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Welche Auswirkungen hat der jüngste Fall Contador auf den Radsport?
Ingolf Hoffmann: Das ist eine Katastrophe. Die Profis machen kaputt, was die anderen mit Mühe aufbauen. Ich will die Radrennfahrer nicht von jeder Schuld freisprechen, aber man muss auch sehen, wie unterschiedlich die Sportarten in punkto Doping behandelt werden: Vor einigen Jahren musste ein bekannter Fußballtorwart (Nationalmannschaft und Bayern München) nach einem Spiel zur Dopingprobe. Als der Kontrolleur ihm vorwarf, der Becher sei ja nur halb voll, warf der Sportler diesen verärgert um. Passiert ist ihm nichts, ein Radprofi wäre für diesen Vergehen automatisch ein Jahr lang gesperrt worden. In unserer Sportart gibt es die schärfsten Kontrollen, Profis werden rund um die Uhr überwacht.
Jan Ullrich, Lance Armstrong jahrelang unter Dopingverdacht, jetzt Contador verurteilt – welche Vorbilder können Sie den erfolgreichen Jugendlichen in ihrem Verein denn noch bieten?
Hoffmann: Moment, Jan Ullrich ist noch nie des Dopings überführt worden. Bei Contador ist das schon anders, das Argument mit dem angeblich verseuchten Steak ist lachhaft. Aber auch in anderen Sportarten sind die Idole manchmal fragwürdig. Ich denke trotzdem, dass unsere Talente versuchen sollten, so weit wie möglich nach oben zu kommen.
Ist zum Sprung an die Spitze nicht Doping nötig?
Hoffmann: Die Versuchung, zu unsauberen Mitteln zu greifen mag da sein, wenn es nicht ganz reicht – wie in fast jeder Sportart. Aber ich rate unseren jungen Sportlern trotzdem dazu, Angebote von Rennställen anzunehmen. Eines unserer Talente hat eventuell das Potential dazu. Sport soll ja auch Spaß machen. Und ich finde, dass man in den mittleren Leistungsklassen auch viel reisen und von der Welt sehen kann – es muss nicht immer gleich die Protour sein .
Also haben Sie keine Probleme, Ihren Nachwuchs und auch dessen Eltern für diese Sportart zu begeistern?
Hoffmann: Radsport ist ja so viel mehr als diese kleine Gruppe von Profis und das Thema Doping. Zum Beispiel die Tausende von Menschen, die allein bei uns im Landkreis an den Wochenenden mit dem Rennrad unterwegs sind. Wenn ich sehe, wie viel Arbeit und Engagement bei uns im Verein dahinter steckt. Zum Beispiel trainieren unsere Jungs selbst bei dieser Kälte wöchentlich 18 Stunden auf der Straße. Verlangen Sie das einmal von einem Fußballer! Jeder Sportler hat Sorge zu tragen das er keine unerlaubten Substanzen zu sich nimmt. Zwei unserer Jungs haben Asthma, was dank ihres Sports glücklicherweise zurück geht, beide haben Angst, dass das von ihrem Hausarzt verordnete Spray auf der Liste steht. Ist das normal? Soll man diesen Einsatz, diese Qualen bestrafen, weil sich die Spitze verführen lässt? Das ist ein bisschen wie in der Politik.
Welche Rolle spielt denn das Thema Doping bei den Radamateuren?
Hoffmann: Selbst auf unterer Ebene werden bei jedem Rennen (selbst bei 15-Jährigen) einige Starter ausgelost, die zur Dopingprobe müssen. Ich persönlich habe noch keinen positiven Fall erlebt. Ich habe allerdings gehört, dass vor einigen Jahren ein übermotivierter Altersklassenfahrer überführt wurde.
Manche Stimmen sagen, man sollte Doping generell freigeben. Wie stehen Sie dazu?
Hoffmann: Ich bin für absolutes Dopingverbot! Man sollte alle Verführer strengstens bestrafen, denn die Verführten kennen weder die Nebenwirkungen noch können Sie im Alter von 17 oder 18 Jahren die Konsequenzen ihres Handelns absehen. Es wäre schön, wenn in allen Sportarten und in allen Ländern die gleichen Maßstäbe gelten würden. Der Bund Deutscher Radfahrer hat mittlerweile wohl die strengsten Richtlinien und betreibt sicher den größten Aufwand aller olympischen Sportarten.
