13°

Samstag, 21.10. - 23:09 Uhr

|

Possierliche Langfinger in Schlüsselfeld

Immer mehr Waschbären in freier Wildbahn - 29.09.2017 07:57 Uhr

Kommt aus Nordamerika, fühlt sich aber auch in Franken pudelwohl: der Waschbär. © Archivfoto: Rainer Bernhardt


"Wir haben schon seit Jahren Probleme und wussten lange nicht, wer die Schäden verursacht", erzählt Wächtler. Nicht nur Bienenstöcke wurden geplündert, auch Wildfütterungsanlagen im Wald. Jäger hätten schon Dachse verdächtigt und manche Imker dachten, ein menschlicher Täter habe sich an den Bienenstöcken vergriffen. Eine Wildkamera hat den Übeltäter schließlich entlarvt.

Aufrecht am Bienenstock

Deren Foto zeigt, wie ein Waschbär aufrecht auf den Hinterbeinen am Bienenhaus steht und sich an den Bienenstöcken zu schaffen macht. "Der Waschbär reißt den Riegel runter, macht den Deckel von den Bienenkästen auf, dann langt er mit seinen langen Fingern rein, holt die Waben raus und frisst die Bienen und den Honig", weiß Wächtler.

Auch seine Bienenstöcke am Rande eines blühenden Blumenfeldes mitten im Wald zwischen Schlüsselfeld und dem Burghaslacher Ortsteil Niederndorf waren schon Ziel der tierischen Langfinger. "Ich hab Losungen gesehen, da war mir klar, dass Waschbären am Werk sind", sagt Wächtler. Jetzt hat er die Holzbienenkästen mit Gittern ummantelt, davor lehnen schwere Steine. So schützt sich der 78-Jährige vor den kleinen Raubtieren, die ihm und etlichen anderen Imkern in der Gegend schon gehörig Schaden verursacht haben.

Bis zwölf Kilo schwer

Aber auch Mais, Äpfel und Weintrauben mag der Waschbär gerne, der ausgewachsen bis zu zwölf Kilo schwer ist. "Wenn auf den Feldern alles abgeerntet ist oder eben im Winter, wenn er keine Nahrung mehr findet, dann macht sich der Waschbär offenkundig auf der Suche nach Futter über die Bienenstöcke her", hat Wächtler beobachtet.

„Eigentlich macht er ja keinen Schaden“: Kilian Wächtler schützt seine Bienenkästen mit einem Gitter vor dem Zugriff des Waschbären, der sich in Franken immer wohler fühlt © Foto: Peter Roggenthin


Laut Wikipedia werden die Kleinbären, die eine recht kompakte Gestalt haben, vom Kopf bis zum Hinterteil bis 60 Zentimeter lang, der dunkel gestreifte buschige Schwanz ist nochmals bis zu 40 Zentimeter lang. Waschbären haben einen breiten Kopf mit spitzer Schnauze und abgerundete Ohren. Sie haben eine schwarze, maskenartige Zeichnung im Gesicht, die von weißem Fell umrandet ist. Eigentlich ist der Waschbär in Nordamerika zuhause, doch inzwischen tauchen auch in Europa immer mehr dieser kleinen Raubtiere auf — und seit einigen Jahren auch rund um Schlüsselfeld.

Woher die Tiere genau kommen, weiß man nicht. "Nach dem Krieg hat es in Deutschland etliche Waschbär-Farmen zur Pelzproduktion gegeben", hat Wächtler herausgefunden. Vielleicht sind die Tiere irgendwo ausgebüxt oder es hat sie jemand freigelassen. Da könne man nur mutmaßen.

"In der Region Schlüsselfeld fühlt sich der Waschbär in alten Scheunen und auf verlassenen Gehöften wohl", weiß er. Auch in der Nähe von Ortschaften wurden die possierlichen Tierchen schon gesichtet. "In Obermembach hat sich mal einer auf einem Haus in der Dachrinne gesonnt." Der naturverbundene Rentner macht sich Gedanken, was jetzt mit den Tieren passiert. "Eigentlich macht er ja keinen Schaden." Und wenn die Imker ihre Bienenstöcke mit Gittern schützen, dann halte sich auch der Schaden in Grenzen. 

MARIA DÄUMLER MARIA DÄUMLER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Schlüsselfeld