenten am Ende. Die NN fragten nach, ob die Herzogenauracher Wehr tatsächlich gespalten ist.

Im Ernstfall zieht die Herzogenauracher Feuerwehr ohnehin an einem Strang.
Im Ernstfall zieht die Herzogenauracher Feuerwehr ohnehin an einem Strang.
Foto: Niko Spörlein
Im Ernstfall zieht die Herzogenauracher Feuerwehr ohnehin an einem Strang.
Im Ernstfall zieht die Herzogenauracher Feuerwehr ohnehin an einem Strang.
Foto: Niko Spörlein

Es hat schon einmal einen ähnlich knappen Ausgang gegeben, erinnert sich der langjährige Vorsitzende und Kommandant, Siegbert Sendner. Als dieser nicht mehr kandidierte, standen sich vor sechs Jahren Matthias Rocca und Hans Leuschner gegenüber. Und auch damals hieß der knappe Sieger: Rocca.

Leuschner habe danach laut Sendner die Feuerwehr leider verlassen. Vielleicht habe die Enttäuschung zu tief gesessen. Dennoch will der frühere FFW-Chef und -Kommandant beide „Fälle“ nicht miteinander vergleichen. Damals sei die Stelle aufgrund seines Rückzugs vakant gewesen, diesmal gab es mit Hagen einen echten Herausforderer.

„Eine Kommandantenwahl ist eine Persönlichkeitswahl“, sagt Sendner. Und es könne eben nur einen Sieger geben. Gleichwohl sind seinen Worten zufolge beide „gute Leute“ – und die müssten sich nun mal „zusammenraufen“. Denn die Zeiten eines „Alleinunterhalters“, wie er es war, seien vorbei. Vorsitzender und Kommandant hätten sich 20 Jahre lang nicht in die Haare gekriegt, sagte Sendner augenzwinkernd und fügt an, dass er auch noch Spielmannszugführer war.


Das FFW-Urgestein kann sich nicht an Kampfabstimmungen erinnern, als er noch in Amt und Würden war. „Als ich einmal vier Gegenstimmen bekommen habe, geriet ich schon ins Grübeln“, sagt er rückblickend. Aber jetzt sei die Lage eben anders. Das relativ junge Alter von Herausforderer Hagen (übrigens Sohn von Feuerwehrvereinsvorsitzemdem Franz Hagen) spiele keine Rolle. „Die jungen Leute sind fit und haben es schon drauf, eine führende Position zu übernehmen.“

Obwohl er knapp unterlag, wird sich Hagen nicht in den Schmollwinkel zurückziehen, betonte er gegenüber den NN. „Ich werde nicht aufhören, denn ich bin in der Feuerwehr, um anderen Menschen zu helfen und nicht, um einen bestimmten Posten zu bekleiden.“

Seine Kandidatur sei aber nicht überraschend gewesen. Er habe sich schon vor einem halben Jahr diesen Schritt überlegt und dann, drei Monate später, das Gespräch mit Rocca gesucht und ihm unterbreitet, dass er gegen ihn antreten werde. In dieser Zeit hat Hagen auch ein Konzept ausgearbeitet. Mit diesem sei er in alle neun Gruppen gegangen und habe dieses vorgestellt.

Ihm gehe es nach wie vor darum, die Leute mehr zu motivieren, sie zu einer Einheit zu formen. Es müsse untereinander mehr gesprochen und ausdiskutiert werden, glaubt Hagen. Ziel sei es nicht gewesen, Rocca abzusägen. Dieser hätte aber merken müssen, dass es einen knappen Wahlausgang geben wird.

Keinesfalls möchte Hagen, dass ein Spaltpilz in der aktiven Mannschaft wächst. Und wenn Rocca ihm ein Gespräch anbietet, dann wird er dazu bereit sein. Wichtig sei auch, dass „wir uns künftig gegenseitig in die Augen sehen können“, so Hagen.

Das möchte auch Matthias Rocca. Er versprach: „Ich werde mich nicht nur mit Sebastian Hagen zusammensetzen, sondern mit der ganzen Truppe.“ Mit den Zugführern habe er in der Zwischenzeit schon gesprochen, was das weitere Vorgehen anbelangt. Es gelte, die jungen Leute „abzuholen“ und in die Entscheidungsfindung mit einzubeziehen.

Gleichzeitig bittet er diese auch darum, an ihn heranzutreten, wenn es Probleme gibt. Vielleicht gebe es da aber eine Hemmschwelle. So wisse er nicht, wenn jemand unzufrieden sei. Weniger gut findet es Rocca, wenn diese Unzufriedenheit über „neue Medien“ verbreitet werde. Er denkt dabei an die Sozialen Netzwerke. Besser sei es aus seiner Sicht, sich an einen Tisch zu setzen.

Der alte und neue Kommandant signalisierte aber auch, aus der derzeitigen Situation lernen zu wollen. Möglicherweise gebe es Kameraden, „die mit meiner Art nicht klar kommen“. Aber auch darüber müsse man reden.

Vor sechs Jahren, als er gegen Leuschner antrat, habe auch er ein Konzept vorgelegt und Ideen präsentiert. Dieses in sechs Jahren umzusetzen, sei in einer Freiwilligen Feuerwehr dieser Größe einfach nicht möglich gewesen. „Schließlich machen wir alles ehrenamtlich neben dem Beruf.“ Und auch er habe sich manchmal gewünscht, dass man ihn mehr unterstützt und geholfen hätte.

Das soll künftig alles besser werden, hofft er. Einen Streit gebe es jedenfalls nicht in der Truppe, und im Ernstfall „funktioniert alles und jeder steht seinen Mann“. LEO HILDEL 



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