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Mittwoch, 21.11.2018

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Outdoor-Schnitzeljagd mit digitaler Hilfe in ERH

NN-Reporter wagte einen Geocaching-Selbstversuch - 21.08.2018 11:57 Uhr

Stolzer Finder: Der achtjährige Paul präsentiert den Cache „Blick über Weisendorf“, der in einer Filmdose nahe Sauerheim versteckt war. © Foto: Max Danhauser


Um die Jahrtausendwende kam das Geocaching auf und erfreut sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. Wo man früher ausschließlich mittels GPS-Gerät auf der Suche war, kann nun auch das Smartphone als Navigator genutzt werden. Mittels der offiziellen Geocaching-App kann man sich dann zu den Verstecken lotsen lassen. Dafür muss auf dem Handy allerdings GPS aktiviert sein, und schon kann die Suche losgehen. Und das natürlich nicht nur an diesem Feiertag, sondern immer – und überall auf der Welt.

Tausende machen sich jeden Tag auf und begeben sich auf die Suche nach den kleinen Schätzen, die andere Geocacher versteckt und gelistet haben. Gerade in Deutschland ist diese digitale Schnitzeljagd sehr beliebt, knapp 400 000 der weltweit drei Millionen versteckten Geocaches befinden sich im Bundesgebiet.

Anlässlich des "Feiertags" habe ich mich nun auf die Schatzsuche im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung gemacht und bin auch fündig geworden. Denn obwohl die wenigsten davon wissen, auch der Landkreis Erlangen-Höchstadt ist voll von solchen Caches, gerade im Aisch- und Seebachgrund.

Nahe Obermembach liegt ein Geocach mit dem Namen "Waldkrankenhaus Obermembach", so wird im Volksmund der dortige Biergarten genannt. Ein kleiner blauer Punkt in der App-Grafik zeigt den eigenen Standort und, wie weit man noch von seinem Ziel-Cache entfernt ist. Bewegt man sich nun im Gelände, verändert auch die App den eigenen Standort und navigiert einen so gen Ziel. Bis auf wenige Meter genau funktioniert das GPS, dann ist Suchen angesagt. Je nach Örtlichkeit variiert das Signal etwas und kann auch ungenau werden.

Irgendwo da muss der Schatz sein . . . Doch bei aller präzisen Technik führt die Geocaching-App am Handy den Suchenden nur bis auf ein paar Meter heran ans Versteck. © Foto: Max Danhauser


Natur pur ist es aber, was sich beim Geocaching erleben lässt. Einige hundert Meter geht es von Obermembach aus hinein in den Wald, um diverse Weiher herum. Da passiert es auch schon mal, dass man ein Reh oder einen Hasen aufschreckt. Gefunden habe ich den kleinen Schatz bei Obermembach übrigens nicht, das falsche Schuhwerk machte mir an einem sumpfigen Weiherufer einen Strich durch die Rechnung. Neben dem richtigen Schuhwerk empfiehlt es sich auch, eine lange Hose anzuziehen – Franken gilt als Zeckenhochburg.

Der verantwortungsvolle Geocacher wird auf die Natur Rücksicht nehmen. Denn auch wenn man sich im Unterholz befindet, sollte man auf die Pflanzen- und Tierwelt achten und nichts kaputttreten, so spannend die Suche auch sein mag.

Ein anderer Geocache lässt sicher aber relativ gut finden, auch wenn die Suche etwas dauert. Geduld ist schon notwendig, bis man die kleine Filmdose des Caches "Blick über Weisendorf" nahe Sauerheim ausfindig macht. Ein kleines Logbuch befindet sich im Inneren der Filmdose, also ein Büchlein, in der sich jeder Sucher einträgt, der den Cache aufgespürt hat.

Und wer fündig geworden ist, kann sich bei manchen Caches auch noch über kleine Tauschobjekte freuen, die sich darin befinden. Danach wird das Objekt natürlich wieder am Fundort platziert.

Die Verstecke sind raffiniert und oft leicht zu übersehen, gerade vom Neuling. Unter einem Stein, versteckt unter Rinde oder alten Ästen – ein gutes Auge und das richtige Gespür für die Depots ist schon nötig. Es gibt Caches, die teilweise sogar oben in Bäumen platziert sind, einer davon beispielsweise nahe Beutelsdorf. Das Aussehen der Caches kann übrigens variieren: von Filmdosen über Brotboxen bis hin zu Verbandskästen.

Bei der Schatzsuche gibt es verschiedene Schwierigkeitsgrade, ebenso unterschiedliche Arten von Caches. Der sogenannte "Tradi", also der traditionelle Cache, ist die einfachste Variante, doch natürlich haben sich die Geocacher noch etwas anderes einfallen lassen. Beim "Multi-Cache" ist der Schatz nicht gleich an Ort und Stelle zu finden, sondern es sind Stationen zu absolvieren, deren Hinweise dann Rückschlüsse auf das Versteck des eigentlichen Caches zulassen.

Vom Rätsel-Cache, bis über die Nachtsuche hat man sich noch viele weitere Dinge einfallen lassen, um das skurrile und interessante Hobby noch spannender zu machen.

Interessant ist es auch, einen Rundweg zu gehen, auf dem dann mehrere Caches gefunden werden können. Eine für Anfänger gut geeignete Route gibt es beispielsweise südöstlich von Großenseebach. Auf wenigen Kilometern führt sie durch den Forst und hält dabei insgesamt sieben Geocaches bereit. Natur erleben, und das verbunden mit einem Spiel, ist ein ganz besonderes Erlebnis.

Unter den Geocachern gibt es noch eine Regel: Andere Geocacher nur des versteckten Schatzes Willen an einen Ort zu lotsen, ist nicht Sinn der Sache, vielmehr soll der Ort zusätzlich etwas Besonders bieten, so wie der "Blick auf Weisendorf" von der Anhöhe bei Sauerheim.

Und besondere Orte, ausgestattet mit Geochaches, gibt es im gesamten Landkreis. So wird man beispielsweise auch am Türmersturm in Herzogenaurach fündig oder dem Kräuterrundweg bei Lonnerstadt.

Es ist eine Freizeitbeschäftigung für Jung und Alt, die Digitales und Reales kombiniert. Denn anders als bei "Pokemon Go" ist das Ziel keine virtuelle Kreatur, sondern ein physischer Gegenstand.

Trotz aller Technik kommen auch Kinder auf ihre Kosten. Denn begeistert war auch mein achtjähriges Patenkind Paul aus Weisendorf, das am Samstag ebenfalls zum ersten Mal Geocachen war.

Fazit des Experiments: Daumen nach oben und die Empfehlung, es einfach mal auszuprobieren. Aber: Vorsichtig und geduldig sein! Und auf passendes Schuhwerk achten . . . 

VON MAX DANHAUSER

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