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Donnerstag, 20.09.2018

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Lonnerstadt: Ehepaar sanierte über 300 Jahre altes Haus

Besichtigungen und buntes Programm am Pfingstmontag - 19.05.2018 06:00 Uhr

Vier Jahre lang haben die Bruckmanns das Wohnhaus im alten Mühlenanwesen renoviert. Dafür wurden sie kürzlich vom Bezirk Mittelfranken ausgezeichnet. Heute genießen beide das Leben im alten Gebäude. © Fotos: André de Geare


"Man muss etwas blauäugig sein, um so ein Haus zu renovieren", gesteht Paul Bruckmann. Denn erst als das Haus, das aus dem Jahre 1695 stammt, von allen Verschalungen und nachträglichen Einbauten befreit war, seien die ganzen Schäden zutage getreten. Rund 180 Tonnen Schutt wurden aus dem Gebäude geschaufelt und getragen, meist in Muskelarbeit. "Zwei Jahre lang haben wir nur entkernt."

Dabei habe sich gezeigt, dass sich das Haus nicht nur 60 Zentimeter nach hinten neigt, sondern dass auch das Tonnengewölbe im ehemaligen Stall so schlecht gearbeitet war, dass es nur noch entfernt werden konnte. "Da habe ich in einer Ecke angehebelt und der Rest ist runtergekracht", erzählt der 53-Jährige, der als Mühlenbautechniker eine besondere Beziehung zur alten Mühle hat. "Als die Löcher immer größer wurden, war es stellenweise schon etwas frustrierend", erinnert sich seine Frau. Aber heute würde sie es nicht mehr hergeben.

Vieles musste ersetzt werden

Am Esstisch in der Küche im ehemaligen Stall erzählen sie von den Tausenden von Arbeitsstunden, in denen sie das Gebäude renoviert haben. Vieles musste ersetzt werden, weil es zu marode oder nicht mehr original war, anderes konnte erhalten werden. In Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde nach einer Voruntersuchung das Konzept für die Nutzung, Raumaufteilung und der Kostenrahmen festgelegt, "der natürlich nicht eingehalten wurde", wie die Bruckmanns - heute - lächelnd sagen. Doch über Zahlen wollen sie nicht reden. Lieber über das wunderbare Ergebnis.

"Die Arbeit hat sich gelohnt", sagen Regina und Paul Bruckmann.


Vom Außensitzplatz an der Küche geht der Blick über bunt blühende Wiesen weit hinein ins kleine Weißachtal. Im Hintergrund hört man das Mühlrad Wasser schaufeln. "Das ist schon klasse hier", sind sich die Bruckmanns einig. Die Küchenmöbel zwischen dem Fachwerk sind modern, alle Holzbalken und auch die Türen sind in einem Sandgelb gestrichen. Wo nun das geräumige Wohnzimmer ist, waren früher einmal drei kleine Räume. Der große Kachelofen ist mit alten Kacheln neu aufgebaut. Der alte Fußboden war zu marode, nun geht man über neue Eichendielen.

Die Außenmauern sind rund 90 Zentimeter dick. Durch originalgetreu nachgebaute Holzfenster strömt Licht in die Räume. Die Innenwände sind mit Lehm verputzt, die Decken mit Brandkalk gekalkt. "Lehm ist ein tolles Material, das macht ein super Raumklima", schwärmt Regina Bruckmann. Lehm ist nicht nur an der Wand, sondern auch als Trittschalldämmung im Boden: "Sechs Tonnen Lehm haben wir reingeschaufelt und festgestampft." Im Sand darüber liegen die Versorgungsleitungen, erst darauf wurde der Holzboden montiert.

Unterm Steinboden im Flur, in Küche und den Bädern sorgt eine Fußbodenheizung für Wärme, wo Holzboden liegt, wurde eine Wandheizung eingebaut. Die sei zwar wunderbar, aber etwas speziell: "Nägel für Bilder können wir nur mit Wärmebildkamera in die Wand schlagen", sagt Paul Bruckmann. Aber dafür habe man keine hässlichen Heizkörper. Die meisten Türen im Haus seien leider aus den 1950er Jahren gewesen, nur zwei Originaltüren waren noch vorhanden. Nach deren Vorbild habe man Holztüren nachbauen lassen.

Von 2012 bis 2016 hat die Renovierung des Wohnhauses gedauert, für die sie nun vom Bezirk Mittelfranken mit einer Urkunde und einem Buch ausgezeichnet worden sind. Vor ihnen am Esstisch liegt ein Foto-Buch, in dem die Renovierungsarbeiten genau dokumentiert sind. Auf einem Bild ist ein Minibagger zu sehen, der dort, wo jetzt das Wohnzimmer liegt, Boden rausschaufelt. "Ja, es war wirklich viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt", da sind sich die Bruckmanns sicher.

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Lonnerstadt: Von der alten Mühle zum Traumhäuschen

Vier Jahre lang sanierte das Ehepaar Bruckmann die alte Mühle in Lonnerstadt, arbeitete hart und schaufelte 180 Tonnen Material heraus. Die Mühe zahlte sich aus: In ihrem Schmuckstück fühlen sich Regina und Paul Bruckmann jetzt "richtig daheim".


Wer das Mühlenanwesen in Lonnerstadt besichtigen will, kann das gerne am Pfingstmontag, 21. Mai, beim bundesweiten Deutschen Mühlentag machen.

Ab 10 Uhr sind Führungen durch die Mühle geplant und es wird die Mehlvermahlung mit alten Maschinen gezeigt. Ferner sind historische Fahrzeuge ausgestellt, Bilder zur Sanierung von Haus und Mühle sind zu sehen, es gibt Handwerker-Vorführungen und Informationen über Wasserkraft und Lehmputz.

Ab 14 Uhr wird Brot im Holzbackofen gebacken, außerdem gibt es frische Küchle und die "Heckenmusikanten" sorgen für Musik. Für Speisen und Getränke ist natürlich gesorgt. 

MARIA DÄUMLER mcd

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