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PC’s werden zerlegt

Abfall: Auch funktionstüchtige Geräte ausgemustert - 24.06.2016 05:25 Uhr

Jede Woche wird in Herzogenaurach ein Container mit Elektronikschrott voll. © Foto: Heidler


„Ich hatte schon einen PC, Scanner, Fernseher und vor ein paar Wochen ein Telefon, das mit meiner neuen FritzBox nicht mehr funktionierte, aber nirgends bin ich die Sachen losgeworden“, bedauert sie. Gerade für (noch) funktionstüchtige Computer gibt es nach ihrer Beobachtung keine Möglichkeit der Weiterverwertung. „Es tut einem ja das Herz weh, aber ich musste den Scanner verschrotten.“

Auch ihr Telefon mit Anrufbeantworter „war noch relativ gut“ und voll funktionstüchtig gewesen.

Abgeben beim Kreislaufkaufhaus? Fehlanzeige. Und auch beim Herzogenauracher Wertstoffhof landen PC-Geräte jeder Art im großen Abfall-Container. „Da wird jede Woche ein Container voll“, weiß Toni Kadrija vom Wertstoffhof. Jeden Samstag sei auf dem Wertstoffhof „Großkampftag“.

Die ersten Herzogenauracher würden schon 20 Minuten vor Öffnungsbeginn um 8 Uhr vor der Tür stehen. „Die Autos stauen sich dann bis vor zur Ampel.“ Computer müssten aber grundsätzlich in einen der fünf Container für Elektroschrott geworfen werden.

Lithium-Batterien würden aber möglichst zuvor von den Mitarbeitern des Wertstoffhofes herausgenommen, weiß Kadrija. Er hat aber auch schon mehrfach beobachtet, dass Herzogenauracher beim Wegwerfen der Rechner noch schnell die Festplatte herausgenommen haben. „Die haben dann mit dem Hammer draufgehauen und sie unbrauchbar gemacht.“

Computer gingen immer zum Verwerter, selbst wenn diese noch funktionstüchtig seien erklärt Silke Knörlein, Sachgebietsleiterin für Technik beim Erlanger Zweckverband für Abfallwirtschaft, der auch für Herzogenaurach zuständig ist.

„Das hat haftungsrechtliche Gründe.“ Computer könnten ebenso wie gebrauchte Handys noch alte Nutzerdaten enthalten und dürften deshalb keinesfalls an Dritte weitergegeben werden.

Keine Probleme gebe es dagegen bei Elektrokleingeräten wie Kaffeemaschinen, Wasserkochern oder Staubsaugern. Seit 1, Juni steht auf dem Wertstoffhof eine graue Box, in die noch funktionstüchtige Kleingeräte eingeworfen werden könnten.

„Die Box ist nicht gestopft voll, das könnte noch mehr sein“, verriet sie am NN-Telefon. Ein Eindruck, den der NN-Reporter bei seiner persönlichen „Nachsuche“ in der Elektrobox nur bestätigen konnte: zwei, drei Kaffeemaschinen, ein roter Staubsauger, ein Luftentfeuchter, drei Küchenuhren in dürftigem Design. Knörlein deshalb abwartend: „Wir probieren das jetzt erst einmal.“

Viele Bürger würden ihre ausgedienten Elektronikartikel auch direkt in der Laufer Mühle abgeben. Als funktionsfähig deklarierte Elektronikartikel würden dann erst einmal auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft. Kaum ein Nutzer ist auch an alten PC-Monitoren oder aus der Zeit gefallenen Röhrenbildschirmen interessiert.

Wenig Chancen sieht Werner Zimmermann vom Seniorenhilfsdienst „Heinzelmännchen“ für die Weiterverwertung und Reparatur von Rechnern. „Wir machen nur Kleingeräte.“ Bei PC-Problemen und eventuellen Reparaturen sollte man sich an die PC-Gruppe wenden, empfiehlt er (jeden Dienstagvormittag).

Als „wertvolle Rohstoffe“ bezeichnete Florian Lankes von der Nürnberger Verwertungsgesellschaft „Grüne Engel“ alte Computer und Telefone. Er rief dringend dazu auf, alte Batterien nicht in den Restmüll, sondern in die „Rücknahmesysteme“ auf den Wertstoffhöfen zu werfen. Auch der Herzogenauracher Elektronikmüll landet bei diesen Umwelt-Engeln. Lankes: „Wenn jeder Deutsche ein altes Handy in seiner Schublade hat, sind das schon 80 Millionen Handys“.

Sorgfältig würde in seiner Firma auch Material aus alten Computern in die Bestandteile zerlegt, zum erheblichen Teil an Hersteller verkauft und wiederverwertet. Die Öko-Firma verarbeitet auch Computer von Großfirmen wie Siemens.

„Die legen großen Wert darauf, dass ihre Computer nicht mehr in Umlauf kommen, sondern zerlegt werden.“ Selbst Elektrozahnbürsten solle man nicht in den Müll werfen, sondern auf dem Wertstoffhof abgeben, redet er allen Umweltsündern gehörig ins Gewissen. 

FRANK HEIDLER

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