Montag, 19.11.2018

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Kostbarkeiten im Stadtmuseum Schlüsselfeld

1000-seitiges Kräuterbuch von 1613 und bayerischer Ur-Metzen - 15.08.2018 06:57 Uhr

Kleine Kuriositäten: Nur ein kleiner Teil der rund 3000 gesammelten Salz- und Pfefferstreuer ist im Obergeschoss des Stadtmuseums ausgestellt. © Foto: Giulia Iannicelli


Schon das historische Gebäude mitten am Marktplatz ist ein Schmuckstück. Das 1723 erbaute Haus beherbergte lange das Rathaus, bis es schließlich vor 25 Jahren zum Stadtmuseum umfunktioniert wurde. Seither "regiert" dort Wilfried Auer. Der ehemalige Grabungstechniker beim Landesamt für Denkmalpflege in Schloss Seehof und seine Frau Monika sind die Motoren des Museums. Sie sammeln und sichten Altes, Regionales und Historisches und stellen die schönsten Stücke schließlich aus. Das wertvollste Exemplar des Museums, den einzigartigen Ur-Metzen von 1811, haben wir kürzlich erst vorgestellt.

Eines der größten Schmuckstücke des Stadtmuseum: Museumsleiter Wilfried Auer zeigt das 1000-seitige Kräuterbuch von 1613. © Foto: Giulia Iannicelli


Im Raum Steigerwald im Erdgeschoss liegt in einer Glasvitrine ein weiteres äußerst ungewöhnliches Stück: ein Kräuterbuch aus dem Jahre 1613. Der Apotheker Jacobus Theodor Tabernaemontanus aus Bergzabern hat darin rund 3000 Pflanzen exakt in allen Einzelheiten beschrieben – wo sie herkommen, wie sie wachsen, wie sie aussehen. Zudem ist jede einzelne Pflanze mit einem Holzschnitt abgebildet. Der Index ist in fünf Sprachen ausgeführt – in Deutsch, Latein, Griechisch, Französisch und Brabantisch.

Das mächtige Kräuterbuch hat rund 1000 Seiten und "ist vor allem für Botaniker eine wahre Fundgrube", wie Wilfried Auer weiß. Weil es nur noch wenige solch alter Nachschlagwerke gibt und man das Originalexemplar nicht häufiger als nötig anfassen will, habe man das Buch inzwischen digitalisieren lassen, erzählt Auer. "Zurzeit sind wir dabei, es Seite für Seite wieder auszudrucken."

Auch dieses wertvolle Buch sei wie der Ur-Metzen nur per Zufall für die Nachwelt erhalten worden, erzählt der Museumsleiter. Ein Mann aus der Gegend sei schon vor längerer Zeit an einem Haus vorbeigefahren, das gerade ausgeräumt wurde – und sah dort alte Bücher liegen. Er kramte ein bisschen und nahm schließlich das alte Kräuterbuch mit nach Hause. Erst später wurde klar, wie wertvoll das Buch ist. Zuerst habe das Museum das Kräuterbuch als Leihgabe erhalten, inzwischen aber hat es die Stadt angekauft.

Jetzt liegt das dicke Nachschlagewerk gleich neben dem Bayerischen Ur-Metzen – umgeben von ausgestopften Raubvögeln, heimischen Nachtfaltern und Schmetterlingen hinter Glas, einem riesigen Hornissennest und über 30 heimischen Baumarten, anschaulich dargestellt mit durchgesägten Stämmen. "Das Motto des Museums ist Anfassen und Begreifen", erläutert Wilfried Auer. "Kinder sollen ja das Zeug in die Hand nehmen und so spüren, wie sich das anfühlt." Auer hat dafür zum Beispiel extra im Erdgeschoss eine Wand aufgestellt, an der verschiedenste Felle hängen – von der Katze bis zur Ziege.

Hinter dieser Fellwand hat Auer ein kleines Depot mit unzähligen Schubladen versteckt. Hier bewahrt er alle Salz- und Pfefferstreuer aus Porzellan auf, die im Ausstellungsraum im ersten Stock keinen Platz mehr haben. Über 3000 Exemplare hat Auer inzwischen gesammelt und auch Bürgermeister Johannes Krapp ist ganz fasziniert von der Vielfalt dieses kleinen Alltagsutensils: "Da gibt es wirklich ganz tolle Sachen."

Seinen Ursprung hat diese ungewöhnliche Sammlung, als Wilfried Auer die letzten noch vorhandenen Exemplare der einstigen Porzellanmanufaktur in Reichmannsdorf, die zwischen 1790 und 1860 produzierte, gesammelt hat. Darunter waren eben auch Salz- und Pfefferstreuer aus Porzellan. Im Obergeschoss des Museums ist zudem ein reich verziertes Kaffeeservice der Reichmannsdorfer Manufaktur zu sehen, daneben wird auch erklärt, wie Porzellan, das weiße Gold, hergestellt wird.

Puppenstube und Kaufladen

Der zweite Raum im Obergeschoss ist der Volkskunde gewidmet. Hier hat Auer von alten Schuhen, Kleidung, Bügeleisen, Pfeifen und Utensilien für Herrgottswinkel alles gesammelt, was einst in der Schlüsselfelder Gegend so im Alltag gebraucht wurde. Zu sehen ist auch eine alte Puppenstube und ein Kaufladen, alte Kegel und Kugeln – "und ein Buch mit den Steigerwalder Bücherwürmern", wie Auer in einer Vitrine zeigt und schelmisch grinst.

Das ist natürlich ein Scherz, aber so manch einer der Besucher glaube das, andere müssten herzhaft lachen, erzählt der Museumsleiter. Auch über die linksläufige Hangmaus, die im Erdgeschoss ausgestellt ist. "Die Maus hat rechts zwei lange Füße und links zwei kurze und kann daher nur links rumlaufen." Haha. Da sei schon so mancher drauf reingefallen.

Tatsächlich echt aber ist das Fluggerät, das im Treppenhaus hängt. Mit dieser selbstgebauten Flugmaschine habe ein Schlüsselfelder 1948 versucht zu fliegen. "Er kam aber nicht weit", verrät Auer. "Um alles zu zeigen, was sehenswert ist, bräuchten wir noch ein paar Räume mehr", findet Bürgermeister Krapp. "Aber mal sehen", meint er. Jetzt wird erst mal das 25-jährige Bestehen des Stadtmuseums gefeiert – und zwar am Freitag, 17. August, um 18 Uhr mit einem Festempfang im Rathaus. Anschließend geht es ins Stadtmuseum, wo Wilfried Auer eine Sonderausstellung zum Werdegang des Museums aufbauen will.

ZDas Stadtmuseum am Marktplatz 25 in Schlüsselfeld ist jeden Sonntag von 10 bis 16 Uhr geöffnet sowie nach Vereinbarung unter Telefon (0 95 52) 92 22 20, oder direkt bei Wilfried Auer, Telefon (0 95 52) 17 63.  

Maria Däumler NN-Springerredaktion E-Mail

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