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Poetry Slammer tragen nicht nur Gedichte vor. Von ihnen wird mehr erwartet: voller Körpereinsatz und Spielereien mit der Stimme. So auch beim ersten Herzogenauracher Poetry Slam, der am Samstagabend im Jugendhaus „rabatz“ stattfand.
Ein Poetry Slam ist ein moderner Dichterwettkampf, bei dem die meist jungen Erwachsenen mit ihren selbst geschriebenen Texten gegeneinander antreten. Das Publikum entscheidet durch Klatschen, wer gewinnt.
Seit ungefähr drei Jahren ist Poetry Slam auf Erfolgskurs, weiß Michael Jakob. Der Nürnberger Slammer hat den vom „rabatz“ veranstalteten Dichterwettkampf mit organisiert und acht hochkarätige Slammer aus der ganzen Bundesrepublik in die Aurachstadt gebracht. Unter ihnen befand sich auch Harry Kienzler, der zweifache deutsche Vizemeister im Teamwettbewerb der Slam-Meisterschaften.
Nur das Publikum wollte nicht so recht kommen. Gerade einmal knapp 25 Leute sahen sich die Herzogenauracher Poetry Slam-Premiere an. Auch ein Herzogenauracher Slamer war leider nicht vertreten. Die Slammer gaben sich trotzdem auf der Bühne alle Mühe. Mit seinem Text „Kiffererlebnisse“ hatte Martin Geier aus Nürnberg die Lacher auf seiner Seite.
Ebenfalls aus Nürnberg kam Armin Neitzel, der in „Jux und Tollerei“ vom missratenen Tag der allerletzten Prüfung im Studium berichtete. Sein eigenes Liebesleben schien Simon Felix Geiger aus Freiburg mit Hilfe des lyrischen Ichs in „Ich bin, was ich bin“ zu verarbeiten.
„Manchmal ist man müde … lebensmüde. Tick, tack, tick, tack. Ich stehe lebensmüde am Abgrund.” Turkey Facility stand fast erstarrt auf der schwarzen Bühne, während er seine Verse vortrug. Das Publikum war mucksmäuschenstill, als der Erlanger sein depressives Gedicht vortrug, das Gänsehaut verursachte. „Ich brauch‘ Stillstand. Nur ein Jahr müsste die Welt still stehen.“
„Es ist halt eine außergewöhnliche Veranstaltung“, sagte Christiane Taistra, Leiterin des „rabatz“. Die Herzogenauracher seien solchen kulturellen Veranstaltungen gegenüber zuerst immer ein wenig skeptisch. Aber das Jugendhaus wolle auch den „kulturellen Nischen“ einen Platz bieten und sei experimentierfreudig. Deshalb schließt Taistra eine weitere Auflage des Poetry Slams nicht aus und hofft dann auf mehr Besucher.
In der zweiten Runde des Poetry Slams präsentierten sich auch zwei Frauen, im sonst eher von Männern dominierten Dichterwettstreit. Die Mannheimerin Sylvie Le Bonheur trat mit einem Stapel kleiner Zettel auf die Bühne und trug von jedem eine Eigenschafte vor, die Sylvie Le Bonheur hat.
Aus der Sicht einer 15-Jährigen überlegte die Berlinerin Iris Schwarz, welchen Beruf sie in Zukunft einmal ausüben würde.
Harry Kienzler aus Tübingen schaffte es, eine humorvolle Elegie über Kassetten zu kreieren. Trotz eines unglücklichen Hängers bei seinem Gedicht über einen Tag, an dem alles schief geht, zog Peter Parkster die Zuschauer auf seine Seite.
Auch im Finale gelang es dem Nürnberg Parkster mit einer umgedichteten Fassung von Rotkäppchen, den meisten Applaus auf sich zu vereinen. Er verwies Simon Felix Geiger mit seinem Gedicht über den Schein und Martin Geier mit seiner Wehrdienst-Erzählung auf die Plätze.
Doch die beiden Vizemeister waren gute Verlierer und ließen es sich nicht nehmen, den Sieger Peter Parker prompt auf den Schultern zu tragen. Den Sekt des Siegers teilten sich dann alle Slammer. „Zwar sind wir alle irgendwie Konkurrenten, aber es ist die Gaudi an sich, die zählt“, brachte es Slammer Armin Neitzel auf den Punkt.
