Freitag, 16.11.2018

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(R)Evolution überschreitet Grenze

Intensive Impulse für Kunstszene: "AndersArtig" mit Irene Hetzler baut in Wolfsberg zum Partnerjubiläum eine Ausstellung auf - 07.09.2018 15:50 Uhr

Eine Art kleine Werkschau auf der Terrasse: Die Malerin Irene Hetzler, die als ehemalige Leiterin des Liegenschaftsamts der Stadt Herzogenaurach und Partnerschaftsbeauftragte viele Kontakte nach Wolfsberg in Österreich knüpfte, zeigt eine Auswahl ihrer Arbeiten. Dazu zählen das revolutionäre Rot, eine Grundzeichnung für ein Herzogenaurach-Panorama und Erkennungszeichen der Stadt: Fehnturm und Kirchweih-Riesenrad. © Fotos:Jürgen Petzoldt


HERZOGENAURACH — Welche Bilder kommen mit nach Wolfsberg? Ist es das "Seestück", wie man es spontan nennen möchte, der revolutionäre Aufruhr in Rot, sind es die Szenen schneebedeckter Gipfel als Hommage an Österreich, entstanden als kleinformatige Serie, inspiriert durch ein Gedicht des "revolutionären" Hölderlin?

Auf die drängenden Fragen der Gegenwart suchte die Gruppe AndersArtig mit Carolin Gugel (Plastik, Skulptur), Hans-Peter Singer (digitale Kunst, Mischtechnik) und Irene Hetzler bereits mit der November-Schau Antworten.

In Wolfsberg, wo am 20. September die Vernissage in der Stadtgalerie am Minoritenplatz ansteht, richten sich die Fragen erneut ans Publikum. Dort wird auch der bildende Künstler Walter Melcher, dessen Jüngling im Stadtbild der Partnerstadt Wolfsberg präsent ist, mit vertreten sein. Auch in Herzogenaurach hat er vor Jahrzehnten schon einmal ausgestellt.

Erste Bildauswahl: Die Künstlerin begutachtet, was zu Stichworten wie „Austria“ und „Revolution“ passt.


Irene Hetzler sieht es so: "Klimawandel, Globalisierung, Urbanisierung, Digitalisierung: Der rasende Wandel der Gegenwart irritiert und verunsichert Menschen in der ganzen Welt. Wissen und Forschung explodieren, selbst die Gesetze der Evolution können durch Genmanipulation ausgeschaltet werden. Künstliche Intelligenz als eine Folge evolutionärer Entwicklungsprozesse mit revolutionären Ergebnissen verspricht möglichen Nutzern in Wirtschaft und Gesellschaft Wettbewerbsvorteile und bessere Überlebenschancen. Digitale Clouds lassen eine entmaterialisierte Welt in Paralleluniversen entstehen.

Mit Algorithmen werden Mensch und Natur nicht nur erkennbarer, nutz- und steuerbarer, sondern auch durch Filterblasen in einer digitalen Welt isoliert.

Welche psychologischen und kulturellen Entwicklungen gehen damit einher und wie verändern sie Gesellschaften, die noch mehr als in der Welt des Atomzeitalters durch künstliche Intelligenz in Militärgewalt entmündigt, bedroht und eliminierbar werden? Kann der Mensch noch folgen? Was kann uns verloren gehen?"

Dies ist der gedankliche Hintergrund des Themas für die von Irene Hetzler initiierte Ausstellung (R)Evolution und für ihre künstlerische Arbeit, die dem Betrachter die Kunst als Erfahrungsspielraum bei der Suche nach Antworten anbietet.

"Die neue Kunst des Zusammenlebens wie sie uns beispielsweise die renommierten Wissenschaftler ,Les Convivialistes‘ mit ihrem ,Konvivialistischem Manifest’, Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudation si’ oder der aus Herzogenaurach stammende Theologe Prof. Dr. Alexius J. Bucher in seinen Schriften und viele andere ebenso aufzeigten, ist gefragt", sagt die Künstlerin. Nur grenzüberschreitend als Weltgemeinschaft sei eine Zukunft mit positiver Wende möglich.

Das künstlerische Spektrum von Irene Hetzler reicht weit.

Sie nahm Unterricht bei Professor Gerhard Wendland, besucht seit Jahren regelmäßig Kunstseminare an der Kunstakademie Bad Reichenhall. Ihre Bildsprache ist klassisch-modern. Ihre Sujets sind mal abstrakt, farbintensiv. Ein andermal zeichnet und malt sie die typischen Augenfänger ihrer Heimatstadt: den Fehnturm, das Riesenrad der Sommerkirchweih.

Ihren Urlaub verwendete sie in den vergangenen Jahrzehnten stets für die Kunst, die trotz Hingabe hinter den menschlichen Belangen und Aufgaben zurücksteht: "Ich bin ein Blockarbeiter", beschreibt sie sich, "in Zwischenzeiten male und zeichne ich im Kopf."

Seit Jahrzehnten ist die Passion von Irene Hetzler die Kunst. In ihrer Zeit als Leiterin des Liegenschaftsamts der Stadt Herzogenaurach, während der Ära von Hans Ort und Hans Lang als Bürgermeister, begann sie, ihre Leidenschaft mit ihren Kontakten zu verbinden.

Sie war mit den Städtepartnerschaften Wolfsberg und Nova Gradiska, die Partnerstadt in Kroatien, betraut und eine derjenigen, die den bis heute überaus herzlichen Kontakt nach Kärnten mittrug. Nach 50 Jahren Partnerschaft mit Wolfsberg sieht sie es so: "Es war damals schon sehr wichtig, sich im Frieden zu begegnen. Heute ist es wieder genauso wichtig. Man dachte, die Grenzen sind überwunden. Sie sind es nicht, nicht die Grenzen im Kopf." Mit dem Kauf des Areals von Blendiger & Bauer in den 1980er Jahren rückte ein Projekt nahe, das in Zeiten knapper Stadtkassen nicht selbstverständlich war: ein KunstRaum in Herzogenaurach.

Irene Hetzler initiierte zunächst für Herzogenauracher Kunstschaffende eine unentgeltliche "Zwischennutzung" des Mitteltrakts der ehemaligen Schuhfabrik für Kunstausstellungen. Sie überzeugte Künstler aus den Partnerstädten Wolfsberg und Nova Gradiska von dem besonderen Reiz einer Industriebrache, sodass sich der Raum in der Folge für künstlerische und kulturelle Anlässe im Rahmen der Städtepartnerschaften Wolfsberg und Nova Gradiska nutzen ließ.

Der nunmehr etablierte Ausstellungsraum Langenzenner Straße 1 wurde zum "KunstRaum" und Ausstellungsort auch für die folgenden Kulturtage.

Heute ist dies als Ausstellungsraum für die Schauen des Kunstvereins nicht mehr wegzudenken. Der Kunstverein – 2002 von Irene Hetzler angeregt und 2003 mit weiteren Unterstützern gegründet – baute sich neu auf.

Die Künstlerin organisierte und leitete überdies Kunstreisen und Museumsfahrten zu zahlreichen spannenden Ausstellungen im In- und Ausland.

Wie in Zukunft?

Wie wird die Kunst der Zukunft sein? Dreidimensionale Kunstklassiker vielleicht als Hologramm zum Herunterladen . . . ? Auf drängende Fragen, so sieht sie es, könne die Kunst helfen, Antworten zu finden.

Für das Ausstellungskonzept (R)Evolution ist den Machern Musik ein wichtiges Medium, das nicht nur zwischen den Künstlern der Gruppe und den Interpreten und Komponisten ein weiteres Erfahrungsfeld durch Spiegelung und Kommunikation eröffnen soll, sondern auch dem Betrachter synchron ein erweitertes Erlebnis verschaffen will. So gehört auch der aus Herzogenaurach stammende Komponist und Percussionist Michael Ort zur Gruppe AndersArtig. 

Edith Kern-Miereisz E-Mail

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